Liebes Sex - Tagebuch,
dass ich NIE ein Großstadt - Anhänger werde & das sinnliche Landleben mit all dem dortigen Freiraum zu sehr brauche, habe ich in meinen Blogs ja schon oft genug betont... daher nutze ich meine Freizeit die ich in meiner "Arbeitsstätte" Berlin (ich möchte die Stadt noch nicht mal als "Wahl - Heimat" bezeichnen) habe, oft, um auf Entdeckungstouren FERNAB des gängigen Massen - "Party"- Tourismus zu gehen.
Insofern passt es ganz gut, dass DIREKT hinter meinem Miethaus sich der parkähnlich anmutende "Georg- Parochial" - Friedhof anschmiegt.
Ein verwunschenes schmiede-eiserne Tor das mit Efeu - Ranken zu fest verwachsen ist als dass man es von meiner Seite aus noch öffnen könnte, lässt der Phantasie WAS sich wohl dahinter verbirgt, freien Lauf....
Ich mag solche "mystischen" Orte; meine nächsten Wünsche werden mich zur Absturzstelle der DDR - Interflug bei Königs- Wusterhausen in ein Waldstück führen sowie zu den spuk-umwobenen Ruinen der "Beelitzer" Heilstädten wo oft wohl makabere Halloween - Parties stattfinden.
Nach unzähligen gescheiterten "Versuchen", mir das riesige Objekt "meines" benachbarten Todesackers mal genauer anzusehen, wo ich immer wieder von *meinem* Arbeits - Ehrgeiz einerseits bzw. den date - freudigen "Rudel - Berlinern"andererseits daran gehindert wurde, meinen Vorsatz in die Tat umzusetzen, war mir heute **ENDLICH** mal das Glück hold, sodass ich genügend Freiraum hatte, wieder einen Punkt von meiner "Da wollte ich schon immer mal hin" -Liste der (für mich) interessanten Orte ab zu streichen...
Viele nette Stammgäste haben mir, das muss man fairerweise hinzufügen, auch dabei geholfen, mal Arbeit Arbeit sein zu lassen und die ein oder andere süße Skybar oder das lauschige Restaurant das so verlockend aussieht & an dem ich immer nur im Marschschritt vorbei gehetzt bin, mithilfe eines Rendezvous aufzusuchen...
Das hat man wohl davon, wenn man einen Bruder bzw. diverse FreundInnen (wir wollen doch schön politisch korrekt schreiben, nicht wahr?!) als "Verbündete" hat, die auch workaholics sind ;-)
Also gesagt, getan, wenn das Gute liegt sooooo nah.
In nur 2 Minuten befand ich mich schon vom Seiten - Eingang "Landsberger Allee" in Höhe des Vivantes - Klinikums aus hinein gehend direkt auf dem alten, von knorrigen Bäumen umrahmten Friedhof.
Adieu Verkehrslärm!
Eintauchen in eine vergangene Welt...denn die ersten Grabmale die rechts vom Eingangstor meine Aufmerksamkeit anzogen,entstammten der Zeit um 1838!
Und - so viel Platz für Bewunderung muss einfach sein - jene Ehrenmäler sind so derartig groß, pompös, fast schon protzige Bauten anstatt "nur" eines Grabsteins wie die Verstorbenen heutzutage ihn (bestenfalls noch) bekommen (der Trend geht eher zu kleinsten Urnen - Stellen bzw. Holzkreuzen oder Wald- Baum - Bestattungen anonymster Art), das man schon verblüfft ist, welcher Aufwand FRÜHER noch um das Andenken der Toten betrieben wurde... Eine riesige Wand, hoch wie ein 1 -stöckiges Wohnhaus, bildet eine Art historische Galerie mit dem Anspruch, sich gegenseitig übertreffender Mausoleen. An jedes Detail, wie Belüftung durch "Gitter-Netze in Tür & Fenstern" wurde gedacht. Einfach nur prächtig solche glorreiche Bauleistung. Mir imponiert so etwas einfach, wenn Menschen an ALLES denken.
