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Morgenstund hat Gold im Mund

-wollte ich gerade schreiben, als ich dieses Meisterstück bekommen habe (ich zitiere vom Anfang bis zum Ende):

"suche brutalste folter"

Bei so einem Phänomen bin ich hin- und hergerissen. Erstens: eine besonders intensive Session ist auch für mich ein lebenlanges Erlebnis, und ich freue mich auf alles was mir solche Spiele gelehrt haben -ein wertvolles Wissen, das die meisten Menschen in ihren Leben gar nicht (mit)bekommen.
Zweitens: es versteht sich doch von selbst, dass für so ein Spiel, die Teilnehmer sich am tiefsten verstehen und vertrauen müssen (das bedeutet nicht unbedingt eine Freundschaft und/oder langjährige Bekanntschaft, ein paar ehrliche und zielgerichtete Diskussionen reichen auch -sonst würde unsere Gewerbe gar nicht existieren).

Dann was soll so ein niveauloses Kram?

Ich nehme an, der gute Mann wollte mich nur provozieren, irgendwie aggression in mir auslösen, und sich darauf gratis aufgeilen. ABER...

1. Aus meinem Sichtpunkt heisst das: ich werde gegen mein Willen, und trotzdem mit meinem Bewusstsein für jemandens sexuellen Zwecke ausgenutzt. Wie nennt man das schon?

2. Aus seinem Sichtpunkt: Er will eine aggressive Reaktion von irgendjemandem "einkassieren". Egal, wie, weil die Meinung oder das Wohlgefühl der anderen Person nicht zählt.

Dann warum geht er nicht einfach in die Straße raus, gibt dem/der ersten Polizisten/in eine Ohrfeige -und dann schaut was ihm in den darauffolgenden Stunden /Tagen gescheht? Oder wenn er zu faul ist, oder keine Zeit hat, dann einfach bei dem Nachbar klingeln -selbe Ohrfeige und mal schau'n?

Warum uns Sexarbeiterinnen? Warum überhaupt Frauen?

Na, wenn er dem Polizisten oder der Nachbarin eine Ohrfeige oder die beiden einer weitaus größeren Provokation aussetzt, so hat er lediglich einen einmaligen, nicht mehrfach vorkommenden Genuss, der sich zwar im Knast fortsetzen lässt, allerdings nur mit dem gleichen Geschlecht (dieses Gleichnis gilt selbstverständlich auch vice versa für eine Frau). Des Weiteren ist die Auswahl an Spielpartnern im Knast deutlich begrenzt (Der Leidsuchende kann sich das "Opfer" des Schmerzensbringer nicht aus einem großen sich ständig erweiternden Pool aussuchen, die Auswahl im Knast ist irgendwann erschöpft, besonders da sich mit Gewissheit viele Individuen ähneln) Wer also sexuelle Lust nur durch Folter erfahren kann, bedingt durch Familie oder Sozialisation in anderer Form, wird "anonym" bleiben müssen, um den Lustschmerz immer wieder neu zu erfahren. Dass der Großteil sich dabei meist gegengeschlechtlichen Kontakt sucht, ist biologisch bedingt (Viele GenderistInnen werden nun sagen, dass das Geschlecht ein Werkzeug der sozialen Kategorisierung sei und die Frau folglich das "Opfer" sein muss, da ihr diese Rolle aufgezwungen wird. Das mag sicherlich einst zugetroffen haben, heute gewiss nicht mehr, zumindest in der westlichen Welt.) Die Frage "Warum Frauen?" ist dennoch nicht unbegründet, da viele Menschen trotz der Veränderungen das konservative Gedankengut ihrer Eltern und der damaligen Zeit, in der sie aufgewachsen sind, nicht vergessen können und mit sich (selbst) weitertragen. Es ist also eher ein altersabhängiger Typus Mann (alt)/Frau (jung). Ach, letzten Endes lässt sich ja doch nichts, Göttin sei Dank, pauschalisieren! Mach Dir das Leben nicht so schwer und hör auf so viel zu sinnieren ;-)

15. Feb 2015Antworten
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