Einer meiner Lieblingsfilme – Tampopo (jap. für „Magische Nudeln“ oder „Pusteblume) – trägt in der DVD-Fassung, die bei mir im Regal steht, den Untertitel „Sex und Essen sind im Grunde dasselbe“. Warum wird beim Ansehen des Films recht schnell klar – die Haupthandlung, die Suche nach der perfekten Nudelsuppe (ja, Ramen), ist zwar selbst recht unerotisch, aber die Episoden, die diese Unterbrechen, sind eine Ode an den Genuss und die Erotik des Essens.
Eine alte Dame, die vom Verkäufer durch den Markt verfolgt wird, weil sie heimlich ihre Finger in Weichkäse, süßes Feingebäck und reife Pfirsiche drückt. Eine Gruppe junger Frauen, die europäische Manieren lernen sollen, aber beim Anblick eines Europäers, der sich wenig um Manieren schert, die Anweisungen der Lehrer ignorieren und die Nudeln unter genussvollem Schmatzen & Schlürfen in sich hineinschaufeln. Ein Trickbetrüger, der schon in Handschellen den Polizisten darum bittet, noch etwas vom eingelegten Ingwer vor ihm auf dem Tisch essen zu dürfen, bevor er ins Gefängnis gebracht wird. Der Polizist gewährt ihm den Wunsch.
Der Höhepunkt des Films ist aber eine Szene im Hotelzimmer, wo ein Yakuza und seine Geliebte diverse Nahrungsmittel in ihr Liebesspiel einbauen. Salz und Zitrone, die er ihr von den erregten Nippeln leckt und ein langer Kuss, wo wieder und wieder ein Eigelb zwischen den Mündern hin und her wandert, bis es in ihrem Mund zerplatzt und ihr Kinn herabläuft, sind die Momente, die mir am besten in Erinnerung geblieben sind. Vermutlich auch, weil ich sie ziemlich häufig angesehen habe.
Aber nein, ich schreibe das nicht nur, weil ich das Spiel mit dem Eigelb gerne mal ausprobieren würde, sondern weil ich den Vergleich zwischen Sex und Essen ziemlich richtig finde.
Ja, ich kann einfach Essen, um satt zu werden, oder einfach nur ficken, um hinterher weniger geil zu sein, zu Hause für mich allein etwas kochen & essen oder wichsen können für sich genommen auch ziemlich genussvoll sein. Und manchmal genau das, worauf ich Lust habe.
Aber auf Dauer immer nur das wäre langweilig – es macht mehr Spaß gemeinsam oder für andere Menschen zu kochen, etwas zuzubereiten, was jemand anders einfach verdammt gut schmeckt, nicht nur den Hunger stillt, sondern ein Genuss für sie ist. Die Erfahrung, mit anderen gemeinsam neues Terrain zu Erkunden, neue Geschmäcker zu entdecken und auf den Geschmack zu kommen, ob nun kulinarisch oder sexuell, ist ein anderer Teil meines Lebens, den ich nicht missen möchte. Und ein bisschen Abwechslung zwischen Tacos und Hot-Dogs darf bei mir auch nicht fehlen.
Wie es auch beim Essen viele verschiedene Profis gibt, von Imbissbudenbetreibern, über Fernsehköche bis hin zum 5-Sterne-Gourmet-Chefkoch, gibt es die auch in der Sexbranche: Den schnellen Fick für wenig Geld im Bordell um die Ecke, High-End-Escorts, die elaborierte Menüs anbieten, die Cuisine experimentelle der Prodommes und Bizarrladys und Hobbyköchinnen, die gerade erst ihr Restaurant eröffnet haben. Zugegeben, bei Telefonsex-Anbieterinnen scheitert der Vergleich eher, auch wenn ich es meist sehr genieße, wenn mir jemand ausführlich von einem guten Essen erzählt. Aber bei Fernsehköchen und Pornostars klappt er wieder, und das hier ist dann wohl eine Art Kochblog.
Also, ich hoffe dass einiges, was ich hier veröffentlichen werde, Appetit macht und vielleicht auch beim einen oder anderen Interesse an meiner Küche weckt. Als nächstes kommt dann eine Idee, wie eine sexuelle Speisekarte aussehen könnte und wozu sie gut wäre.
Bon appétit & bisous
Viviane


Ein wirklich schöner Film, in der Tat! Ich habe nach dem anschauen aber primär Lust auf Nudelsuppe :-)