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Kein Luxus Callgirl Märchen

Manchmal lese ich von Angeboten, wo sagenhafte Karrieren als sogenanntes High Class Escort Model angepriesen werden. Für manche Leserinnen mag das reizvoll klingen: Wie wäre es wohl so ein Leben als weltweit gefragtes High Class Escort Model zu führen und vielleicht könnte genau so eine Tätigkeit der Schlüssel in eine verborgene gehobene Gesellschaft sein. Heute dann der Millionär aus Shanghai, morgen vielleicht ein TV-Star und übermorgen ein erotisches Tête-à-tête mit internationalen Geschäftsmännern. Dann noch ein paar Anfragen von neugierigen Journalisten beantworten, die mit Erotik immer eine Seite in ihrem Blättchen füllen möchten und sein eigenes Bild in einem Magazin sehen. Ja so ein Luxus Callgirl Leben klingt doch gut.

Ehrlich gesagt halte ich ein derartiges Leben für ziemlich langweilig und Karriereversprechungen für wenig glaubhaft. Als ich knapp siebzehn, achtzehn Jahre "alt" war hatte ich am laufenden Band "Freunde" die mich auf Händen trugen und die sich wahrscheinlich in meine Jugend verliebt hatten. Keine Ahnung wo die alle auf einmal herkamen. Nein, ich habe es damals nicht darauf angelegt. Ich glaube ich war sehr jung in den Techno-Clubs der ganz frühen 90er, sah vielleicht auch noch jünger aus, trank keinen Alkohol, nahm keine n, und zog mit meiner schneeweißen, fast überbelichteten Haut im Zeitalter der Sonnenbankbräune die Blicke auf mich. Ich war mit denen dann ständig irgendwo zwischen Frankfurt, Bad Homburg, Kronberg und wo diese Leute damals so wohnhaft waren. Mein 17. Geburtstag wurde ganz groß gefeiert, es ging diesen Leuten bestimmt nicht um mein Wiegenfest sondern um Party-Party-Party im Glücksrausch der Nachwendejahre. Meine Adoptiveltern, eine biedere Berliner Beamtenfamilie traf regelmäßig der Schlag, weil ich dann auch mal mit neuer Garderobe und teuren Geschenken nach Hause kam. Ich musste dafür gar nichts machen außer Teil dieser Gruppe zu sein. Wahrscheinlich war denen einfach nur sehr langweilig, dachte ich mir damals in meiner Naivität, und die hatten von allem sowieso zu viel. Es fand nichts statt was mir nicht gefiel. Sexuell passierte übrigens... gar nichts wäre jetzt gelogen. Ich nahm aber auch kein Geld. Auf die Idee wäre ich damals nicht gekommen. Aber das wusste ja niemand aus meinem sozialen Umfeld. Die Gerüchte nahmen jedenfalls ihren lauf…

Irgendwann verliebte ich mich in einen gleichaltrigen strohblonden, alles andere als frommen Pastorensohn, der gerade zurück aus den USA gekommen war, ein ansehnlicher Leistungsschwimmer und der mich meine Luxus Party Crew ganz schnell vergessen ließ. Am Anfang war das eine ziemliche Umgewöhnung wieder nur mit ganz normalen spätpubertären Gleichaltrigen zusammen zu sein. Ich tanzte mit denen immer öfter in einer ziemlich düsteren abgerockten übervollen Kellerkneipe auf Tischen und hatte als das dann mit dem Pastorensohn vorbei war sehr viel Spaß mit Krethi und Plethi von Überall und Sonstwo. Deren Namen habe ich schon lange vergessen aber die Erinnerungen sind lebendig und ich vermisse diese Zeit. Vielleicht ist Paysex mein Lifestyle weil ich ein Stück weit meine geteilte Lebensfreude von früher konservieren und mit anderen Menschen fast egalitär teilen kann.

Ich finde es schön einen Querschnitt der Gesellschaft zu kennen und sich nicht in irgendwelchen Nischen zu verbarrikadieren. Das ist mir irgendwie in Mark und Bein übergegangen. Man kann mich kaum mit Äußerlichkeiten beeindrucken. Die viel größere Kunst ist es mit jedem eine Balance zu finden, ganz gleich wo dieser Mensch herkommt oder was er ist. Die Diversität hat seinen Reiz. Die Festlegung auf eine soziale Klasse fände ich irgendwie rückschrittlich. Das ist nicht das Weltbild in dem ich verankert bin, wenn alle Menschen wie aus der Retorte sind oder diese sich in einen kunstseidenen Cocon einweben. Der einfache Mann ist mindestens genauso spannend wie ein Geschäftsmann aus den Emiraten. Und manchmal treffe ich auf die unterschiedlichsten Typen in ganz kurzer Abfolge. Allerdings finde ich es bedeutsam, dass man ähnliche Werte teilt und eine gemeinsame Sprache, auch im übertragenen Sinne, spricht. Ferner glaube ich, dass es einen ganz großen Unterschied macht, ob man in sehr jungen Jahren in dieses Gewässer gelockt wird oder ob man das erst in späteren Jahren als gefestigter Mensch auf der Basis einer eigenen mündigen Entscheidung vollzieht.

Ein ganz nettes Hallo. Da hast Du ja schon richtig viel erleben dürfen! Wünsche Dir von Herzen, dass Du weiterhin noch gaaaaanz viel schönes erleben darfst.

