Die meisten von euch werden die Geschichte kennen. Für die, die sich konsequent von Büchern fernhielten, nicht auf Märchen standen oder bei denen es einfach zu lange her ist, fasse ich kurz zusammen.
Ein Vater von drei Töchtern ritt auf ein Schloss und traf auf den Hausherrn, das Biest. Solches droht, den Vater zu töten, wenn nicht eine seiner Töchter ins Schloss kommen und mit dem Biest leben würde. Schließlich erklärt sich die Schönste der Töchter bereit, dies zu tun. Nach einigen Ambivalenzen lernt das Mädchen allerdings das Biest lieben, da es hinter seiner rauhen, bestialischen Seite auch die schöne und sensible sieht.
So. Jetzt habt ihr den ersten Abschnitt geschafft, heute haben wir Valentinstag. Wie erwartet soll es heute also um die verkappte Romantik und Zärtlichkeit im BDSM-Bereich gehen. Für jemanden, der SM nicht mag, der nie die Intensität einer Dom-Sub-Beziehung hatte, wird das sanfte darin schwer erkennen können. Die Art und Weise, wimmernd vor jemandem zu liegen, physisch an irgendeine Grenze gestoßen zu werden... sich nicht bewegen zu dürfen bei Schlägen ins Gesicht... und dann auf seinem Schoß sitzen zu dürfen, langsam kognitiv auf null herunterzufahren. Kopf aus, Gedanken aus. Manchmal wie eine Heilung für einen Menschen wie mich. Ein Schlag kann einer zärtlichen Berührung viel Ausdruckskraft verleihen. Aus zwei Menschen, werden eins. Auch die Bezeichnung als "Goldstück" (die Kehrseite zu ein und derselben Münze ist dann das "Miststück") kann liebevoll gemeint sein. BDSM ohne Zärtlichkeit ist für mich BDSM ohne Seele. Es ist das, was die Quintessenz dessen ausmacht - gemeinsam durch angst, Lust und schmerz zusammengeschweißt zu werden. Meine Hingabe war immer etwas, das sehr wenigen Menschen vergönnt war und mit sehr viel Zeit und Nerven erarbeitet werden musste. Ich mochte es, wertvoll und klein unter jemandem zu sein, es hatte immer etwas sehr beschütztes, behütetes.
[Und nein, ich suche hier keinen Dom, ich mag einfach ein bisschen von meiner Gedankenwelt mit euch teilen. Vielleicht findet sich jemand in der ein oder andere wieder oder versteht.]


*** Kleiner Nachtrag - verfasst wurde der Blog gestern. Eben soll er keine Verherrlichung von (sexualisierter) Gewalt sein, sondern das von mir erlebte BDSM als gesonderte Spielart darstellen. Und die verlangt - selbst bei Menschen, die masochistisch sind - Einvernehmlichkeit! Kann wohl nicht oft genug betonen. Wie schnell ist das Kind in den Brunnen gefallen. ***