Liebes "Kaufmich - Tagebuch",
gestern früh erlebte ich schon meinen - sozusagen "vorverlegten" Freitag den 13.
Nach einer viel zu kurzen Nacht - Dank meiner lärmenden Nachbarn die entweder nachts um 2 Uhr die Haustüren knallen als sei gerade eine Alien - Invasion und eine damit einhergehende Massen - Flucht im Haus in Gange oder sich nachts um 4 Uhr lautstark unter meinem Schlafzimmer - Fenster ihre Beziehungs - Streitigkeiten verbal ausfechten - war ich noch immer im Zustand der absoluten Schläfrigkeit dahin vegetierend... ein höchst angenehmer, da Gehirn leerer Zustand.
Meist wird dieser vom Weck - Anruf meiner Mutter oder von morgendlichen Anrufen lustgetriebener Männer unterbrochen.
Während meine Mutter jedoch IMMER auf dem - lauten & unüberhörbaren - FESTNETZ anruft, überhöre ich die Handyklingler manchmal wobei mir entweder sexy Morgen - Rendezvous oder das ein oder andere kuriose Telefonat eines Telefonwichsers oder Wort - Legasthenikers durch die Lappen gehen.
Und so ging ich - schlaftrunken zwar noch - an mein "Männer - Mobiltelefon - und hörte dort....die weinerliche Stimme meiner Mutter!
Ihr Satz: "Du, mich hat heute früh als ich mit den Hunden unter den Apfelbäumen war eine Wespe gestochen...es tut so weh. Sollte ich jetzt sterben, wollte ich mich nur noch kurz von Dir verabschieden" ließ mich - Müdigkeit hin oder her - SOFORT senkrecht im Bett sitzen.
Bei solchen Worten glaubt man, noch inmitten eines Albtraumes statt in der Realität zu sein.
Ich fragte noch kurz, ob sie sich GANZ SICHER sei dass das wirklich eine Wespe gewesen sei, was sie bejahte da sie dann noch auf ihrem Arm gekrabbelt hatte.
Ich muss dazu sagen dass meine Mutter gegen Wespen allergisch ist...nie vergesse ich den Tag als ich erst 5 Jahre alt war & sie von einer Wespe (die sich irgendwie im Geschirr-Handtuch versteckt hatte) in den Finger gestochen wurde woraufhin ihr Hals zuschwoll & sie nur noch knapp vom Rettungswagen vorm Erstickungs - Tod bewahrt werden konnte.
Ich sehe noch heute die blauen Rundumleuchten des Rettungswagens vor mir und wie ich zusammen mit meiner Ur - Omi am Fenster stehe und frage: "Du, überlebt Mutti?"
Ein gewissermaßen traumatisches Erlebnis in Kindheitstagen.
Krass dass ich das noch einmal erleben musste - und dann unter dem erschwerenden Zustand dass ich 130 Kilometer entfernt in BERLIN sitze während sie *GANZ ALLEINE* auf dem Bauernhof ist und es nur noch eine Frage von Minuten ist bis ihr Hals wieder zu schwillt.
Zwar besitzt sie eine "Gegengift - Spritze" aber in ihrer Panik hat sie die Hälfte daneben statt IN die Haut gespritzt.
Das Gefühl, in Berlin zu sein und ihr nicht helfen zu können (ein sofortiges "Ins- Auto -wie in die Bahn Springen" hätte beides 1.5 Stunden Fahrzeit bedeutet) das ist folter pur...
Und so saß ich gestern am Tisch, betete inständig zu allen Gottheiten die mir spontan einfielen, dass ein WUNDER geschehen möge um meine Mutter zu retten...
ZUM GLÜCK im Unglück, hatte meine Mutter noch geschafft, ihren Lebensgefährten zu informieren - der sich gerade nur 13 Kilometer entfernt in der Stadt aufhielt und mit Windeseile nach Hause raste, sie schnappte & zur Rettungsstelle fuhr...im Auto begann die Schwellung bereits.
Action-Film - reif das ganze Drama...
Als ich die überstandene Gefahr dann nervlich verdaut hatte, war ich derart körperlich entkräftet von der Aufregung & angst, dass ich schon um 17 Uhr auf der Couch wegdöste...
An alle Allergiker: Selbst im bislang kühlen Oktober gibts also noch genug "Bestien" da draussen. Erst Recht nun am Wochenende wo es ein kurzes Comeback des Sommers gibt. Passt also bei allen Euren Aktivitäten im Freien gut auf Euch auf & habt die Allergiker - Spritze bitte immer griffbereit bei Euch.
Denn: NICHT JEDER STACHEL ist sexy ;-)
In diesem Sinne:
Euch allen ein BEGLÜCKENDES, entspanntes Wochenende
Jessika


Liebe Jessika! Das scheint wirklich nochmal gut ausgegangen zu sein. Spannend und witzig wie immer von dir geschrieben, aber ich kann nachfühlen, in welchem Ausnahmezustand du dich heute befindest. Gute Besserung und auch dir, ein nervenschonenderes WE und psychisch stabilere Nachbarn. Mich strecken so aufregende, uns beängstigende Situationen auch immer völlig nieder. Bin dann auch total erschöpft und energieberaubt. Wir können dankbar sein, dass wir in der glücklichen Lage sind, noch eine Mutti hier zu haben. Sonst wäre auch der Rettungshubschrauber in wenigen Minuten dort gewesen, je nachdem, wie weit es ist. Du schriebst es aber mal, und ich glaub', das ist definitiv schneller als zwei Autostrecken über die Landstraßen. Aber, wenn der erste Schreck verdaut ist: Den täglichen Weckruf, (damit das Kind auch früh genug aus den Federn kommt?), würde ich ihr aber doch so langsam mal abgewöhnen- Es sei denn, du brauchst den genauso wie deine Mutti. Liebste Grüße, von Diane.
Na das ist ja scheinbar gerade so nochmal gut gegangen. Ich habe zwar "nur" Heuschnupfen, aber mir ist aufgefallen, dass auch der in den letzten Jahren im Spätherbst, wenn scheinbar schon nichts mehr blüht, nochmal zuschlägt.
*Altklug Modus AN* Ich würde meine Mutti aufs dringlichste "bitten" immer erst die 112 anzurufen.. und dann erst mich. Das würde auch mich als Sohn sehr beruhigen. Besonders wenn ich 100 km entfernt zur Tatenlosigkeit verdammt bin. *Und wieder AUS* ...hoffe, Dein Adrenalin hat sich inzwischen ausgedünnt und Du hast Dich auch bei allen adressierten Gottheiten angemessen bedankt ;-) Wespen.. auch so Mistviecher.