Manche pathetische / sehr aufwendige bzw. langatmige Inschriften muten traurig an wenn man in einem 3- Zeiler z.B. liest wie sehr eine Mutter ihre mit nur 19 Jahren verstorbene Tochter vermisst "Oh schmerz, halt ein!" und 2 Jahre später der Ehemann dann seine im Alter von nur 48 Jahren verstorbene Frau "zuhause und auf weiter Flur" vermisst & sich nur über den doppelten Verlust damit hinweg tröstet, dass Mutter & Kind nun wieder vereint sind und seine Gattin dem schmerz um die Tochter entrissen wurde.
In einer "modernen" Welt in der die Menschen sprachlich verstummt sind dank Emoji`s, diverser Apps sowie maximal-reduzierter Abkürzungen usw. die eher Rätselraten statt echter Zeitersparnis bringen, wie
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"Ey, watt heest `n eigntlich "k.p." in Deiner Whatsapp???" "Na "Kein Plan!" Aha...
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hingegen ist es wunderschön, in eine so beredte "Grabstein"- Welt einzutauchen die es mir als Fremde 180 Jahre(!) später noch ermöglicht, ohne menschlichen Kontakt zu den Angehörigen noch Familien - Schicksalen nachzuspüren.
Jedes Grab hat (wie der Lebensstil oder die Ausdrucksart eines Menschens in seiner individuellen Mimik & Gestik, in seiner charakteristischen Art sich zu kleiden oder anhand seiner ihm / ihr eigenen Lieblingswörtern) eine EINMALIGE Ausdrucksweise wodurch der dort Ruhende seine (Familien - ) Geschichte erzählt aus der man noch Jahrhunderte später seine Lehren ziehen kann fürs EIGENE Leben, finde ich.
Alte Bauten und Häuser oder auch antike Ausgrabungsstätten wie "Aquincum" in Budapest und nicht zuletzt Gräber haben nicht nur ihren persönlichen Charme sondern sind für mich ganze "Persönlichkeiten" und zwangsläufig läuft dann vor meinem inneren Auge eine Art "Film" ab der mich - mit vielleicht viel zu viel Phantasie ausgestattet - dann in längst vergessene Zeiten des 1. oder 2. Weltkrieges, dem Bombenangriff auf Berlin etc. trägt & ins Esoterisch - Philosophische abgleitet, wer welches "Schicksal" zugespielt bekam, welcher Mensch durch eine glückliche Fügung wen kennenlernte und daher überlebte.
Die verschiedene Art, Gräber zu gestalten oder auch ruhen zu lassen, zeigen mir, wie grundverschieden wir Menschen doch sind & wie - analog zur Sexarbeit - es oft wohl auch nötig ist, das passende Deckelchen für die eigenen Wünsche & Bedürfnisse zu finden.
Wenn ich all zu nachdenklich wurde, sprang ein niedliches Eichhörnchen beschwingt die Bäume hoch & runter...ich hab - mit Ausnahme von Wien, Schönbrunn im Schlosspark- noch nie so viele Eichkater auf einem Fleck gesehen. Einfach nur goldig, wie der superschöne Sonntag überhaupt.
Die letzte wärmende Sonne, das magische bunte Laub, der erdige Duft nach (hm, Pilzen?)...., die puscheligen Wegbegleiter in Gestalt der Hörnchen und das Gefühl, wieder mal etwas "nur für mich" getan zu haben...das war ein super (Wahl-) Sonntag mit Lust auf Fortsetzung meiner Erkundungstouren, die mich auch noch gen "Ostpreußen" auf Gutsbesichtigungen führen werden.
Aber auch der verwunschene "Georg - Parochial" - Friedhof mit seinen protzigen & schon vergessenen Monumenten, den stillen Plätzen im "Wald", den 3 Kapellen & nicht zuletzt den zahmen Hörnchen - Gruppen wird wohl bald zu meinem Lieblings - "Auszeit" - Spazierweg werden & mir, wenn ich in Berlin bin, das Heimweh nach dem Landleben stillen.

