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ihr lieben hört zu .......

Er wusste, dass es unmöglich sein würde, das Mädchen an einem heißen Sommmertag wie diesem im größten Freibad Münchens unter Tausenden von Badegästen auf Anhieb zu finden. Er hatte auch nicht vor, es zu suchen. Wenn Ina an ihm läge, dachte er, würde sie ihm ein Zeichen geben.

Er hatte sein Trainingpausen-Programm innerhalb des vorgegebenen Limits abgespult und sich dabei vorgestellt, sie wäre da gewesen. Sie hätte zugesehen, wie er mechanisch auf- und abgeschwommen war, Bahn um Bahn, insgesamt sechzig mal, wie ein Hamster in einer Trommel, eine Robbe, die am Ende der anstrengenden Vorstellung einen Hering in den Schlund gestopft bekam und dann zufrieden zurück in ihren Koben watschelte; ein Idiot, der auf die Verheißungen der Trainer und Funktionäre und auf das Gebrüll des Publikums hörte. Was, wenn sie erkennen würde, dass er nur ein Sklave war, ein Nichts, ein Instrument, das am Tag tausend und einmal in einem Becken im Kreis schwamm, weil draußen der Dompteur mit der Peitsche knallte? Dass er angst davor hatte, an Land zu ertrinken?

Ina stand plötzlich drüben am Sprungturm, mitten in einer Horde Jungs, die lachten und gestikulierten, und sie lachte und gestikulierte mit. Die Jungs stiegen hinauf und sie stieg mit; sie sprangen in den unmöglichsten Verrenkungen hinab und sie hinterher, so leicht und so elegant, dass er sich auf seiner Decke und mit seinen Lehrbüchern vorkam wie ein Nashorn, wie Elephant Man, ein Krüppel an Leib und Seele, unfähig, sich frei und unbeschwert zu bewegen. Ina war eine Fee, schien ihm, und er ein muskelbepackter Schrat, ein nach Schwefel riechender Morlock, doppelt so groß und doppelt so schwer, im Düsteren mit einem Schmiedehammer unterwegs, während sie über Blumenwiesen flog und nach Honig duftete.

Er sah, wie sie mit einem halben Dutzend anderer auf der Plattform des Turms sitzend die Beine in die Tiefe baumeln ließ, beim Lachen den Kopf zurückwarf und ihre Mähne schüttelte. Er ekelte sich so vor sich selbst, dass er beschloss, das Fenster wieder zu zuzumachen, das sie ihm vor ein paar Tagen aufgestoßen hatte. Sie gehörte in eine andere Welt, nicht in die seine.

*

Ein paar von den Jungs, die sich mit ihr den Turm hinabstürzten, waren wie sie noch immer Mitglied bei den Wasserspringern des Männerschwimmvereins. Keiner von ihnen, auch sie nicht, hatten es trotz ihrer guten Veranlagungen zu höheren Weihen gebracht. Sie hatten das Training nie so wichtig genommen und oft gepatzt, wenn es darauf angekommen wäre. An der Grenze, wo aus dem Spiel Ernst hätte werden müssen, waren sie schon vor Jahren stehen geblieben, hatten aber nie ein Problem damit gehabt. Sie wollten nichts gewinnen, sondern Spaß haben.

Als Ina wieder hinaufstieg und auf halber Höhe nach dem Baum blickte, waren Christian und sein Zeug weg. Ihre Arme und Beine wurden schlagartig gefühllos; sie musste sich zwingen, weiterzusteigen. Als sie sprang, spürte sie neben dem Wind auf der Haut die Wut in sich – Wut auf sich selbst, Wut auf ihn, Wut auf alles, was ihn ihr nehmen wollte. Sie kam irgendwie ins Wasser und aus dem Becken heraus, lief zu ihren Sachen und zog sich ihr Zeug über den noch nassen Badeanzug, während sie zum Ausgang raste; die Schuhe behielt sie in der Hand.

Er sagte ihr später, er habe sie seinen Namen schreien hören, aber sie war sich ganz sicher, dass sie nur gedacht hatte, sie würde für immer zu spät kommen. Als sie durch das Tor auf den Platz vor dem Bad stürzte, sah sie ihn von hinten, wie er mit einer Hand den Helmriemen schloss, mit der anderen den Benzinhahn öffnete und dann den Starter betätigte. Da stand sie aber schon neben ihm und zog keuchend den Zündschlüssel heraus.

Er stieg ab, nahm den Helm herunter, hob sie zu sich herauf und sagte: „Ich auch. Ich liebe dich auch!“

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