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Die Fetischmesse II - Erfahrungsbericht

Nun liegt die Boundcon und die Reise in den Süden hinter mir. Mittlerweile konnte ich auch wieder etwas Schlaf nachholen und in meinen Alttag zurückfinden. Es ist doch immer schön, wieder nach Hause zu kommen!
Dieser Artikel wird bestimmt nicht so philanthropisch wie der erste. Mein Blog ist ja in der Findungsphase, d.h. ich probiere mich an Euch Lesern schamlos aus. Der vorliegende Text ist pure Angeberei, wie ich befürchte. Sollte jemand zu Anfällen von Neid neigen, einfach wegklicken - auf keinen Fall weiter lesen!

Freitag Nachmittag sind wir zu viert aufgebrochen. Einer der Mitfahrer musste leider noch arbeiten und sogar noch spontane Überstunden machen, sodass wir erst Samstag Nacht kurz vor 1 Uhr im Hotel, ins Bett fallen konnten. Aber das Hotel war sehr schön und nur knapp drei Km von der Messe und dem Kesselhaus (die Partylocation) entfernt.. Das "offizielle Perversenhotel", der Veranstaltung war schon im Januar ausgebucht, als wir uns um alles gekümmert hatten.

Kleiner Exkurs an dieser Stelle:
Dieses Wochenende, also vom 31.05-2.06 ist der German Fetisch Ball in Berlin. Viele der Aussteller, die auf der Boundcon waren, fahren da jetzt hin. Und viele neue Kollektionen waren erst für den GFB vorgesehen. Wir haben uns jetzt überlegt, nächstes Jahr doch nach Berlin zu fahren, statt nach München. Einfach mal die andere, die noch größere Messe anschauen. Vor allem fallen beide Messen nächstes Jahr wohl auf das selbe Wochenende! Buchen muss man für nächstes Jahr Berlin quasi schon jetzt, wenn man keine astronomischen Hotelpreise bezahlen möchte und überhaupt Karten für die Party bekommen will!

So, weiter im Programm: Um neun Uhr ging am Samstag der Wecker und wir sind gemütlich frühstücken gegangen. Haben uns alle vier danach in Latex geschmissen. Ich hatte eigentlich Pläne, in Baumwolle zu gehen (um bequemer anprobieren zu können), diesen Vorsatz hat meine Lust spontan zunichte gemacht!

Auf der Messe habe ich sehr viele Komplimente bekommen und bin sehr oft auf meine Sachen angesprochen worden. Ich hatte eine schwarze Hose, im Jeansschnitt an, die ich einem Freund letztens abgeluchst hatte...sie saß einfach zu gut, da blieb ihm keine Wahl, als sie mir zu vermachen. (Blöd, wenn man devot ist und sich nicht durchsetzen kann. Und genug Sachen hat, dass ich keine Skrupel habe seinen Bestand zu reduzieren.) Und darüber eine sehr ausgefallene, grün marmorierte Korsage. Davon habe ich leider keine Fotos, wie bestimmt von 80% meiner Outfits. Ich bin einfach kein Poser und fotografiert zu werden, ist für mich mehr mit Überwindung verbunden, als mit Leidenschaft. Leider gibt es im Fetischbereich auch kaum Fotografen, die gerne mit Laien arbeiten. Und mit Fremden Fotos zu machen, empfinde ich als unangenehm. Ich beneide Menschen, die da weniger kompliziert sind, als ich.
Ich hatte mir schon vorher einen Weg, durch die Aussteller zurecht gelegt und konnte mein Timing, an diesem Tag auch perfekt umsetzen. Es war alles sehr eng getaktet.
Zuerst habe ich meinen Hauptanliegen umgesetzt und bin zu dem bekanntesten Hamburger Designer von Latex couture und habe mir bei ihm ein wunderschönes, bodenlanges, mega aufwendiges bordeauxrotes Mermaidkleid, auf Maß bestellt. Obenrum und der Rücken sind transparent und mit einem filigranen Rosenspitzenmuster beklebt, welchen es so nur bei denen gibt.
Von schwarz haben sie mir vehement abgeraten. Ich bin ja selber immer so gegen schwarz, da sind sie bei mir auf offene Ohren gestoßen. Schwarz ist sooo langweilig und hat jeder und ach Farbe steht mir so gut... Ich falle einfach gerne auf!
Diese aufwendigen Rosen stelle ich mir in plum (so heißt die Farbe eigentlich) auch viel schöner vor. Vorne an den Beinen geht der Rock über das Knie, hinten die Schleppe bis zum Boden. Bisschen Funktionalität und Beweglichkeit wollte ich mir dann doch erhalten. Und wenn dann ein hingebungsvoller devoter Mann ins Spiel kommt, möchte ich mich setzen können und das Kleid auch höher schieben und seinen Mund an die richtige Stelle führen können!
Und weil das so schön war und ich sowieso schon das kostspieligste Kleidungsstück meines Lebens erworben habe und wir auch so viel Spaß hatten, beim Vermessen und Rumalbern, habe ich mir spontan noch deren neueste Korsage bestellt. Mit integriertem Harness und Bein- und Armschlaufen. Sie ist einfach der Wahnsinn! Dieses Jahr habe ich so viel abgenommen, dass meine Korsagen keinen Reduktionseffekt mehr haben. Hatte ich schon erwähnt, dass es ein Prahlereiblogtext ist?!
Natürlich auch die Korsage nicht in schwarz, sondern in einem dunklen Brombeerton.
Ich finde, es lohnt sich immer auf Messen einzukaufen. Es gibt Messe- (und für mich Rothaarigen-)Rabatt und man kann flirten und handeln.

