Ich weiß nicht, wie andere das hier so wahrnehmen, aber ich finde Paysex hat sich in den letzten Jahren verändert. Im letzten Jahrzehnt war es irgendwie ein bedingt akzeptierterer Lebensentwurf in der Sexarbeit tätig zu sein.
Hier spreche ich aus meiner Berliner Perspektive. In dieser Stadt leben so viele unterschiedliche Menschen und alle möglichen Lebensentwürfe fanden hier einen Raum. Inzwischen finde ich Berlin etwas beengt und fast so spießig wie ein Provinznest.
Früher hätte ich keine Probleme damit gehabt, auch mit Außenstehenden, die ich kennenlerne, vielleicht mal offen über meine Tätigkeit zu reden. Inzwischen höre ich aber sehr oft unterschwellig so viele Ressentiments gegen alles mögliche, einfach das Andere heraus, dass ich mir oft nur meinen Teil denke und Gespräche gar nicht groß vertiefe. Die Menschen sind sich so fremd geworden. Dabei ist Nähe etwas fundamental wichtiges. Und hierbei kann auch Sexarbeit eine wichtige gesellschaftliche Rolle spielen.
Bei den Männern, die ich dann real treffe, merke ich im zwischenmenschlichen Wechselspiel keine Veränderung, aber das ist ja nur ein kleiner Ausschnitte. Ganz unabhängig davon mache ich folgende Beobachtungen:
Hotelpreise
Ich wunder mich schon sehr, was ich so über Zimmerpreise höre, und die mich regelrecht sprachlos machen. Früher habe ich öfters auch Männer getroffen, die hier einen Kurztrip nach Berlin unternommen haben. Das findet jetzt weitaus weniger statt, weil Hotelpreise fast unerschwinglich für Normalos geworden sind oder es kaum Zimmer gibt.
Fake-Anfragen
Dieses Phänomen ist nicht neu aber schöner werden diese auch nicht. Schon der Stil dieser Anfragen zeigt, dass sie nicht echt sind. Das erkenne ich dann schon daran, wenn meine Grenzen und Regeln keine Berücksichtigung finden. Insofern kann ich die dann auch sehr schnell filtern. Manchmal bekomme ich inzwischen auch so Scheinbuchungen von Männern, die ich schon getroffen habe. Das finde ich sehr traurig. Jedenfalls landen bei mir so Anfragen immer auf Igno.
Freierforen
In den Foren kommen mir die Berichte immer öfter fingiert vor. Man sieht immer dieselben Lobeshymnen bei den selben Frauen. Ich finde den Begriff Freierforum inzwischen überholt. Das sind eigentlich Manager-Foren. Immer dieselben und eigenen Schäfchen werden gehypt und die Konkurrenz, zumeist Independents, wie ich, werden schlecht geredet. Dadurch findet aber auch eine ziemliche Wettbewerbsverzerrung statt, weil scheinbar nicht wenige Männer denken, dass so Foren so etwas wie die Stiftung Warentest sei. Jedenfalls landen bei mir auch Männer auf Igno, die zu gemanagten Frauen gehen. Insofern sind diese Foren dann wiederum auch praktisch, weil man das sonst gar nicht so schnell feststellen könnte.
Das sind jetzt nur drei Beispiele. Mir würden vielleicht noch weitere einfallen, aber ich beschäftige mich eigentlich nicht so gerne mit so Themen, sondern versuche mich in Konstruktivität.

