Mit einem "lächelnden" und einem "weinenden", fast schon depressivem Auge werde ich in dieses Wochenende starten.
Es ist KEIN Feiertag im klassischen Sinne denn der Totensonntag den die Evangelischen begehen (die Katholiken hatten ihr Allerheiligen & Allerseelen ja bereits Anfang November) verschafft uns keinen zusätzlichen arbeitsfreien Tag wie z.B. der 1. Mai an dem wir dann 1 Tag mehr zum Ausschlafen haben. Es ist auch kein "Konsum - " Tag an dem man sich volle Kante beschenkt (wie der Muttertag, der Valentinestag, Weihnachten oder Ostern) und auch kein "Fress - Fest" (wie es auch an Weihnachten der Fall ist)und schon recht kein Party & Sauf - Fest wie der Vatertag / einst Himmelfahrt...
VIELLEICHT gefällt mir der Totensonntag GERADE deshalb so sehr, weil es der letzte besinnliche Feiertag ist an dem es WIRKLICH um Besinnung geht (statt an Weihnachten das "Pseudo - Besinnliche").
Und Totensonntag passt gut zu meiner sentimental - grüblerisch - verträumten Seele.
Man kann es halten wie man will
(und ich bin EXTREM dankbar in einem freien Land zu leben in dem jeder glauben darf was er will & seine Religion frei ausüben, egal ob er Katholik, Protestant oder freikirchlicher Anhänger (Baptist, Methodist, selbst Zeuge Jehovas) oder Atheist ist- denn: streng genommen ist der Atheismus auch eine Religion denn alle Anhänger eint der Glaube daran dass es KEINEN Gott gibt)
und ICH halte es eben so dass ich felsenfest daran glaube dass es "mehr" als nur das begrenzte irdische Leben gibt.
Mit Anfang 20 erlebte ich eine Nahtoderfahrung als ich mich mit 140 km/h auf der Autobahn 3 Mal um die eigene Achse drehte & dann mit abgeminderter Geschwindigkeit im Straßengraben neben der Autobahn landete. Das Auto war grässlicher Totalschaden doch wie durch ein Wunder blieben der Fahrer und ich als Beifahrerin unverletzt (nicht mal eine Schramme oder Schnittwunde ob der geplatzten Scheibe trugen wir im Gesicht). Alle sagten damals wir hätten eigentlich tot sein müssen...
Seitdem weiss ich dass dieses Erdenleben nicht alles ist. Ich glaube es also nicht "nur", nein ich WEIß es aufgrund dieser und noch weiterer Erfahrungen, oder besser gesagt aufgrund von eindrücklichen "Sterbe - Phänomenen" in meiner Familie wie auch im Ehrenamt im Hospiz. Unter anderem gab es aktiv im Leben stehende Menschen die scheinbar hellsichtig sagten: "Ich glaub,ich lebe nicht mehr lange & wie vermutet starben sie dann auch urplötzlich oder im Sterbeprozess gab es Aussagen wie "XY ist gerade bei mir" von dem der Sterbende noch gar nicht wusste dass er 1 Stunde vor ihm gestorben war.Gänsehaut pur. Da kommt man ins Grübeln WAS im Leben Priorität hat...
Nicht grundlos ist folglich der Totensonntag MEIN liebster Feiertag. Da ich davon ausgehe dass Energie nicht verloren gehen kann (übrigens ein physikalisches Gesetz!)sondern nur umgewandelt wird, fühle ich mich nur entfernt, jedoch nicht getrennt von den Menschen die mir einst mein Leben bereicherten.
Ich darf an diesem Sonntag all meine Gefühle die mich im Jahresverlauf oft ereilen, frei ausleben indem ich aus Liebe die Gräber meiner Ahnen hübsch dekoriere. Ich beginne dieses Eindecken immer schon Ende Oktober da es 4 Doppelgrabstellen (von Menschen) + meine Tiergräber (bei uns im Garten) sind.
