Disclaimer : mein Deutsch ist fehlerhaft.
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Erstens, bei mir wird es nie anders als Honorar heissen. “Taschengeld“ ist ja für Kinder (und auch wenn ich in meinem Profil genau mit einer Referenz zur kleinen Wednesday Addams spiele, siehe ich mich bestimmt nicht als Kind an). ABER, wenn es um dessen Wert geht, sind die Sachen schon weniger eindeutig, daher möchte ich einiges ins Licht bringen,auch wenn es sich wegen der persönlichen Beispielen ein Bisschen exhibitionistisch (und nicht eben angenehm)anfühlt. Wie ich es schon in einer Diskussion kurz ausgedrückt habe, verdiene ich(laut eigener Statistiken nach 5 Jahren Betrieb) 20 euro/Stunde,nach Abrechnung von Nebenkosten (Telekommunikation, Hotel, Fahrkarten, Kleidung, Spielzeug, und Steuer), und meine Arbeitszeit entsteht aus VIEL MEHR Büroarbeit (Emails beantworten, Werbung machen, Telefonieren, Fahrt, usw) als aus tatsächlichem Sex/Erotik, und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich kein Einzelfall bin. 20 euro sind halt ein völlig vorstellbarer Stundenlohn bei jemandem, der in Frankreich wohnt (wie es weiterhin mein Fall ist). Zwar kein Mindestlohn, aber auch nichts unverschämtes, und mit 2 Uni-Diplomen, weitere Ausbildungen und fünf gesprochene Sprachen kann man in meinem Land ungefähr mit so etwas rechnen. Oder hoffen :-/ (aber auch in Deutschland, oder?). Dazu kommt noch eine Frage, in der man sich als Arbeiter (SexarbeiterIn aber nicht nur) sich ja einmal DOCH als ein Stück Maschine in dem Spiegel anschauen muss (und es fällt schwer, klar) : “wie lange kann ich (aus)halten?“ Mit meinem System habe ich mich als lang funktionierendes “Teil“ konzipiert. Geringes Risiko akzeptieren; Kunden unter keiner Privatadresse empfangen (=astronomische Hotelkosten); kein Internet zuhause; meinen eigenen Körper besonders belastende Dienste nicht anbieten; mir ausreichend Zeit für Hobbys/Freunde lassen (aber in der “übrig“ bleibenden Zeit, mich nicht schonen, überall hinzufahren, wo ich gefragt bin), usw. Mit diesem System ist es mir vorstellbar, diesen Beruf langfristig zu üben -was ja ein genauso grosses weisses “Loch“ in meinem CV bedeutet (klar, man kann das immer mit Lügen als Selbständiger auffüllen, aber nach ein paar Jahren fängt es doch an, leer zu klingen), aber es gibt etliche andere Weisen der eigenen Geld-,Zeit-, Energie- und Gesundheitsverwaltung. Kein Steuer zu zahlen ist nichts anderes als ein zusätzliches Risikofaktor. Wenn man erwischt wird, kann alles platt gehen, bis dahin hat man aber x% weniger Nebenkosten. Es ist keine moralische Frage. Ebenso geht es mit ungeschützten Praktiken (bis auf Fingern ohne Handschuhe/Desinfizieren) : man kann die gerne zulassen, muss aber regelmässig mit einer Mykose rechnen (=3-4 Tagen Ausfall), und manchmal mit etwas schwererem, wodurch man ein Paar Woche/Monate lang arbeitsunfähig wird. Kondom wird heutzutage als selbstverständlich für GV, und als wenigstens vorstellbar für OV wahrgenommen, aber geschütztes Lecken und Fingern sind so schwierig durchzuziehen, dass man (frau) lieber einfach “nein“ sagt, und das “nein“ misst sich halt in barem Geld. Auch keine Moralfrage, nur reine Mathematik. Und das gleiche gilt für die Frage “zuhause empfangen oder Hotel zahlen“, usw. Was viel unklarer ist (oder vielleicht ist es doch sehr klar?), ist das mit dem “weissen Fleck“ im CV. Nicht nur “draussen“, in der Gesellschaft, sondern bis auf hier, auf KM ist Sexarbeit als Status Tabu. Bei fast allen deutschsprachigen Kolleginnen lese ich Disclaimers wie “ich habe einen normalen Job, das hier mache ich nebenbei“. Hure zu sein KOSTET, im Sinne, dass es keine Versicherung für die Zukunft mit sich bringt. Erfährt unsere Umgebung, was wir machen, werden wir potentiell ruiniert -erfährt sie es nicht, dann nimmt sie an, wir seien einfach Losers, die keine (oder nicht genug) Karriere geschafft haben. Wenn man einen “respektablen“ Job geübt hat, wenn dies endet, wird es in den CV bleiben, und wird bei der Bewerbung für den nächsten Job valorisiert. Wenn eine junge Frau einen reichen alten Sack heiratet, ohne Liebe, dann wird sie grundsätzlich für Sex bezahlt, bekommt aber später auch die Erbe, oder bei einer Trennung, ein Teil der Reichtum des Mannes. Als Sexarbeiterinnen haben wir alle diese zukünftige Garantien nicht, sondern verdienen alles in “Minutentakt“, und sorgen für uns selbst fürs Rest der Zeit. Das wird in unserem Honorar auch mitbezahlt.
