Schläfst du schon? kann eine süß klingende Frage sein. Aber nicht, wenn ich sie beim Sex stellen muss, weil mein Gegenüber stumm daliegt und keinen Mucks von sich gibt. Dabei gibt es doch kaum einen heißeren Sound fürs Bett als Stöhnen, Wimmern, Schreien, Winseln oder Stammeln.
Musik finde ich beim Vögeln eher störend, wer schon mal mitten im schönsten Fick entnervt nach dem Radio grapscht, weil Schni Schna Schnappi läuft , weiß, was ich meine. Dann doch lieber das grunzende Schweinchen, was mir vermittelt, daß ich an Ort und Stelle richtig bin.
Bei mir selbst erübrigen sich Fragen wie „gefällt dir das?“ oder „bist du gekommen?“, denn bei mir kriegt Mann das mit. Ich bin laut beim Sex. Ich kichere, fiepe, schnurre, gurre, raune, zische und jaule. Wenn die Lust sich in mir ausbreitet, schließe ich meist die Augen, ich kann mich dann besser aufs Fühlen und Hören konzentrieren und doppelt genießen.
Je mehr Sinnesreize ich geboten bekommt, desto schärfer wird der Sex. Tasten, Schmecken und Riechen sind nicht alles, Hören gehört auch dazu. Wenn man zunehmend heftiger stöhnt und immer schneller atmet, wirkt das beim Orgasmus wie ein Grillanzünder beim Barbecue. Es enthemmt zu hören, wie man sich gehen lässt, denn im Alltag kontrolliert man sich ja ständig, denkt darüber nach, was man wie sagt, oder überlegt, wie das gerade geklungen hat, aber beim Sex interessiert mich das nicht. Seine Hände oder seine Zunge auf meinem Körper rufen eine Sofortreaktion hervor, ohne den Umweg über den Verstand zu nehmen.
An dieser Stelle möchte ich meinen Nachbarn grüßen, der sich nie bei mir über die Geräuschkulisse beschwert. Er hat bisher weder mit dem Besen gegen die Wand geklopft noch am nächsten Morgen im Treppenhaus anzüglich gezwinkert. Außerdem ist Lärm immer relativ. Unter mir wohnt ein Kind, das seit einigen Tagen hingebungsvoll Blockflöte übt.
Ehrlich gesagt: Ein schreiendes Pärchen wäre mir lieber!
Wünsche allen eine entspannte Restwoche,
LG Josey

