Zunächst einmal:
Ich bin "bisous" aus Reutlingen wirklich dankbar...daß Sie mit ihrem Blog endlich auch hier die Diskussion um den sogenannten Dokumentarfilm "love mobil" des NDR eröffnet hat - eine Diskussion, die nicht nur die sogenannten Medien-Macher, sondern vor allem auch UNS beschäftigen sollte:
Die "Doku" "love mobil" zeigt ( nochmal kurz zusammengefaßt ) den traurigen Alltag zweier Prostituierter in Wohnwagen an Landstrassen in Niedersachsen...
Aber - wie sich herausstellte ist ALLES...ein einziger, armseliger Betrug der Filmemachern Elke Lehrenkrauss
Denn: Sie hat ALLES nur erfunden!
95% der Szenen im Film sind gestellt!
Die meisten Darstellerinnen haben eigentlich nichts mit Prostitution zu tun!
Nun könnte man sagen: Na ja...Fernsehen! Was hab ich erwartet!???
Aber ich denke: Diese "Fake - Doku" betrifft uns Alle hier - Frauen wie Männer - auch in ihren gesellschaftlichen Folge-Wirkungen - mehr als uns lieb sein kann...
Aber dazu etwas später...mehr...
Zum Film:
Ja - auch ich hatte diese preisgekrönte "Doku" ( 2019 ) schon seit einigen Zeit auf meiner "watchlist" und hatte bereits Interviews mit der "Filme-Macherin" Elke Lehrenkrauss dazu gelesen.
Ja - und ich hatte irgendwie die Hoffnung, daß das vielleicht eine Dokumentation sein könnte...die sich behutsam, authentisch und ohne den üblichen geifernden Blick dem Alltag zweier Prostituierter nähert...
Immerhin gab Frau Lehrenkrauss in Interviews ja die empathische Menschen-Versteherin und erzählte allen Gazetten davon, daß sie drei Jahre gebraucht habe...um das Vertrauen der beiden "Prostituierten" zu erlangen...
Abgesehen davon, daß mich hier bereits ein ungutes Gefühl beschlich: Das klang nicht nach Menschen, sondern nach "wilden Tieren", die sie mit Futter lockt...
Aber ok, ich wollte nicht zu zu mißtrauisch sein! Drei Jahre also, um in die geheime Welt der Huren und Freier mit der Kamera eindringen zu dürfen - ich hatte immer noch Respekt vor dieser Frau! Und habe den Prostituierten vertraut, die das zu lassen...
Dann muss Frau Lehrenkrauss ja deren Vertrauen verdienen...
Vor ein paar Wochen war es dann endlich soweit:
Im Spätprogramm eines öffentlich-rechtlichen Spartenkanals entdeckte ich "love mobil" - und wußte schon nach kurzer Zeit des Anschauens:
Hier stimmt etwas nicht!
Das traurige Elend der Wohnwagen-Prostitution - perfekt ausgeleuchtet wie ein David-Lynch-Hollywood-Film...
Märchenhaft komponierte Bilder mit glamourösen Lichtpunkten und Filmset-Ton...in dem zwei Huren aus Bulgarien und Nigeria vor sich hin werkeln...
Armut, Traurigkeit und körperliche Not - in Hochglanz-Manier gefilmt!
Dazu Freier und Zuhälter, die ebenso perfekt gedreht waren...und alle Stereotpyen bedienen...die man aus schlechtestem Krimis kennt.
Und so sprachen sie dann auch - wie aus einem schlechten "Krimi-Drehbuch" nachempfunden...ein tiefer Griff in der nach unten offenen Klischee-Kiste der "Regisseurin"!
Und dann erst die vermeintlichen Freier, die für ein bißchen Geld im Gespräch "alles rausholen"...oder der arrogante Club-Besitzer im billigen "Clan-Styling", der die Hure rassistisch abkanzelt!
Aber bitte: Immer alles gut ausgeleuchtet, perfekter Ton...und immer mit Gesicht und minutiös inszeniert...
Eine Kamera, die sich am Elend weidet...Armut und Not in HD!
Eine Inszenierung, die alle bürgerlichen Vorurteile abarbeitet:
Frauen, die verzweifelt ihren Körper verkaufen und für ein paar Euro mehr "alles tun"...und dabei aber immer noch Sexy-Standards entsprechen...ja, ja, ja...wir sind ganz nah dran!
Und: Männer, die Frauen brutal sexuell ausbeuten und rasssistisch degradieren...
Dazu eine traurige Flüchtlings-Story, Familien-Elend in Bulgarien und eine armselige "love story", die keine ist...