Erst ganz zum SChluss, etwa 2-4 Tage vor Totensonntag, dekoriere ich dann so richtig und lebe beim Grabschmücken meine ganze Trauer und Sehnsucht nach DEN Menschen & Tieren aus die mir "voraus gegangen" sind und die ich mir erhoffe eines Tages wieder zu sehen - ohne dass einer von uns dann noch körperliche schmerzen hat, Traurigkeit in seiner Seele fühlt oder Trennungsgewissheit wie hier im irdischen Leben hat.
So wie andere all ihren Ehrgeiz und auch ihren Stolz darin setzen, in der Adventszeit ihr Haus mit zig Lichterketten zum hübschen Anziehungspunkt zu machen oder den Weihnachtsbaum für ihre Familie besonders funkelnd zu gestalten, so setze ich all meine Energie darin, die Gräber so kunstvoll zu gestalten dass jeder Friedhofsbesucher erkennt: "Hier hat jemand LANGE gewirkt / Hier ist es Jemandem wichtig seinen Verstorbenen ein Ehrenmal zu setzen". Ich dekoriere mit getrockneten Orangen-Scheiben die man im Bastelbedarf für Adventskränze zu kaufen bekommt, mit Kätzchen - Knospen, manchmal sogar mit den gelben Sanddorn - Beeren die in der Silbertanne leuchtend hervor stechen. Gelb als Farbe der Energie, der Sonne, des Lichtes. Natürlich achte ich darauf dass das Grab kunstvoll wirkt aber nicht übertrieben - kitschig, also wenn dann Ton in Ton oder in Naturtönen dekoriert statt 1000er Engelsputten...
Ganz schlimm finde ich Gräber mit protzigem Grabstein und der Inschrift "Geliebt, beweint und unvergessen" wo dann das Unkraut als Grabbepflanzung fungiert. Auch hierfür mag es verschiedene Gründe geben: Vielleicht gibt es keine Angehörigen mehr (alle aus der Familie sind schon "tot") oder die Kinder wohnen zu weit entfernt als dass sie jeden Tag die Grabstelle gießen könnten.
Ich kenne jedoch wissentlich Fälle in denen Omi IMMER besucht wurde weil sie der Enkelin wöchentlich 20 € Taschengeld gab, nun wo sie jedoch tot ist, kann sie aus der Gruft heraus ja keine Scheine mehr darreichen - mit dem Ergebnis dass sie schnell vergessen ist. Kann WAHRE Liebe zwischen zwei Menschen, zudem die Bindung des "eigenen Fleisch und blutes", derart schnell "verpuffen"???
Solche Begebenheiten verletzen mich obwohl ich NICHT Teil dieser Familie bin, aber wenn man die liebevolle Omi selbst kannte dann bin ich oft fassungslos ob der menschlichen Kälte.
Ich werde an diesem Wochenende also all der Liebe gedenken die mich zu dem Menschen gemacht hat der ich heute bin - an die Menschen die mir eine besondere Kindheit ohne gewalt, Hunger und ohne seelische verletzungen bescherten.
Gerade aus vielen Erzählungen von Menschen mit denen ich privat oder beruflich zu tun habe, weiss ich dass dies wie ein "6er im Lotto des Herzens" ist. Viel mehr Menschen als man denkt wurden als Kind gezüchtigt oder sexuell misshandelt...können deshalb mitunter nicht mehr richtig lieben und vertrauen oder (hier sind wir wieder beim Kaufmich - Thema) Sexualität als Freude genießen.
Ich werde automatisch am Totensonntag auch viel an ein schlimmes Jahr 2016 erinnert das mir binnen von nur 5 Wochen gleich 2 Hunde entrissen hat (Lilly und ihren Hunde - Vater Franko) sodass der letzte Labrador nun sehr traurig ist und es mich immer wieder einige Mühe kostet ihn etwas aufzuheitern da er seine 4 Kameraden arg vermisst. Ein Gruß an die Fraktion der Menschen die sich sooooo sicher ist dass ein Tier keine Seele hat! In der Loyalität und in der BEDINGUNGSLOSEN Liebe sind uns die Tiere haushoch überlegen - denn sie mögen Frauchen auch wenn sie ungeschminkt ist oder Herrchen wenn sich bei ihm statt des Waschbrettbauches ein Waschbär-Bauch ausbildet...
