Luna hat wieder an der Strelitzia geknabbert.
Ich weiß nicht, was sie an dieser Pflanze so fasziniert. Sie hat breite, ledrige Blätter, die eigentlich nichts für Katzen sein sollten. Ich dachte immer, Katzen mögen nur das Dünne, Grasartige. Etwas zum Kauen, zum Spielen. Aber Luna? Luna hat offenbar ihren eigenen Geschmack.
Ich habe sie dreimal weggetragen. Sie kam jedes Mal wieder.
Das Lustige daran: Draußen auf dem Balkon lässt sie die Pflanze völlig in Ruhe. Kein Interesse, kein Blick, nichts. Aber drinnen ist sie ein ganz anderes Tier. Als wäre die Wohnung ihr Revier und alles darin automatisch ihres.
Die Strelitzia steht seit dem Frühjahr drinnen. Draußen war es noch zu kalt. Seitdem tobt der stille Kampf.
Dabei ist der Balkon eigentlich mein Ruhepol. Dort steht auch die Kiwipflanze, die gerade anfängt zu grünen und die ersten zarten Blätter treibt. Sie sind ein kleines, stilles Versprechen, dass da noch mehr kommt. Mein Ziel ist es, dass sie irgendwann die komplette Südseite berankt. Es soll eine kleine Oase werden. Umgeben von Grün, so grün wie mein Ausblick auf die Berge. Dinge, die langsam wachsen. Die man nicht erzwingen kann. Genau das mag ich.
Und dann ist da noch das Windspiel. Es hängt schon eine Weile dort und jedes Mal, wenn es klingt, halte ich kurz inne. Dieser tiefe, meditative Klang ergibt sich durch den Wind, ohne Plan, ohne Rhythmus. Er erdet mich auf eine Art, die ich nur schwer erklären kann. Mitten im Alltag, mitten im Lärm meines Kopfes. Es erklingt – und alles andere ist weg. Es ist, als löste sich ein Seufzer von innen.
Luna sitzt inzwischen neben der Strelitzia und schaut mich an.
Draußen wäre sie desinteressiert. Drinnen ist sie der Chef.
Ich glaube, wir haben mehr gemeinsam, als mir lieb ist.
Habt ihr auch so einen Ort, der euch erdet, oder ein Tier, das einfach macht, was es will?

Ich habe kein Tier, aber ein Kater namens Santos besucht mich seit Jahren. Gehört zur Nachbarschaft und hat mir über den Tod meiner Mutter geholfen. Er war jeden Tag für mich da. Es hat sehr gut getan ihn zu haben, sich um ihn zu kümmern und zu füttern. Wenn er mal nicht kommt, dann vermisse ich ihn und mache mir Sorgen.