Liebes Sex - Tagebuch,
nur noch wenige Tage & es ist soweit...die magische Zeit der Festtage, der Familien - Seligkeit, der mystischen Rauhnächte und der Lässig- & gefühlten Zeitlosigkeit zwischen dem auslaufenden alten und dem zu erwartenden neuem Jahr ist da, eine ganz besondere, sinnliche wie Gänsehaut Phase, wie ich finde.
Als echter Winterling blühe ich bei kälteren Temperaturen ja körperlich & seelisch total auf, treibe mich gern mit den Tieren ausgedehnt im Wald herum und bewundere die ruhende & wieder Kraft schöpfende Natur oder besuche Nachbarn & Freunde, in dieser emotionalen Zeit ist man sich irgendwie näher & kann emotionaler über Gefühle & Probleme, Lebenspläne sprechen, sich öffnen.
Dieses Jahr allerdings, erlebe ich die "Ankunfts" - ergo Advents - Zeit noch viel intensiver. Vielleicht auch deshalb, weil mindestens ein Abschied bevor steht, denn exakt letzts Jahr um diese Zeit wurde bei meinem Stiefvater, der mir näher steht als mein eigener Vater, ein sehr aggressiver Krebs festgestellt, der ihm sehr übel mitgspielt hat - endlose, kräftezehrende Chemos & Op`s waren die Folge & ich weiss einfach & bin vorgewarnt, dass er im Sommer 2020 "sterben" wird.
Kurrioserweise muss es immer erst ein Drama geben, bis man so richtig lebt und die Anwesenheit des Anderen geniesst, sich Zeit für ausgedehnte Auszeiten oder Familien - Urlaube nimmt.
Zu gern würde ich mit ihm ein Mal an die Nordsee fahren, um ihm den Zauber von Ebbe && Flut zu zeigen (hat er als ex DDR - Bürger bisher mit seinen 68 Jahren noch nie gesehen, da er auch nach der Wiedervereinigung immer viel gearbeitet hat). Sein ständigs Auf & Ab diesjahr mit den Therapien & Rückfällen in Verbindung mit meiner Selbständigkeit haben ein Reisen leider unmöglich gemacht.
Daher fühlten sich die "guten" Tage mit ihm in diesem Advent, wo wir zusammen saßen im Kerzenlicht und trotz allem lachten und tratschten, so besonders an.
Dankbarkeit für jeden einzelnen Tag mischt sich ins bewusste(re) Familienleben und gibt dem Traurigen (s)einen Sinn & seine ganz eigene Demut.
Ausserdem nehme ich - auch für meine Familie + meiner neuen Zukunftsperspektive abschnittweise "Abschied" von Berlin & meinen alten freibruflichen Jobs.
Auch das fühlt sich gut an. Nach 10 Jahre so gewohnten und eingefahrenen Wegen nun wieder Bewerbungen zu formulieren, mit Herzklopfen in Vorstellungsgspräche zu gehen, für Prüfungen / Einstellungstests zu lernen & Erfolgserlebnisse in meinen Lernprozessen zu erleben - ein Zauber des Mutes & der Entschlossenheit.
Gerade die bevorstehende berufliche Neu Orientierung fühlt sich derzeit wie Verliebtheit an - bei jedem Vorstellungsgespräch klopft mein Herz voller Freude, sodass ich wohl noch lange an diesem Wendepunkt meines Lebens zurück denken werde, der erst durch Manfreds Erkrankung traurig eingeläutet werden musste, ehe ich es schaffte, aktiv mein Leben umzugestalten und den Advents- ergo bei mir selbst & in meinem Leben "Ankommens"- Zauber und das Vertrauen in das Leben ganz neu justieren kann.
Trauriges und gleichzeitig bzw. dadurch als familiäre Notwendigkeit begründete schöne Herzklopfen - Gefühle, Abschied & Neubeginn, alles ist ein dynamischer, schwer auseinander zu dividierender Prozess, der mich - nicht nur im Advent - staunen & demütig sein lässt...

