Im Grunde ganz einfach.
Cash.
In einem offenen Umschlag.
Vorher.
Einfach auf den Tisch gelegt.
Doch so einfach ist es dann doch nicht.
Es gibt verschiedene Varianten. Scheine werden in Blumen gesteckt. Manchmal liegen sie in kleinen silbernen Beutelchen, manchmal sorgfältig in Pralinenschachteln. Geld, das sich verstecken möchte. Oder schöner wirken. Oder weniger nach dem aussehen soll, was es ist.
Sehr beliebt sind auch Postkarten.
Es gibt diese mit süßen Sprüchen:
„Ohne dich ist alles doof.“
Dann die leicht oma-haften Varianten mit gelben Blumen und großen Dankeschriften.
Und manchmal sind sie überraschend einfallsreich.
Die beste, die ich je bekommen habe, trug den Satz:
„Psychotic is a guy who just found out what’s going on.“
Treffender hätte man es kaum formulieren können.
Dann gibt es zu Origami gefaltete Scheine. Zeichen von Mühe und dem Wunsch, es weniger roh wirken zu lassen. Kleine Anmerkung: einfache Figuren reichen völlig. Kraniche sind extrem schwer auseinanderzufalten. Und dann muss ich das Geld bügeln.
Und wer mag schon das Bügeln.
Andere lassen das Geld im Badezimmer zurück, säuberlich neben dem Waschbecken. Vielleicht fühlt es sich dort diskreter an. Oder weniger nach Abschied. Oder einfach sauberer. Geldwäsche – anderer Art.
Ein Mann reagierte einmal auf meine leicht gehobenen Augenbrauen und sagte:
„Oh du, sorry, hab vergessen, es zu sagen. Ich habe es auf Autopilot in die Küchenschublade gelegt. Das mache ich zu Hause auch immer so.“
Ich grinste.
Diese bekannte Schublade.
Quelle der stetigen Einnahmen.
Verzraulich. Wie zu Hause.
Unvergesslich bleibt mir der junge Snowboardtrainer. Die zerknitterten Scheine wandern direkt an der Tür in meine Tasche. Später bekommen wir Hunger. Der Pizzabote klingelt. Er kommt verlegen zurück und sagt:
„Süße … alles, was ich hatte, habe ich dir gegeben. Könntest du unsere Pizza bezahlen?“
Ich schmunzle: „Klar – aber dann gibt es keine Küsse mehr.“
Wir lachen. Es ist leicht.
Ich warte übrigens noch auf den Mann,
der die banalsten Scheine
in einer Chanel Classic Flap legt.
Schwarz.
Das wäre ein erfrischendes Arrangement.
Oft wird es ab dem dritten Treffen komisch. Dann wird Geld im Schlafzimmer plötzlich nicht mehr gern gesehen. Es wird „komisch“. Es wird verhandelt. Sprachaufenthalte. Abendkleider. Wertgegenstände.
Handel statt Honorar.
Und am Ende stellen fast alle – fast immer – fest: Geld war eigentlich doch die bequemste Lösung.
Vielleicht hilft hier auch ein anderer Blickwinkel.
Ihr bezahlt nicht für mich. Schon gar nicht für Sex
Mit vielen von euch hätte ich ihn auch frei gehabt – ganz ohne Bezahlung.
Ich habe Glück mit meinen Kunden.
Mit einigen von euch hätte ich in einem anderen Leben sogar gern ein Happy End.
Ganz klassisch. Ganz in Weiß.
Genau dafür bezahlt ihr:
dafür, dass es hier nicht um mein sondern um euer Happy End geht und dass ihr in Ruhe gehen könnt,
ohne in mir Illusionen zu wecken.
Die gebügelten Scheine wandern glatt gestrichen, gesichtslos in meine Schublade.
Was Gesichter behält,
sind die Geschichten.

