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58 Jahre, Frau, Bisexuell
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Selten so gelacht

In den vergangenen Wochen hatte ich ja viele Frauen bei mir zu Besuch, da ich nach Unterstützung in unterschiedlichsten Bereichen suche. Wie immer sagte ich im Vorwege, wo ich Hilfe benötige und wie ich mir unser Verhältnis vorstelle.
Es kamen Hausfrauen, die sich Geld hinzuverdienen wollen, junge Studentinnen und auch solche, die schon länger im erotischen Bereich tätig sind.
Generell klärte ich sie hier vor Ort auf, was ich bieten kann und meinte, dass es mir eben richtig wichtig wäre, mit offenen Karten und ehrlich miteinander umzugehen. Die Absprachen könnten wir gerne schriftlich festhalten und ich könne auch gerne ein Arbeitsverhältnis mit den Damen eingehen.

Dazu muss ich aufklärenderweise sagen, dass ich seit vielen Jahren mit Angestellten arbeitete und die Buchhaltung bis zur Bilanz auch mache.

Nachdem aber nun 2 sehr eigenwillige Dinge passierten, muss ich zugeben, dass ich wirklich geschockt war. Und ich frage mich, wie manche Menschen leben:

Die erste Situation war, dass ich eine Frau, die sich über ein Inserat auf einer komplett anderen Website meldete, zu einem Treffen bat. Gesagt, getan, kam sie zu mir und als wir uns dann länger unterhielten kam heraus, dass sie beruflich arbeitssuchend war. Prima, war mein Gedanke. Dann kann ich ihr ja anbieten, dass sie sich entweder selbständig macht und für mehrere Firmen arbeiten könne, oder aber erst einmal in einem Arbeitsverhältnis bei mir beginnen könnte (es ging um eine reine Büro-, Haushaltstätigkeit).

"Nein, das geht nicht. Dann verliere ich ja die Bezüge. Ich kann es nicht offiziell", antwortete sie überrascht.

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Was für ein Denken ist das denn? Ist es nicht erstrebenswert aus der Unterstützung eines Amtes herauszukommen?
(Ich suche weiter)
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Die zweite Frau, die sich vorstellte, war schon seit Jahren in einem Studio gewesen und meinte, dass sie eine Ausbildung als Domina gemacht hätte.
"Ah ja... eine Ausbildung als Domina...", meinte ich.
"Ja, ich habe in ... bei einem Studio die Ausbildung gemacht und habe auch mein Zeugnis, dass ich als Domina tätig sein darf."
(Nein, ich schlug mir nicht an den Kopf. Und nein, ich lachte sie auch nicht aus.)
Neugierig fragte ich nach, bei welcher Kaffeefahrt sie denn die Bescheinung gewonnen hat.
Pikiert sah sie mich an: "Das war keine Kaffeefahrt. Das war im Studio ... die Domina ...., die macht das!"
"Du weißt aber schon, dass das nette Geldmacherei gewesen ist?", fragte ich.
Da stand sie auf, verabschiedete sich und ging.

Ich staunte nicht schlecht und schnappte mir einen neuen Kaffee und fing an nachzudenken. Irgendwie mache ich doch etwas falsch. Da kann man wirklich Geld verdienen, indem man Menschen ausnimmt. Wie sollen die denn jemals wieder in den Spiegel schauen können?
Natürlich lasse ich mir auch meinen Aufwand u.ä. bezahlen. Aber tatsächlich so zu tun, als würde man eine "staatlich zugelassene Domina" sein, finde ich unanständig.

Bisher habe ich bei der IHK noch keine Prüfer gesehen, die eine Prüfung dafür abnehmen und irgendwelche "Bämbel" verteilen....

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Langsam begreife ich, dass man Menschen neuerdings mit Traumberufen wie "Influencer" eher bekommen kann, als die, die ernsthaft lernen und arbeiten wollen.

Oder liege ich da falsch?