Ich ahnte schon beim Anschauen -:
Hier ist NICHTS ECHT...hier bedient die "Dokumentar-Filmerin" alle IHRE moralisierenden Vorurteile, die SIE im Kopf hat...um ein Weltbild zu vermitteln, daß die Welt in ihrem Sinne verändern soll!
Denn die Botschaft des Filmes ist klar:
Frauen sind Opfer...werden ausgebeutet...Männer sind die Ausbeuter!
Elke Lehrenkrauss und ihr Kameramann zelebrieren das märchenhaft aussehende Elend...und leiten daraus eine übergeordnete Botschaft ab:
Schaut her...so schlimm ist Sex-Arbeit...das kann eine Gesellschaft nicht zu lassen!"
Die Interviews die die sogenannte "Filme-Macherin" dann bei Zeitschriften wie EMMA gibt, sagen es noch deutlicher, worum es ihr im Film wirklich geht:
Zitat Elke Lehrenkrauss":
"Ich habe Rita und Milena begleitet, weil
sie die stärkste Ausstrahlung hatten...ich wollte die Athmosphäre des Lebens dieser Frauen einfangen, die Tristesse, in der sie leben..letzten Endes wollte ich einen Film machen über eine fragwürdige Gesellschaft!"
Nur: Diese Frauen gibt es nicht!
Elke Lehrenkrauss scheut also auch diese Lüge nicht!
Denn wie sich durch die Recherchen eines NDR-Magazins ( dafür danke an die mutigen Journalisten und Journalistinnen, gegen eine "Doku" aus dem eigenen Haus zu recherchieren"! ) herausstellte:
Es ist nicht davon wahr, was die angeblich so engagierte Filmemacherin, die ebenso angeblich drei Jahre brauchte, um das Vertrauen der Frauen zu bekommen...uns da in ihrer vielfach preisgekrönten Fake-Doku erzählt.
Nochmal - weil man es kaum begreifen kann:
Fast alles, was wir in "love mobil" sehen...gibt es nicht!
Es gibt diese Sex-Arbeiterinnen nicht!
Es gibt diesen rassistischen Club-Besitzer nicht!
Es gibt diese Freier, die dort die Not der Frauen ausnutzen, nicht!
Fake! Fake! Fake!
Frau Lehrenkrauss hat einfach alles erfunden!
Die Huren, Freier und Zuhälter sind Freunde, Nachbar, Schauspieler!
Die Dialoge hat sie sich ausgedacht...so wie sie meint, daß es sein könnte!
Inclusive eines erfundenen Prostituierten-es, der extra noch erwähnt wird, um Frauen in angst zu halten...
Kleine Fußnote meinerseits - bevor jetzt wieder die Kommentar-Trolle auftauchen:
Natürlich gibt es viele traurige Geschichten, Elend, Ausbeutung auch in dieser Lebenswelt - so wie in vielen Lebenswelten...aber BITTE:
Das rechtfertigt nicht, daß eine scheinbar seriöse "Dokumentar-Filmerin" uns einen "Armuts-Elends-Porno" in perfekten Bildern als Wirklichkeit präsentiert...
Spätestens seit den Skandalen um STERN-Reportage-Fälscher Michael Born und SPIEGEL-Geschichten-Erfinder Claas Relotius sollte uns Allen klar sein, wie wichtig es ist...daß Presse, Journalismus und Dokumentation einem verpflichtet sein sollten:
Der absoluten und bedingungslosen Wahrheit!
Denn Vertrauen der Leser/innen und Zuschauer/innen ist das wichtigste Gut...und "Filme-Macherinnen" wie Elke Lehrenkrauss beschädigen das sehr nachhaltig!
Aber auch die Redaktionen, die solche "Machwerke" wie "love mobil senden.
Da ich Haupt-beruflich im Art-verwandten Genre arbeite, kenne ich die Mechanismen natürlich nur zu gut:
Sensation, geile Bilder, am besten noch "irgendwas" mit halb-nackten Frauen...funktioniert Quoten-mäßig immer gut!
Und dann noch das "Versprechen" von "love mobil"....daß der Gut-Bürgerliche Mensch mit diesem Film "so schöne, geile Einblicke in die sonst verborgene Welt der Prostitution bekommt!"
Huh...schön geil und schön gruselig!
Die armen Mädchen...so ausgebeutet...aber hübsch anzusehen, wie sie da auf den nächsten brutalen Freier warten!
