Nachdem bei mir seit 3 Jahren eigentlich alles aus dem Ruder gelaufen ist, was aus dem Ruder laufen kann, habe ich mich entschieden, einfach wieder Bewerbungen zu schreiben. Einfach schauen, was es gibt, mal schauen was passiert... Denn ich weiß, dass meine Eckdaten zwar nicht optimal sind, da ich ja seit vielen Jahren selbständig bin und parallel auch zu den damaligen Angestelltenverhältnissen immer war.
Mein erstes Vorstellungsgesprach war eine Mischung aus real und virtuell. Sprich, einer war virtuell hinzugeschaltet und vier saßen real mit am Tisch.
Und wie bei jedem Gespräch mit neuen Menschen habe ich die Angewohntheit, sie innerlich erst einmal "durchzuscannen". Tatsächlich mache ich es ja auch mit neuen Besuchern bei mir, dass ich mir eine Art Bild von dem Gegenüber zu male. Was macht er für Eindruck? Stimmen die bisherigen Erzählungen mit seinem Auftreten überein? Alter? Beruf? Und eben all die verschiedenen Dinge, die man sich in den ersten fünf Minuten des Kennenlernens wahrnimmt. Und bei solchen Gruppengesprächen lernt man schon den Betrieb und die Hierarchien kennen und da man ja weiß, dass der Fisch vom Kopf an stinkt, kann man auch Firmen und deren Arbeitsklima schnell kennenlernen.
Es saßen dort also zwei Frauen, beide in den Fünfzigern, aber unterschiedlich wie Tag und Nacht: eine offen mit Humor, die andere verkniffen ;). Die zwei real anwesenden Männer, da dachte ich nur, der eine wäre ein perfekter Kunde und der andere ein weltfremder dummer Wichtigtuer... Und der virtuell Zugeschaltete, trat recht neutral auf, hielt sich also sehr im Hintergrund.
Wie immer dachte ich mir, dass ich erst einmal vorsichtig andeutend erzähle, wie meine Selbständigkeit aussieht. Je nach Reagieren der anderen, würde ich mehr erzählen, oder auch nicht. Und ich muss zugeben, es war ein fürchterlich zähes Gespräch über insgesamt eine Stunde. Einzig die "Humorvolle" erleichterte das Zusammensitzen, die anderen waren auf gut deutsch überhaupt nicht offen für Menschen, mir schien, dass es denen nur um das Abarbeiten der Fragebögen ging.
Wie verabschiedeten uns nett... die "Humorvolle" meinte noch, dass das Gespräch ja super gelaufen wäre.
Und wie ich dann im Auto saß, die Zigarette anzündete, dachte ich mir selber nur: "Never, ever..." Wenn ich in einer so "menschelnd-freien" Firma arbeite, dann gute Nacht. Wenn also nur eine Frau eine Reaktion auf mich zeigt und die vier anderen Gesprächspartner derartig desinteressiert an mir, dem Menschen, sind, dann lasse ich es. Aber man muss sich ja nicht sofort entscheiden und da sie sich bei mir melden wollen, habe ich ja alle Zeit der Welt mich weiterhin umzuschauen.
Es war das erste Vorstellungsgespräch und ich war einfach neugierig, was bei den nächsten Terminen passiert.

