Es wird im Erotik(business)bereich immer wieder zu Lolita Referenz gemacht, hauptsächlich wenn jemand seine (ihre) jung(wirkend)e Ausstrahlung zu "verkaufen" versucht (ich selbst zähle zu solchen Menschen). Hat jemand schon Nabokovs skandalösen Klassiker tatsächlich gelesen?
Ich, diese Woche. Trotz meiner Erwartungen (sprich: prickelnde Liebesgeschichte mit grossem Altersunterschied, wobei die BEIDEN sich lieben und/oder heiss finden), habe ich etwa auf das Pendant der Geschichte von Natascha Kampusch gestolpert -nur eben vom Sichtpunkt des gewalttäters. Die Narration ist in erster Person, erzählt von einem Mann, der sich immer an seine erste Liebe erinnert, die kurz nach einem unvollendeten "ersten Mal" verstorben ist (damals waren die beiden 12 oder 13). In seinem ganzen Leben betrachtet er Mädchen im gleichen Alter, und geilt sich heimlich auf sie auf. Soweit, so gut, jeder darf sein Kopfkino auf was auch immer er/sie will, einrichten, solange es Kopfkino bleibt. Durch komplizierten Manövern und etwa Glück wird er "endlich" Stiefvater eines Mädchens, in das er tiefst "verliebt" ist, und als die Mutter stirbt, beginnt er eine lange Reise mit dem Kind. Die Idee, dass es Sex mit Zustimmung geben kann, bzw NUR solcher Sex überhaupt existieren sollte, schwebt ihm niemals vor (auch wenn sie selbst ihr Verlangen für ihn mehrmals ausgedrückt hat!), und er versucht, sie mit Schlafpillen "ausser Betrieb" zu setzen, um sie vergewaltigen zu können. Die Pillen funktionieren nicht, aber die Initiative, Sex zu haben, nimmt sie selbst. Ich hatte das Buch nach diesem einzigen tollen Moment ruhig hinlegen können... Unser Mann weisst offensichtlich auch nicht, dass einmal "ja" nicht "immer und lebenslang ja" bedeutet. Was folgt, ist 2-3 Jahren "Road Movie", mit täglicher Vergewaltigung, wobei er das Kinder psychologisch unter Druck ("wenn sie die Wahrheit an Fremden erzählte, hätte SIE schlimme legale Konsequenzen") und in finanzieller Abhängigkeit hält, bis sie es schafft, wegzuflüchten.
Er leidet ein Paar Jahre, bis er denjenigen findet, der Lolita bei ihrem Flucht geholfen hat (einen anderen widerlichen Schwein, aber IHN hat sie -warum auch immer!- geliebt), und er tötet ihn. Puh... Dabei ist der Text -vom Stil her- erster qualität, ob er, wegen der extremen Anzahl von Adjektiven einem gefallen mag, oder eben nicht.
Nabokov selbst sagt, dass er gar kein moralisches/ethisches Urteil in diesem Buch machen wollte -und hat er tatsächlich nicht gemacht. Mir fehlt, ehrlich gesagt, etwas. Man kommt nicht wirklich näher zum Verständnis eines (pädophilen) Vergewaltigers, und dafür werden doch 450 Seiten seinen ästhetischen Vorstellungen und der platten Wiederholung seiner possessiven Gedanken gewidmet. In anderen Worten: WARUM ihm das Willen des anderen Menschen scheissegal ist, erfahren wir genauso wenig, als wäre das Buch vom Sichtpunkt des Opfers geschrieben (das es halt nicht weiss), und dabei werden wir soooo lange mit seiner Vorliebe "gefüttert", dass wir uns daran ein Bisschen "anwöhnen".
Lolitas eigene Willen bleibt im ganzen Buch Nebensache -obwohl es in zwei kurzen Paragraphen auftaucht: erstmal, da, wo sie selbst die Initiative für Sex nimmt; dann viel später im Buch, als der Typ realisiert, dass sie nicht immer so oberflächlich ist, wie sie sich vor ihm zeigt, trotz allen seinen ständigen Versuchen, über Kunst, Philosophie, oder ähnliche Sachen zu diskutieren (er überhört einen Gedankenaustausch zwischen ihr und einer Freundin), dh, er hat Zugang zu ihrem Körper, aber nicht zu allen ihren Gedanken. Ich glaube, ich will mich an diesen beiden Paragraphen erinnern, und das Rest vergesse ich.


Mh viele werben mit einem (vorhandenen) Lolita - Imsge. Ich dselbst hab weder den Film gesehen noch das bich gelesen.... _____________________________________________ Früher hab ich oft auch Rollenspiele in Richtung Lolita angeboten, dann kam ich suf den Gedabnken dass ich (eventuelle) Pädophile noch mehr in diese Richtung bewege wenn ich sie als Teeny - Girl verführe & AB diesem Punkt konnte & wollte ich keine Lolita mehr spielen (müssen), dann lieber dominante Sekretärin ;-)))))
sorry für mein Kauderwelsch --> zu früh getippt und vor allem zu schnell ;-)
@Jessika, deine Tippfehler sind keinerlei schlimmer als mein deutscher Wortschatz :-))) Man versteht sich. Ich glaube, Rollenspiele sind eher eine sehr gesunde Methode, Neigugen auszuleben, die sonst schlechtes tun könnten. Jemand, der genug Ehrlichkeit -und vielleicht auch ein Hauch Selbstironie- hat, zu erkennen, was für "dukle" Gedanken er hat, und damit einen Fachmensch besucht, diese zu elaborieren (egal ob es eine Hure ist, die sich Hure nennt, oder eben Psycholog)... trifft einen sehr guten Wahl.
@ wednesday: ja aus dieser Sich heraus kann man es auch sehen --> ich weiß nicht WARUM aber ich fühlte mich irgendwann mitschuldig und dachte dass ich denjenigen Herrn eventuell NOCH MEHR ermuntere es bei Teenys REAL auszuprobieren ;-(