Auch für meinen Lieblingskater "Katerchen" werde ich am Sonntag ein warmes Grablicht in der Dunkelheit entzünden. Mein Abenteurer unter den Katzen, ein einstiges Findelkind, wurde im Juni an unserer einst ruhigen Landstrasse überfahren - die er 13 Jahre lang tagtäglich clever überquert hatte.
Der Spruch den mir ein Gast mal mit auf den Weg gab "Wenn eine Katze 3 Jahre die Strasse überlebt, dann wird sie nicht mehr überfahren weil sie achtsam genug ist" hat also leider NICHT zugetroffen. ;-(
Mein einziger Trost ist dass sowohl wir als Familie (trotz kleinerer Streitigkeiten immer zusammengehalten haben und nie jemand verstoßen wurde im Sinne von "DU bist nicht mehr mein Sohn!") als auch unsere Tiere (auch die denen nur ein kurzes Leben beschieden war) - ein schönes Leben miteinander hatten:
Die Vierpfotigen wurden und werden oft mit ihrem teuren Lieblingsfutter verwöhnt und sogar ein Stall steht parat in dem die ausgesetzten Streuner - Katzen an einem warmen Ofen dösen dürfen.
Obwohl unser Bauernhof (noch!) kein Tiergnadenhof ist und ich jedes "weggeworfene" Tier das ich aufpäppele oder durchfüttere weil einige Nachbarn meinen, eine Katze müsse man nur 2 mal wöchentlich füttern damit sie weiterhin Mäuse fängt(!) aus eigener Tasche finanziere, spüre ich dass es ein GUTER Ort ist, ein Ort der meinem Leben (s)einen Sinn gibt.
Hoffentlich schaffe ich es, vor MEINEM eigenen Tod einen großen Tiergnadenhof oder sogar eine Tierklinik zu stiften, bevorzugt in Kombination mit einem generationsübergreifendem Wohnprojekt oder in der Symbiose mit einem benachbarten Hospiz sodass ausrangierte Tiere & (ver-)einsam(t)e Menschen sich gegenseitig fröhliche letzte Tage bescheren können.
Somit ist der Totensonntag nicht nur ein Tag der Trauer und des Gedenkens für mich sondern auch ein Tag der Freude dass ich diese Liebe der Ahnen & meiner Tiere erleben durfte - eine Liebe die mich unabhängig macht sodass ich mich in meiner Unperfektion und mit all meinen Macken & Schrullen annehmen kann, ohne das Gefühl zu haben von JEDEM gemocht werden zu müssen.
Und nicht zuletzt bedeutet mir der Totensonntag eine Perspektive denn hätte der Schatten des Todes nicht schon in Kindertagen über meinem Leben gehangen, so wäre ich kaum auf diese Lebensaufgabe gekommen und hätte ein leicht-füßigeres Leben dem jetzigen vorgezogen.
Ich wünsche Euch allen ein schönes Wochenende - auch denen die mit dem Totensonntag nichts anfangen können, denn ich mag den Spruch auch sehr der da heißt: "Es gibt ein Leben VOR dem Tod" und ich wünsche Euch allen dass es nebst der Traurigkeit die vor niemandem Halt macht wenn wir in Krisen geraten oder liebe Menschen verlieren, auch viele sinnliche, himmelhochjauchzend - entzückte Momente in Eurem Leben geben mag.
Und auch hier schließt sich wieder der Kreis zum Kaufmich - Portal dass einige hier ihre Lebenslust stillen (damit meine ich an 1. Stelle die Männer denen es Freude bereitet eine attraktive Frau buchen zu können die sie privat erst ewig anbaggern müssten ) und andere (damit meine ich in 1. Linie uns Frauen) sich von dem verdienten Geld etwaige Lebensträume verwirklichen können - denn die Welt ist NIE schwarz oder weiß im Sinne von Alice Schwarzer sondern kunterbunt wie ein Regenbogen --> das christliche Symbol des "Neuen Bundes", das Symbol der Homosexualität welches besagt dass Liebe verbindet statt zu trennen und es unerheblich ist WEN wir lieben und zugleich das Symbol der HOFFNUNG.
Jessy