Und was ebenso unglaubwürdig ist:
Der Redakteur, der "love mobil" für den Sender abgenommen und betreut hat...gab gestern in "Radio Eins" Auskunft über sein Versagen...und warum er den "fake" angeblich nicht erkannt:
Nun - er war Jahren mit der "Filme-Macherin" auch privat befreundet...so sein O-Ton...und habe ihr deswegen auch vertraut!
Aber: Ich kenne die Branche gut...es gibt bei redaktionellen "Film-Abnahmen" IMMER ein ganzes Team, das sich die Endversion vor Ausstrahlung anschaut!
Und: Das gesamte Rohmaterial des Gedrehten gehört dem Sender.
Das heißt:
Der Sender kann auch immer ALLES gedrehte Material mit Timecode-Listen einsehen. Zuden sind ja nicht nur Kameramann und "Filme-Macherin" beteiligt, sondern viele weitere Personen, die das Original-Material mit den Inszenierungen sehen und kennen:
Cutter, Ton-Assistent, Producer, Synchro-Regissseur uund, und, und...und ALLE haben nichts gemerkt???
Nein, die Geschichte war einfach...zu geil!
Augen zu, durch, senden..Preise abräumen, sich damit schmücken, daß arme Prostituierte einem vertrauen...ach herrlich:
Geld, Preise und Erfolg...verdient mit dem Arbeits-Alltag vermeintlicher Sex-Arbeiterinnen...
Ein Klischee, daß Frau Lehrenkrauss so gerne bedient...und dann noch die Herz-zerreißenden Geschichten von ihrem persönlichen Einsatz:
"Ich habe drei Jahre um das Vertrauen der Frauen gekämpft"...und dann war alles nur eine große, böse Lüge - die vielen Menschen auf vielen Ebenen schadet:
Denn genau so ist es:
1. Den "Darstellern" wurde vorgegaukelt, sie spielten in einem Film mit...
2. Jedes Jahr bemühen sich so viele engagierte Dokumentar-Filmer/innen, ein TV - Budget für ihr Projekt zu ergattern...und haben mit ehrlichen Filmen, die mit viel Arbeit wirkliche Geschichten ohne Sensations-Sex-Appeal erzählen... keine Chance...
und 3. der größte Schaden:
Die ganze Branche der Sex-Arbeiterinnen wird mit solchen "Filmen" dauerhaft in der Öffentlichkeit beschädigt.
Wie viele von uns wagen es mittlerweile auch öffentlich "Gesicht zu zeigen"...engagierte, mutige Frauen wie Johanna Weber vom BeSD oder Salome Balthus in Zeitungs-Kolumnen und TV-Auftritten...damit nicht nur von sogenannten Experten "über uns gesprochen wird"...sondern WIR unseren Anliegen selbst eine Stimme verleihen!
Diese mutigen Frauen stehen für ein anderes, selbstbewußtes Bild der Prostitution, daß gerade jetzt mehr denn je verteidigt werden...
Übrigens auch für Euch, liebe Männer...denn genau IHR werdet mit solchen Filmen und den Diffamierungen der "Nordisches-Modell-Fraktion" per se auf "Trieb-gesteuerte, rücksichtslose Einzeller" reduziert...
Für diese "Moralisten-Fraktion gegen Sex-Arbeit" sind Filme wie "love mobil" "Wasser auf ihre Mühlen"!
Und auch jetzt, nachdem alles als großer, böser Fake aufgeflogen ist...gibt es immer Einige unter ihnen, die nicht etwa kleinlaut zugeben, daß hier eine "rote Linie" überschritten ist...sondern die uns in Artikeln erzählen:
"Ist doch alles nicht so schlimmm...der NDR reagiert über, den Film aus der Mediathek zu nehmen...das ist eben ein Wahrheits-Hybrid!"
Ich bin fassungslos:
Was für ein verlogenes "framing": Ein "Wahrheits-Hybrid!????
Frau Lehrenkrauss hat sich übrigens auch nicht wirklich entschuldigt...auch wenn sie die Preisgelder zurückgeben mußte.
Und auch sie haut in dieselbe Kerbe - Zitat:
"Mein Film zeigt eben...die authentischere Wahrheit!"
Aber: Das ist keine Wahrheit!
Fiktion, die ich als Wahrheit ausgebe...und nicht ausdrücklich aus "gestellte Szene" kennzeiche...ist und bleibt immer nur Eines:
Eine Lüge!
Denn es gibt keine viel "wahre-re-re" Wahrheit!
Aber es gibt den Schaden für UNS alle, wenn solche Menschen UNS erzählen wollen, wie UNSER Leben, UNSERE Wahrheit ...auszusehen hat!
Wehret den Anfängen! Nicht mit uns!
Alles Liebe!
Marie-Rose

