Ehrlich gesagt habe ich gerade EBEN wieder mal meine Prinzipien gebrochen...
Und habe mir den sentimentalen ABSCHIED von Air Berlin, sprich den letzten Flug der in Berlin - Tegel gelandet ist,angesehen...und das obwohl ich Abschiede immer so hasse weil sie IMMER tränenreich enden - selbst wenn ich nur meinem Bruder "Lebewohl" sage von dem ich weiss dass ich ihn aller Voraussicht nach nächstes Wochenende wiedersehe...das Leben kennt keine Garantien.
Das eine Mal "Adieu", eher standardgemäß dahin gesagt, kann mitunter ein FÜR IMMER WEG bedeuten... Das Leben spielt oft mit gezinkten Karten. Daher vermeide ich Abschiedszenen wo ich nur kann - zu traurig und grüblerisch wird mir dann ums Herz.
Das Aufgebot an Mitarbeitern die auf der taghellen Landebahn aussahen wie kleine andächtige Friedhofs -Kerzen...die Wasser - Fontänen mit der das Flugzeug besprenkelt wurde - das rote Fahnen - Hissen der Piloten aus dem Cockpit... da blutet schon das berlin - brandenburger Herz.
Ich bin - als ich noch in Wien lebte - oft mit der "Roten Garde" meine Heimflüge angetreten. Es hängen sehr viele Erinnerungen an diese 1.5 Jahre im feschen Österreich. Erste berufliche Erfolge stellten sich ein. Das Leben begann.
Dazu die liebevolle Geste, am Ende des Fluges rote Schokoherzen an die Passagiere zu verteilen - das Alleinstellungsmerkmal mit dem die Firma sich ins Herz des Reisenden brannte. Positive Affirmationen weckte - nicht nur bei Schoko-hungrigen Kids. Auch gestresste Manager lächelten dann sanft.
Die leuchtend - roten Uniformen & Häubchen der stets freundlichen Stewardessen - und ein Gefühl der Heimat wenn ich das rote Abzeichen in Wien - Schwechat auf dem Rollfeld stehen sah und wusste: "Ich kann jederzeit ZURÜCK" ...mir kullern gerade die Tränchen.
Plötzlich wie aus dem nichts rief mich meine Mutter zur Geisterstunde an, auch mit belegter Stimme & der Frage: "Hast Du auch die Verabschiedung gesehen...?!"
Wie in Telepathie spricht sie meine Gedanken aus: Dass sie auf Reisen immer ein Gefühl der Heimat gespürt hatte wenn sie im Ausland die Berliner Luft-Flotte sah, plötzlich war die Fremde nicht mehr ganz so düster, das Heimweh ein Stück gestillt, fast so als würde man in der entlegendsten Ecke der Welt die Stimme eines lieben Freundes vernehmen...kitschig, ich weiss!
Und meine mum sagte, dass sie sich immer sicher gefühlt hatte beim Fliegen da die Air Berlin wohl nie einen Absturz zu beklagen hatte? DANKBARKEIT für diesen Umstand steigt auf, mir wichtige Personen nicht durch einen Flugzeug-Absturz verloren zu haben. Vielleicht massiv - übertrieben, ich ahne es. Aber dennoch sind das meine Gedanken wenn ich an unsere "rubinfarbenen" Reisen denke.
Ich dachte schon dass ich psychisch - krank bin dass mir bei den Bildern des Abschieds die Tränen kullerten & mir schwer ums Herz wurde.
Über - empathisch oder "eingebildet - sensibel" würde wohl dann die Diagnose des Psycho - Doks lauten. Schön dass es anderen Menschen ebenso ergeht.
Auch bzw. besonders die Mitarbeiter tun mir leid. Viele haben sich gewiss in jahrzehntelanger Firmen - Zugehörigkeit gewisse "Absicherungen" erworben, müssen nun bei Null und mit Nichts in der Hand neu anfangen - wenn sie überhaupt in der Luftfahrtbranche bleiben KÖNNEN indem sie einen adäquaten Job finden...