"Was für ein Denken ist das denn? Ist es nicht erstrebenswert aus der Unterstützung eines Amtes herauszukommen?" Das sollte es sein. Gerade im Niedriglohnbereich kann es aber passieren, dass die Betreffenden nur unwesentlich mehr herausbekommen als sie vom Amt bekommen. Und für 200 Euro mehr im Monat 40 Stunden die Woche arbeiten müssen ist nicht für jeden lohnenswert. ---- "und meinte, dass sie eine Ausbildung als Domina gemacht hätte." "Ausbildungen" dafür gibt es tatsächlich. Also nicht im Sinne "drei Jahre Lehre plus Berufsschule und IHK-Prüfung", sondern eher entsprechende Kurse zu Themen wie Bondage. Das ist natürlich nichts Offizielles, aber hilfreich, um das reine Handwerk zu beherrschen. Man sollte nur unterscheiden können, ob man gelernte Domina ist (nein, da kein Lehrberuf) oder ob man sein Handwerk als Domina gelernt hat. "Ich habe mir das in Studio xy zeigen lassen" klingt schon besser als "Ich habe mir das selbst angeeignet und erst zwei Sklaven ins Krankenhaus geschickt". -------- "Langsam begreife ich, dass man Menschen neuerdings mit Traumberufen wie "Influencer" eher bekommen kann, als die, die ernsthaft lernen und arbeiten wollen. Oder liege ich da falsch?" Nein, du liegst nicht falsch. Mit wenig Aufwand Geld verdienen möchte jeder. Deswegen ist es derzeit auch schwierig, einen guten Handwerker zu finden. Das wird in den nächsten Jahren noch schwieriger werden, weil keiner mehr Maler, Klempner oder Bäcker werden will.

20. Aug 2018Antworten

Zum Ausnehmen von Menschen gehören immer zwei, einer der es macht und einer welcher das mit sich machen lässt. Naivität, Gutgläubigkeit... sind bei zu vielen Menschen augenscheinlich fest im eigenen Charakter verwurzelt. Es ist nun nicht so, dass ich in der Vergangenheit alle linken Sachen im Vorfeld durchschaut hätte, aber wichtig ist, dass man aus negativen Erfahrungen Konsequenzen zieht und den eigenen Kopf auch zum Denken benutzt.

20. Aug 2018Antworten

@Stan, danke für deinen Kommentar! Nun, ich wollte keine Billig-Aushilfe o. ä. einstellen, aber du hast recht, dass man scheinbar nicht wirklich etwas dafür tun will, um ordentliches Geld zu bekommen! Ich hoffe nur, dass es immer noch "Dumme" geben wird, die auch Ausbildungsberufe wahrnehmen und nicht nur virtuelle Spinner geben wird! @Sensibelchen, dir auch danke für deinen Beitrag. Ja, das stimmt. Und wir haben immer noch so viele Ungerechtigkeiten, die z.B. das Handwerk nicht achten. Und ja, ich gehöre auch zu den Blauäuigen, die gerne daran glauben wollen, dass das Gesagte wahr ist! Den Kopf zum Denken nutze ich gerne, aber muss es wirklich so sein, dass einem die Hucke vollgesponnen wird? Lügen sind echt nicht mein Ding

20. Aug 2018Antworten

@Ewald: leider nein, ich versuchte eben Dr. Erwin Marcus vom NDR anzurufen, aber geht unter seiner alten Nummer nicht mehr ran....

20. Aug 2018Antworten

@Fitpolo: dann hoffe ich, dass du gut sitzt. Denn ich habe schon einige Gemeinschaften erlebt, wo es auch über Jahre gut ging. Ist eben immer eine Frage des erwachsenen Umgangs ;)

21. Aug 2018Antworten

@Ewald: na, dann lass ich es lieber. Denn wenn es so wird, also nach einem "staatlich zugelassenen Protokoll", ist das ja wie vom Regen in die Traufe kommen. Ich fing ja vor... langer Zeit in einem Studio in Hamburg an. Wegen des Usus "nun fix der Nächste bitte" entfloh ich ja dem Protokoll. Denn ich mag lieber Zeit und Muße für die Jungs, anstelle Supermarkt-Tempo ;)

22. Aug 2018Antworten
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