Von wegen Wonnemonat Mai, der Herbst ist auch die beste Zeit für Sex. Der männliche Testosteronspiegel ist jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen, derzeit erreicht das Sexualhormon Spitzenwerte. Das haben sowohl amerikanische Hormonforscher als auch der Münsteraner Experte Eberhard Nieschlag unabhängig voneinander herausgefunden.
Auch die weiblichen Hormondrüsen sind im Herbst nachweislich am aktivsten. Das vermehrt gebildete Östrogen steigert die weibliche Lust, das ist vom Jahrestakt so vorgegeben. Kinder, die nun gezeugt und neun Monate später geboren werden, kommen in der Zeit des vielen Lichts zur Welt, ihr Organismus kann also von Anfang an Vitamin D herstellen. Das stärkt ihre Knochen und ihr Immunsystem.
Und das alles nur, weil die Netzhaut im Auge an einen kleinen Nervenkern im Zwischenhirn meldet, dass das Schwungrad unserer tageszeitlichen Abwechslungen im Herbst ruhiger zu laufen hat, dass sich der Vorhang auf die Natur ein wenig senkt und dass nun die Innennatur mehr Raum bekommt.
Das ist bislang alles, was die Chronobiologie über die saisonalen Veränderungen des menschlichen Verhaltens herausfinden konnte. Aber diese Erkenntnisse sollten uns im Herbst von dem Wunsch erlösen, die Zeit zurückdrehen zu wollen oder nur noch vom nächsten Frühling zu träumen. Denn die beste Liebe gibt es jetzt.