Ein Beruf der vielen Piloten, Technikern und Stewardessen Berufung war - wie uns Lustdienerinnen unser Sexjob (der ab Januar auch ein bisschen ins Wanken gerät).
Hatten Träume, Sparziele, vielleicht einen Teil der Einkünfte für Geschenke an ihre Kinder verplant...ich weiss, in mir sprudelt dann oft die Phantasie über bezüglich einzelner Schicksale die ich nur erahnen kann.
Die Lufthansa indes setzt nun riesige Flugzeuge ein die gewöhnlicherweise nur Übersee benutzt werden um die nun "zusätzlichen" Ex - Air - Berlin - Passagiere aufzufangen womit auch die Flugtickets teurer werden für einige Geschäftsreisende...
Indirekt wirkt sich das natürlich auch auf uns Huren aus, wo einige Herren dann lieber das Rendezvous absagen da die Reise doch teurer wird als man es früher gewohnt war oder die Tickets schneller vergriffen sind und man einige Messen nicht mehr besuchen wird...alles greift ineinander, selbst der sprichwörtliche Reissack der in China umfällt da wir (nicht nur im Schamanischen Sinne!) alle eins sind - aber das nur am Rande.
Ich erinnere mich auch noch lebhaft daran wie 2 Air Berlin - Mitarbeiter in unsere Touristik - schule kamen, die Erfolgsfirma präsentierten & uns als Stewardessen gewinnen wollten...das Strahlen in einigen Frauen - Augen im Hinblick darauf, bald als Stewardess in die Luft gehen zu dürfen.
Die durchfeierte Nacht als meine Freundin ihren Traumjob begann & mir kleine rote Kärtchen aus allen möglichen Städten sandte & mich ermutigte dass auch ICH meinen Lebenstraum weiter verfolgen solle, inklusive Foto mit dem smarten Käptn im Cockpit & stolz grinsend als wollte sie mir zurufen: "Guck mal - ICH kann es doch auch!" ... Ach Mensch.
Und so gehe ich mit einigen sentimentalen Erinnerungen ins Bett & hoffe das Allerbeste für die Zukunft der Angestellten.
ANGEBLICH gewinnen rote Mannschaften immer - Rot ist die Farbe des Erfolges. Sogar wissenschaftlich untersucht worden anhand von Fußballmannschaften.
In jedem Fall ist ROT meine Lieblingsfarbe. Sie steht für Hingabe, Wärme, Behaglichkeit, Leidenschaft, HERZblut.
Möge ein jeder immer wieder Orte der Hinwendung, der Wärme und Geborgenheit vorfinden. Egal wo - egal mit oder durch wen. Und wenn es "nur" eine olle kommerzielle Marke ist die das Herz ein bisschen leichter schlagen lässt.
Ruhe sanft, AIR BERLIN - mein kleines Stück Heimat in der großen weiten Welt.


@ Rosi: Hm hatte sowiso damit gerechnet dass der Blog NICHT durchgeht durch die Kontrolle weil er nicht ins Kaufmich rein passt *;-) und bin nun umso erstaunter DASS er frei ist... @ Feine Sache: Sowas in der Art hatte ich auch schon vermutet...dass das von der Konkurrenz ausgenutzt wird natürlich & die Piloten nun alle "Ansprüche" an ein sich jahrelang erarbeitetes höheres Gehalt verlieren...
und irgendwie fühlt es sich immer noch melancholisch an - fast so als würde man sein 1. geliebtes Auto in den Schrott geben oder aus der 1. eigenen Wohnung weg ziehen. bisschen wehmütig. bin sowieso sehr markentreu eingestellt wenn mich ein konzept erst mal begeistert hat.
