Ich glaube, dass die Menschen, die für einen wichtig sind im Leben eine Minderheit darstellen. Die meisten Leute sind irgendwie belanglos, fast egal, manchmal oberflächlich oder ich habe sie schon wieder vergessen. Manche Leute sind auch ziemlich schrecklich. Am besten ist es solche Menschen aus der Entfernung zu betrachten und gar nicht so nah an sich heranzulassen.
Irgendwie kommt es mir oft so vor, dass Menschen nur nett zueinander sind, wenn sie etwas von Dir wollen. Das Ergebnis ist eine sehr vage Kontaktebene mit allen möglichen Personen insbesondere in einer Großstadt wie Berlin, die sehr anonym ist. Manchmal glaube ich auch, dass es in einer Millionenstadt besonders schwer ist eine Kontaktebene zu anderen Menschen herzustellen, sei sie noch so oberflächlich, weil der einzelne Mensch irgendwie unwichtig ja sogar fast wertlos für den anderen egoistischen Großstadtbewohner erscheint. Irgendwas stört immer und es gibt an jeder Ecke scheinbar etwas besseres. Die Stadt ist sowieso so groß, dass man sich nicht wirklich zufällig begegnen kann. Sich selbst und die eigenen Bedürfnisse und kindlichen Traumwelten hat man auch schon längst aus den Augen verloren. Es findet sehr oft keine Sorgfalt, Rücksichtsnahme und Bereitschaft an sich zu arbeiten statt. Und genau das ist ein Grund, warum ich um so sorgfältiger bin, mit wem ich privat einen tieferen Umgang pflege, weil ich diese Oberflächlichkeit nicht besonders zuträglich finde.
Im Paysex sollte man annehmen, dass insbesondere unter Sexworkerinnen, die sich manchmal sogar als Kolleginnen titulieren, ein besonders umsichtiges Verhältnis mit Anteilnahme und wechselseitiger Rücksichtsnahme möglich sei. Wer kann die Sorgen und Nöte, die Freuden und die Randständigkeiten einer Sexworkerin besser verstehen als andere Betroffene. Aber irgendwie ist sehr oft das Gegenteil der Fall.
Mit Männern im Paysex ist es manchmal wie in einer Achterbahn sämtlicher durchlebbaren zwischenmenschlicher Facetten. Ich komme mir teilweise vor wie in einer der letzten Bastionen der reinen Menschlichkeit in einer Welt die von Arroganz und Ignoranz gezeichnet ist. Vielleicht ist die Begegnung zwischen Frau und Mann im Paysex manchmal jedenfalls irgendwie ursprünglicher als im normalen Leben. Im Paysex obsiegt ein Bedürfnis. Die Konstellation zweier Menschen im Paysex ist wie ein gemeinsames Projekt das verbindet. Die Hürden der alltäglichen brüchigen Zwischenmenschlichkeit werden schnell durchbrochen. Es zählt auch eigentlich weniger der Status des einzelnen. Man muss sich nicht wie im bürgerlichen Alltag erstmal hinsichtlich seines Prestiges vergleichen. Und was mich am meisten immer wieder aufs neue Fasziniert, dass Männer im Spiegel ihres erotischen Verlangens und in der Reduktion auf ihren Körper im Austausch ehrlicher, offener und einfach sehr zugänglich sind. Für mich ist das sehr stimmungserhellend und ein kostbaerer Gewinn aus einem Date als jeder Mammon.
Für mich hat der erotische und sexuelle Austausch im Rahmen eines Paydates nie den Charakter einer Ware, die ich einfach feil biete. Einen Kuss kann man nicht wirklich verkaufen oder erwerben. Und auch kein Gefühl. Das muss man spüren und das ergibt sich aus der Situation heraus. Natürlich kann man manche Entwicklungen und Verläufe in einem Paydate als wahrscheinlicher und bekannt voraussetzen weil es hier auch einen Konsens gibt. Aber manchmal glaube ich trotzdem, dass es im Paysex mehr menschelt als sonst, weil man sich in seiner menschlichen von Gefühlen gezeichneten Wirklichkeit gegenseitig besser wahrnehmen kann als irgendwo sonst. Nicht erst der Tod macht alles Menschen gleich sondern das gelebte Gefühl. Und wer das mit anderen aktiv auskosten kann, der lebt bestimmt zufriedener.


@mel: Schöner Post, dem ich nur zustimmen kann. Auch dem meines Vorredners. Im Pay6 kommt man rasch zum Kern. Ich ziehe sehr viel aus meinen Dates, nicht nur durch das sexuelle Erleben, sondern auch durch einen intensiven menschlichen Austausch auf Augenhöhe.
Mel, das kenne ich auch so. Einmal habe ich mit einem Mann geredet, und er meinte " Warum soll ich mit ihr reden, die bringt mich nicht weiter." Uff, war erst sprachlos und danach habe ich ihm erklärt, dass sie Kinder miteinander haben und wenn es der Mutter kacke geht, das auf die Kinder abfärbt und somit auf ihn niedergeht! -- Menscheln beim Paysex- Ja, aber eher auf die sexuellen Vorlieben bezogen. Da kann der Mann frei raus reden, wofür er sich vor seiner Ehefrau evtl. schämen würde. Besser kennen trifft also eher dahingehend zu, wobei er da auch sagen kann, dass er seinen Schwager nicht leiden ksann, was er bei seiner Frau nicht kann, da es ihr Lieblingsbruder ist. ;-)
Ich lebe für mich in 2 Welten und die darf ich nicht mischen. Es hat sowas surrealistischen an sich. Es ist extrem reizvoll und sündhaft schön. Man ist der heimlichen Sünde verfallen, genießt sie in vielen Zügen und steht fast immer am Abgrund seiner Zukunft - wenn das rauskommt. Es ist beinahe der besondere Kick daran. Man wird irgendwann zum Junkie.