Wer in meinem Job arbeitet, erlebt so einiges. Man stellt sich auf nette Abende ein, auf interessante Gespräche und einfach auf eine gute Zeit. Was man allerdings auch bekommt, ist ein tiefer Einblick in die sprachlichen Abgründe mancher Männer. Sobald es nämlich ums Geld geht, schaltet das Gehirn bei einigen anscheinend komplett auf Durchzug.
Man schreibt sich ein bisschen hin und her, alles läuft ganz normal. Und dann ploppt sie auf, die Nachricht des Grauens:
„Wieviel TG willst Du?“
TG. Taschengeld. Jedes Mal, wenn ich das lese, frage ich mich, ob der Typ im falschen Film gelandet ist. Ich bin eine erwachsene Frau, ich zahle Steuern, Miete und meine eigenen Rechnungen. Ich mähe nicht deinen Rasen und ich wasche auch nicht dein Auto, um mir davon am Kiosk eine Tüte gemischte Bonbons zu kaufen. Wenn du mir Taschengeld geben willst, musst du mich schon adoptieren – und ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht der Vibe ist, den wir für unser Date suchen. Dieses krampfhafte Benutzen von Internet-Abkürzungen ist weder diskret noch locker, es ist einfach nur maximal unsexy. Es ist ein Honorar für meine Zeit. Das Wort hat sieben Buchstaben und tut überhaupt nicht weh.
Aber es gibt ja noch eine Steigerung. Den absoluten Klassiker, meistens ohne Punkt, Komma oder ein einfaches „Hallo“ hingerotzt:
„Was kostest du?“
Da sitzt man dann da und fragt sich kurz, ob man unbemerkt zu einem Gebrauchtwagen mutiert ist. Habe ich ein Preisschild am Ohr? Kann man mich finanzieren oder gibt es Rabatt, wenn der Lack einen Kratzer hat?
Liebe Männer, ein kleiner Realitätscheck: Ihr fragt hier keine Ware ab. Ihr schreibt einer Frau. Wenn ihr wissen wollt, wie die Konditionen aussehen, dann fragt nach dem Honorar oder den Kosten für das Date. Wer fragt wie auf dem Flohmarkt, braucht sich nicht wundern, wenn die Antwort entsprechend ausfällt. Ein bisschen normalen Anstand darf man wohl noch erwarten – auch wenn man dafür bezahlen möchte.