Guten Abend Jessika, ein wundervoller Beitrag! Hat zwar nur sehr entfernt mit Erotik zu tun - aber mit Service schon viel mehr. Ich finde es toll wie detailiert und einfühlsam du diese Situation beschrieben hast. Ich selbst habe zu Air-Berlin zwar keinen Bezug, aber ich kann deine Empfindungen - und auch die Traurigkeit der tausenden Angestellen absolut nachvollziehen. Für mich wiederum ein schrilles Beispiel wie gnadenlos das profitorientierte Management vorgehen kann. In anderen Branchen habe ich dies - wenn auch in viel kleinerem Maßstab - selbst auch schon erlebt. Auch ich weiss: Romantik ist hier auch fehl am Platz. Vielleicht tut deswegen ein herzlicher Beitrag wie deiner besonders gut!
Ich werde die Air Berlin auch vermissen. Ich bin zwar nicht sehr oft aber immer sehr gerne mit denen geflogen. Das Personal war menschlich, authentisch und humorvoll und nicht, wie meistens bei anderen Airlines, so superkorrekt und regelrecht unnatürlich drauf und fast schauspielernd. Die Angestellten, die jetzt ihren Job verlieren oder nur zu sehr viel schlechteren Bedingungen woanders Arbeit finden, tun mir echt leid.
Ich bin auch öfter und gern mit Air Berlin geflogen. Das war so eine richtige Institution in Berlin. Hat immer Spaß gemacht ... mein Dank gilt deshalb der Belegschaft. ... Aber irgendwie habe ich so das Gefühl, diese Pleite passt wieder mal perfekt zu Berlin, auch wenn Berlin nur bedingt etwas dafür kann (z.B. die Nichteröffnung des BER). Diese Stadt scheint den Misserfolg regelrecht anzuziehen, einer europäischen Hauptstadt einfach unwürdig. Jetzt haben wir keinen Großflughafen und die zweitgrößte Airline Deutschlands wurde auch in den Ruin getrieben. ... Wenn man sich diese einzigartige "Erfolgsgeschichte" der Air Berlin mal zu Gemühte führt, fragt man sich unweigerlich, wie das so kommen konnte, am Ende nur noch ein Trauerspiel. Den Schlussakkord setzte dann Herr Winkelmann, im Februar 2017 von der Lufthansa gekommen (oder besser, installiert?), ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Welcher Manager bekommt denn bei Vertragsabschluss eine Bankbürgschaft auf Weiterzahlung seines Salärs nach der Pleite (bei Winkelmann sollen das 4.5 Mio EURO sein). Das war doch alles längst abgekartet. Herr Winkelmann hat seine Mission erledigt, dafür kassiert er jetzt Millionen. ... Das ist der real existierende Kapitalismus in Reinkultur, da bleibt die Belegschaft wie so oft ganz ordinär auf der Strecke, da geht's den Globalplayern um ganz andere Werte. Und daran wird sich aufgrund des Fehlens von funktionierenden alternativen Gesellschaftsentwürfen auch so schnell nichts ändern.
Ich kann mich noch sehr genau an einen Flug mit Air Berlin erinnern. Wir waren im Anflug auf Gran Canaria und ich konnte schon die kleinen Büsche neben der Landebahn sehen. Kurz vorm Aufsetzen heulten die Motoren auf und wir starteten durch. Nach einer Schleife über die Insel und das Meer setzten wir erneut zur Landung an. Nach Erreichen der Parkposition lüftete der Pilot das Geheimnis. Der Wind hatte kurz vor dem ersten Aufsetzen plötzlich gedreht. Wenn er trotzdem gelandet wäre, dann wären wir über die Landebahn hinaus geschossen und im Meer gelandet. Er hat uns somit allen das Leben gerettet. Das zeigt einmal mehr was diese Menschen beherrschen müssen. Nun wird man diese Frauen und Männer mit geringerer Bezahlung abspeisen. Traurig aber Wahr.