Während ich nackt, auf deren Stand außerhalb der Umkleidekabine rumgehoppelt bin, denn ein Schamgefühl hat sich bei mir niemals ausbildet, bin ich meinen Freunden und Mentoren in die Arme gelaufen. Einem ganz wundervollem Paar, die eine eigene Shibarischule in Hamburg betreiben. Ist jetzt Zufall, dass der Hersteller und die beiden aus der selben Ecke kommen... Wir haben uns vor genau sechs Wochen kennen gelernt. Sie haben vor Ostern, in Krefeld ein Seminar gegeben. Bei diesem Workshop, welches über zwei Tage ging, hatte ich ein Offenbarungserlebnis! Dazu ganz bestimmt mehr im nächsten Blogartikel.
Uns auf der Boundcon zu treffen, war abgesprochen. Aber natürlich nicht beim Nacktshoppen und Vermessen. Später hätte ich sie suchen müssen, (aber das ist zum ja Glück ausgefallen) denn sie haben mir ein neues Seilset gebracht aus ihrer eigenen Seilerei und von ihnen persönlich aufgearbeitet! Soooo schön und komplett nur zu Materialkosten! In einem selbstgenähten Rucksack aus Fahnenstoff, mit dem Logo ihrer schule. Da können die Seile perfekt atmen und lagern! Sie sind sehr idealistisch und großzügig und geilen sich wohl irgendwie daran auf, dass ich mit ihren Seilen arbeite. Ich habe sowieso das Gefühl, dass ich irgendwie deren Eigentum geworden bin. Aber das Gefühl gefällt mir gut.
Spontan haben sie uns dann auch nächsten Monat zu einem weiteren Seminar eingeladen und wir haben zugesagt. Da unterrichtet nämlich ein Instruktor vom höchsten Shibarimeister überhaupt. Mitnehmen, was man angeboten bekommt, ist mein Motto und sich immer weiter bilden, sowieso!

Anschließend habe ich ein unglaublich schönes Dessousset aus Latex gefunden und erworben! Von der Marke bin auch ein sehr großer Fan. Die Designerin kommt aus England und macht sehr ausgefallenes, ganz buntes eigenes Latex, mit sehr viel Glitzer, aus dem sie sehr ungewöhnliche Kleider klebt. Und dieses Mal eben auch Lingerie. Aus transparentem Latex, mit einer aufgedruckten, netz-/schlangen-/spitzenartigen Struktur. Schwer zu beschreiben, aber ganz toll! Ich bin begeistert, denn aus dem selben Material habe ich sogar dazu passende Katzenöhrchen bekommen! Letztes Jahr habe ich mir von ihr einen Latexbär, passend zum Outfit, in Galaxy-/spacelatex geholt.
Man muss jetzt einfach zuschlagen, solange die Klamotten aus England noch so günstig sind, oder was meint Ihr?