20. Feb 2021Antworten

Der Mensch gewöhnt sich an alles. Als ich das erste Mal in Thailand war, filmte ich die Pickups, auf deren Ladefläche zu meiner Verblüffung Menschen saßen - in Deutschland undenkbar. 24 Stunden später saß ich selbst auf der Ladefläche eines Pickups und fand das bald völlig normal. Genau so ist auch das Luxusleben. Für ein High Class Edel-Escort ist es bestimmt sensationell, mit einem schwerreichen Kunden in seinem Privatjet zu seiner Villa mit 7 Schlafzimmern zu fliegen. Spätestens beim dritten Flug findet sie nichts mehr dabei. Und wenn der Mann ein Bündel Geldscheine zückt, ihr Honorar plus üppiges Trinkgeld aus dem Bündel blättert und dann noch einen weiteren Geldschein herauszieht, um sich damit seine Zigarre anzuzünden, dann verliert auch das viele Geld seinen Wert.

20. Feb 2021Antworten

Ich könnte mir sogar vorstellen, dass im gehobenen Paysex-Segment gerade diejenigen Frauen unterwegs sind, die meinen die "Schande" und die verlorene Ehre der sexarbeitenden Außenseiterin mit dem Anspruch wettzumachen nur eine kleine exklsuive Klientel für eine sehr hohe Summe zu bedienen. Vielleicht sind auch gerade, das dann Frauen, die aus eher bescheidenen Verhältnissen, sozial wie pekuniär stammen und einen raschen sozialen Aufstieg so à la Gräfin Dubarry suchen.

21. Feb 2021Antworten

Das gehobene Paysex-Segment ist doch auch davon abhängig, wo man wohnt. In "Kleinkleckersdorf" sitzen die Millionäre nun mal nicht "am Straßenrand". In Großstädten ist die Chance auf einen solventen Herrn viel größer. Grundsätzlich ist ja alles eine menschliche Sache. Der "einfache Mann" mit Respekt vor der Dame ist zig mal mehr wert, als der Millionär, der sie wie Sch.... behandelt.

21. Feb 2021Antworten

Paysex hat immer den Makel der Zweitklassigkeit, Demi Monde. Eine Escortdame mag sich luxuriös kleiden und die Umgangsformen der Oberschicht perfekt beherrschen. Sie wird dennoch nicht auf Dauer geduldet. Sie ist nur Gast auf Zeit. Der "Makel" ist, dass sie Geld von ihrem Kunden nimmt. Allein dass sie arbeitet, mag schon in Makel in dieser abgehobenen Welt sein. Es stimmt schon. Der Reiz für Frauen im Paysex ist zum Teil, dass sie sich mit Männern aus allen Schichten der Gesellschaft treffen kann. Vom Maurergesellen bis zum Unternehmenslenker. Sie kann sich durch diese Vielfalt quasi "erden" und entgeht der Langeweile des Luxus.

21. Feb 2021Antworten

Vielleicht sind des dann auch nicht "die" Männer als Klientel, die der horizontalen Frau die Teilhabe an dem "Aufstieg" misgönnen, sondern, dass sind dann entsprechende Frauen aus diesen besseren bürgerlichen Kreisen oder das Alice Lager, die Medien usw. die die Personalie permanent in Frage stellen und problematisieren würden. Und daran sieht man wieder, dass Randgruppen Vorurteile und Klassenschranken aus längst vergangenen Jahrhunderten, wie in Kabale und Liebe konservieren.

21. Feb 2021Antworten

Die Abwertung von SDL geht meines Erachtens vor allem von bürgerlichen Frauen aus. Allerdings auch von Männern, die SDL wie eine Ware ansehen.

21. Feb 2021Antworten

Ja genau, weil es schon immer einen Unterschied zwischen bürgerlicher Frauenbewegung und Arbeiterinnenbewegung gab. Feministische Ansätze würde ich auch eher in der bürgerlichen Ecke verorten.

21. Feb 2021Antworten

Ich sehe die Abwertung noch durch sehr viele Männer, die schlichtweg die Dienste der SDL aus den verschiedensten Gründen nicht in Anspruch nehmen können aber sehr gerne würden.

21. Feb 2021Antworten

ich denke aber, dass die Abwertung von Frauen gegen Frauen, die ihren ganz eigenen Film fahren, auch nicht vernachlässigt werden sollten. Ich würde mich mit einem Mann, der mich abwertet erst gar nicht treffen. Das merke ich nach wenigen Sekunden schon am Telefon.

21. Feb 2021Antworten

Naja man weiß ja gar nicht von wem Rosemarie Nitribitt ermordet wurde. Das kann auch eine ganz andere Geschichte dahinter gewesen sein. Auf YT habe ich neulich einen sehr interessanten Podcast zum Thema gehört. Wobei ich deren Schlußfolgerung auch nicht so prockelnd fand. Aber die frühen Jahre von R.N. wurden gut herausgearbeitet. Ich kenne den Begriff Demi Monde, aber ich wusste nicht, dass es auch eine gleichnamige Escortdame geben soll? Habe die im Netz gar nicht gefunden.

21. Feb 2021Antworten

ich denke ohne computer und internet wäre es auch irgendwie lustiger. bin ganz froh, dass ich noch eine analoge Zeit kennengelernt habe, wo man mit wildfremden Menschen überall zusammen kommen konnte. //Smartphone killed everything human...

21. Feb 2021Antworten
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