Und ein kleines anekdotisches PS : als ich (mehrere Jahre her, und auch nicht in Deutschland) erfahren habe, dass eins meiner damaligen Stammkunden eigentlich eins der seit Monaten streikenden Arbeitern einer lokalen Fabrik war, ist mir die Idee, ihn zahlen zu lassen sehr schwer gefallen. So habe ich ihn für die ganze Nacht bei mir bleiben lassen, und keine Zahlung akzeptiert.
Ich habe ihn nie widersehen. Er wollte wohl keine engagierte Syndikalististin, sondern das Gefühl, er schenke sich die Begleitung einer Prinzessin.


ich fand den Artikel nicht schwer verständlich und auch nicht schwer zu lesen, so unterschiedlich sind die Menschen. Da du das noch nicht erkannt hast, wie man an deiner 99% Theorie bemerken kann, empfehle ich dir mehr nachdenken und weniger werten. Du brauchst uns auch nicht erklären warum du dir die Mühe gemacht hast diesen Blog zu bewerten. LG
wenns kerle gibt die für ne stunde ficken 150 eus zahlen ist es doch okay.der rest findet eben was preislich passenderes.die auswahl ist ja gross genug hier.
Vielen Dank für eure Kommentare. (@Soft-Lady, bei dir war ich etwas verwirrt -"gibt es" dich oder nicht...- und dann hab ich dich endlich zur richtigen Uhrzeit lesen können :-))
Mir gefällt Dein Blogeintrag. Hinsichtlich der Verständlichkeit Deines Eintrages: Jede Person, die von klein auf mit der deutschen Sprache aufgewachsen ist, dürfte keinerlei Probleme damit haben, die grammatikalischen Fehler bereits während des Lesens intuitiv zu korrigieren. Doch zurück zu Deinem Eintrag: Dieser ist ein ehrliches Bekenntnis, das Deine Situation -genauso wie die vieler anderen Huren- perfekt schildert. Sicherlich mag es Ausnahmen geben, die bedenkenlos -trotz unzähliger Risiken- ihrer Sexarbeit nachgehen. Und das nicht nur zum Nachteil der Hure, sondern auch des Freiers. Anmerken möchte ich lediglich, dass auch die leider diffamierte Dienstleistung der Prostituierten, welche weit aufrichtiger sind als etliche Ehehuren, dem Wirtschaftskreislauf unterliegt. Jeder Lohnerhöhung folgen Preiserhöhungen, sowohl in anerkannten wie auch geächteten Bereichen. Dein von Dir erhobenes Honorar ist somit für den Freier mehr als fair! Für Dich wären wohl 200€ bzw. 250€ (je nach Ausübungsort) weit fairer, da Du ja vor allem BDSM praktizierst (Münchner Standard in diesem Bereich: 250€). Folglich bin ich Dir dankbar für das von Dir kundenfreundliche Honorar sowie für Deine interessanten Blogeinträge. Besonders anhand Deines Nachsatzes lässt sich erkennen, wie menschlich und sozial Du doch bist. Dein Blog zeigt deutlich wie aufgeklärt Du bist! Mach weiter so, liebe Wednesday!