Danach war meine geplante Shoppingrunde eigentlich auch schon vorbei. Wir haben uns was zu futtern geholt und Getränke, denn unser Wasser war alle. An den Ständen sind wir zwar auch versorgt worden, aber man schwitzt so viel, in Latex und muss viel trinken!
Sitzplätze haben wir direkt neben der Bühne bekommen, auf der ich unbedingt eine Shibarivorführung sehen wollte und konnten uns perfekt stärken und uns dann vor die Bühne stellen und die Session genießen. Ich habe das erste Mal bewusst Matthias Grimme gesehen, mit seiner langjährigen Fesselpartnerin. Seine Bücher sind ja sehr bekannt und ich habe sie alle seit zehn Jahren, in meinem Bücherregal! SM-Handbuch, SM-Handbuch Spezial, usw. Ich denke, es gibt kaum jemanden in der Szene, dem er kein Begriff ist. Es war richtig schön anzusehen und sehr verspielt! Sie ist ihm immer wieder abgehauen und er hat sie eingefangen. Sie haben beide während der Show viel gelacht und waren ganz beieinander. Er hat ihr voll sexy, ihr Netzkleid, mit einem Messer vom Körper geschnitten, als ihre Arme nach oben gebunden waren. Einfach klasse! Und genau wie ich im ersten Artikel geschrieben habe, sind das keine schlanken, jungen Menschen, sondern ganz normale, herzliche, in die Jahre gekommene echte und sehr gebildete Menschen. Ich finde so etwas einfach bewundernswert.

Wir sind danach noch unsere Runde zu Ende gelaufen, haben allen "Hallo" gesagt. Haben einen Bekannten aus Mülheim getroffen, bei dem Zuhause lange Zeit unser Latexstammtisch gewesen ist. Er war gerade dabei einen riesigen, super aufwendigen Strafbock für sein Spielzimmer zu erwerben. Mit Fickmaschine und allem drum und dran. Wir sind mit ihm nach draußen, um ein wenig frische Luft und Sonnenlicht zu tanken und zu quatschen und draußen war eine mega Tanzshow von einer Gruppe postapokalyptischer-steampunk Cosplayer. Ich weiß nicht, wie man diese Leute richtig bezeichnet. Aber war echt geil zum Anschauen! Sehr aufwendige Kostüme und ein riesen Truck hatten sie, auf dem sie rum gefahren sind und um den sie herum getanzt haben.

Anschließend sind wir auch schon wieder in unser Hotel. Haben Pizza bestellt, uns angefangen für die Party zu schminken und zurecht zu machen, was zu trinken. In München ist es ja unverschämt teuer, da muss man vortrinken und wir hatten echt gute Partylaune und leckere Sachen dabei.
Die Party war der Hammer! Überhaupt könnte ich mich unmöglich entscheiden, was in den Tagen mein persönliches Highlight gewesen sein sollte. Zum Glück muss ich mich ja aber auch gar nicht entscheiden. 2000 unglaublich freizügige, attraktive Menschen. Und so eine toootale Orgie! Normalerweise ist auf Fetischpartys das Publikum sehr gemischt. Alle Altersgruppen sind vorhanden. Aber dort nicht. Ich weiß auch nicht, warum das so ist, aber diese Party zieht einfach eine bestimmte Zielgruppe an. Ich würde sagen, überwiegend 30jährige +/- fünf Jahre. Mit sehr viel athletisch durchblitzender Haut und den kreativsten Haar- und Gesichtskreationen. Ich hatte schon nur sehr wenig an und sehr kurz, aber nach ein paar Stunden dann auch nur noch die Hälfte. Es war so heiß! Im wahrsten Sinne des Wortes und auch metaphorisch. Auch durchgängig sehr beeindruckende Shows auf den Bühnen. Da waren dann keine normalen Menschen mehr, sondern professionelle Burlesquetänzer und sehr akrobatische Shibaristen. Das sind so tolle Bilder, davon zerrt man wieder ein Jahr. Solche Partys gibt es nicht an jedem Wochenende.

Lange haben wir, aber nicht gefeiert. Wir sind ja alle substanzfrei und brauchen unseren Schlaf. Füßchen waren auch platt und andere Körperstellen wund. So sind wir um 2 Uhr auch schon wieder abgehauen.
Am Sonntag hatten wir auch noch Programm. Da haben wir auf halben Wege heim noch einen dreistündigen Fesselkurs mitgenommen. Wow, das war auch sooooo schön! Ich habe zum ersten Mal eine komplette Suspension, an meiner Freundin gemacht! Ich bin sehr stolz auf mich. An dieser Stelle noch mal einen herzlichen Dank an meinen weiteren Lehrer, in dem Bereich. Ich habe jetzt keinen Tag ausgelassen, um dieselbe Fesselung wiederholt zu trainieren und bin da gerade ganz fit drin. Habe es natürlich auch mittlerweile passiv ausprobiert. Super geil, was man damit alles so anstellen kann und wie gemütlich sie ist! Ist jetzt natürlich noch wirklich was für Anfänger und noch nichts sehr Riskantes. Wobei man da natürlich immer mit dem aller größten Respekt an die Sache gehen sollte. Was ich auch mache!

In dem Sinne wünsche ich Euch allen noch viel Freude und viel sexuelle Lust! Und viel Spaß an alle, die das Glück haben den GFB zu besuchen!

murcel

Ich habe mal gelesen, dass viele Fetisch-Freunde alle möglichen Haushaltsartikel und Gegenstände für ihren Fetisch verwenden. Ob nun V.O.R. Werk, Progress oder Siemens. Alles zum ansetzen oder rein schieben geeignet. Oder Baumärkte, sie werden zwecks Erfüllung erotischer Phantasien auch gerne besucht...:-)))))

29. May 2019

So, so und das hast du natürlich nur "geleeesen"! ;D Nun ja, es gibt unzählige Fetische. Nicht zu verwechseln mit "Praktiken" und generell sexuellen Vorlieben. Und vielleicht hat ja jemand einen Holzfetisch. Da ist er dann in der Zuschnittabteilung eines Baumarktes wunderbar aufgehoben. Oder ein Eisenfetisch und schnuppert und reibt dann an Schrauben, Muttern und Metalldübeln. Es gibt nichts, was es nicht gibt! Und ins Krankenhaus kommen auch täglich jede Menge Leute, die Haushaltsartikel ihrer ursprünglichen Verwendung entfremdet haben. Ist mir zum Glück noch nicht passiert. Ich habe eine Kenwood Küchenmaschine und die Zubehörteile davon sind einfach zu groß. ;D

29. May 2019

Hab gehört, das der Ehemann seine Lady mit dem Plümpel (Abflußsauger) erwischt hatte und darüber sauer war. Daraufhin er heimlich kurz vor dem nächsten Mal Sekundenkleber auf den Rand aufgetragen hat. Im Krankenhaus muß tolle Stimmung geherrscht haben.

29. May 2019

@Romantikstunde: Hat mein kleiner Reisebericht dich dazu inspiriert einen Schwank zu dichten?! Ich möchte an dieser Stelle kundtun, dass solche Vorkommnisse nicht MEINER Vorstellung von liebevollem und achtsamen BDSM entsprechen. ;)

29. May 2019

Klingt sehr spannend und nach viel Spaß, aber auch anstrengend. Nach dem Ausflug bräuchte ich ein paar Tage Ruhe. Ich bin auch ein wenig neidisch auf diese Reise und habe trotzdem weiter gelesen. Dachte das geht in Ordnung, weil ich ja keine Anfälle bekommen habe. Ich vermute das Kleid wird ein extrem schöner Traum, obwohl ich die fast schon negativen Bemerkungen über schwarze Kleidung etwas skandalös finde. Ich glaube ein gelbes Kleid wäre die bessere Wahl gewesen, in Kombination mit taubenblutroten Rosenspitzen. Schöner Reisebericht, der Spaß und die Begeisterung blitzen durch die Zeilen.

29. May 2019

scheint Dir sehr gut gefallen zu haben, schön, spannend. Allerdings nur ausschnittsweise gelesen, weil sehr lange :-)

30. May 2019

@dandel: Guten Morgen und vielen Dank für dein Feedback! Ich habe mir sehr viele Gedanken darüber gemacht, ob es sinnvoll gewesen wäre meinen Artikel kürzer zu fassen, oder auch in einem einfacheren Stil. Meine Intention ist es, aber nicht von der Masse gelesen zu werden, oder alle Stinos (Menschen ohne bizarre, oder paraphile Neigungen) dieser Welt zu bekehren. Vielmehr möchte ich Sicherheit und Vertrauen vermitteln, in mir ein verständnisvolles und reflektiertes Gegenüber zu finden, mit dem man seine geheimsten Fantasien verwirklichen kann. Ich hoffe auch, dass ich mit der Textlänge die Angst mancher Herren nehme, mir ebenfalls lange, persönliche und aussagekräftige Nachrichten zu schreiben!

30. May 2019
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