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Wann beginnt Kaufmich eigentlich, uns ein Zeilenhonorar zu zahlen?

Mit Mail vom 22.4. hat Kaufmich neue Regeln für die Blogs eingeführt.

Ich sehe völlig ein, dass ein Portal auch und gerade, wenn es für uns Escorts einen Werbeeffekt haben soll, übersichtlich strukturiert sein muss und deshalb Regeln bedarf – und dass es nicht fair ist, wenn sich einige nicht an die Regeln halten, z.B. indem sie ihr Standardangebot bei den Events unterbringen.

Aber das, was Kaufmich jetzt an Ansprüchen an die Blog-Einträge formuliert, scheint mir ein ganz Stück zu weit zu gehen – und zwar in die falsche Richtung zu weit zu gehen. In den neuen Regeln heißt es:

„In Euren persönlichen Blogs könnt Ihr wie in einem Tagebuch Eure Gedanken und Gefühle ausdrücken, etwas mehr über Euch erzählen, egal, ob es etwas Nachdenkliches, Tiefsinniges, eine spontane Idee oder auch eine lustige Geschichte aus Eurem Leben ist.
Solche Beiträge sollen natürlich interessant zu lesen sein und Texte wie ‚Bin heute um 15 Uhr besuchbar’ haben in Euren Blogs deshalb nichts zu suchen. Genauso wenig wie z. B. Eure Kontakdaten.
Damit Eure interessierten Leser etwas Besonderes geboten bekommen und ihr Interesse an Euch geweckt wird, haben wir für Eure Blogbeiträge eine Mindestanzahl von 200 Zeichen eingeführt, damit es sich lohnt, Eure Texte anzuklicken und zu lesen.“

Kaufmich sollte meiner Ansicht nach nicht vergessen, dass es eine Werbeplattform für Sexdienstleistungen ist – und keine Literaturplattform oder Plattform für Essays. – Und wenn Kaufmich in dieser Weise seinen Charakter ändern will, dann sollte das offen und direkt kommuniziert werden und uns Autorinnen ein Zeilenhonorar gezahlt werden (und nicht hintenherum durch Änderung der Blog-Regeln passieren).

Will sagen: Diejenigen von uns, die schöne Essays schreiben, müssen nicht gut im Bett sein (oder auch nur die Praktiken anbieten, die ein Kunde sucht). Und wer einen schwungvoll geschriebenen Essay lesen möchte, wird nicht in erster Linie bei kaufmich.com suchen.

Klar gibt es Kunden, die vor dem Sex den Abend noch im Theater oder plaudernd bei einem Essen verbringen wollen – und diese Kunden werden sich bei der Wahl ihrer Dienstleisterin auch von deren Essayschreib-Künsten beeinflussen lassen.

Aber für viele Kunden ist schon ein 1-Stunden Date zu lang oder zu teuer. Viele wollen – jedenfalls, wenn sie bei kaufmich.com buchen – einen Blowjob, Handjob oder Quicky und keine Therapeutin, keine Ersatzfamilie und auch keinen literarischen Salon.

Und, auch wenn ich selbst schon dreimal die Ehre hatte, dass Blog-Einträge von mir von Kaufmich als Top-Beiträge gewürdigt würden… – meine ‚tiefsinnigsten’ Texte habe ich nicht bei Kaufmich veröffentlicht (und ich habe auch nicht das Bedürfnis, hier zu verraten, wo und unter welchem Namen ich außerhalb von KM publiziere).

Aber ich habe sehr wohl das Bedürfnis, in meinem Blog-Beiträgen nicht nur Nachdenkliches oder Tiefsinniges zu schreiben (und über ‚mein Leben’, soweit es nicht die Sexarbeit betrifft, möchte ich hier schon gar nicht schreiben). Vielmehr habe ich sehr wohl – und zwar auch und gerade bei einer klar strukturierten Unterscheidung zwischen statischem bzw. langfristig gültigem Profiltext und aktuellen Blog-Einträgen – das Bedürfnis, in meinem Blog-Beitrag ab und an (und sogar öfter als Tiefsinniges) etwas zu meinen aktuellen Angeboten, Aufenthaltsorten und Sexarbeitszeiten zu schreiben. Und ich hoffe, dass das auch in Zukunft möglich sein wird.

Und schließlich, da ich eingangs über Fairness und Einhaltung von Regeln sprach: Zur Fairness gehört auch, keine Regeln aufzustellen, die manche von vornherein nicht einhalten können: Und schöne Essays schreiben – das können viele nicht, weil es ihnen nicht beigebracht wurde bzw. weil sie nicht darin geübt sind, anderes als kurze Gebrauchstexte zu schreiben. Und manche können zwar geistreiche Essays schreiben, aber nicht auf Deutsch. Aber auch diese Kolleginnen können sehr gute Sexarbeiterinnen in Deutschland sein. – Und daher sollten diese Kolleginnen meines Erachtens nicht durch überzogene Ansprüche an die Blog-Beiträge aus dem Stream der Kaufmich-Blog-Einträge ausgesperrt werden.

Denn noch immer heißt Kaufmich kaufmich.com und nicht liesmich.org – auch wenn viele von uns (aufgrund schreibseliger bzw. unschlüssiger/zögerlicher [potentieller] Kunden) die Erfahrung machen, dass Sexarbeit mehr Schreibarbeit als Sex ist. – Und Sex ist es ja ohnehin nur für die Kunden. Und Arbeit für uns. ;)

1. Zwischen einem Kurz-Blog-Eintrag "ich bin geil, ich habe Lust, ich bin nass" und Tiefsinnigkeit gibt es ja nun noch einige Zwischenstufen... 2. Warum werden sich Kunden den Blog-Stream ansehen? Um sich von uns die Welt erklären zu erlassen? Oder weil sie wissen möchten, welche aktuellen Angebote es gibt? 3. Hast Du mal geguckt, wieviel der heutigen Blog-Beiträge nach den neuen Regeln eigentlich gelöscht werden müssten? - Was meinst Du, wieviel Anziehungskraft der Blog-Stream auf Kunden noch hat, wenn aus dem ganzen KM-Gebiet (Dtld., Österreich, Schweiz) nur noch 10 'Elite-Blog-Einträge' pro Tag übrig bleiben? 4. Kurz-Blog-Eintrag a la "ich bin geil" sind schnell erkannt. Wer sich nicht damit nicht befassen will und Anderes sucht, wird von den Kurz-Beiträge keine Zeit gestohlen. 5. Ich denke der Blog-Stream ist gerade aufgrund der Unterschiedlichkeit seiner Beiträge interessant. Oft kann ein Kunde vermutlich schon anhand einer Überschrift erkennen, ob es etwas ist, was ihn anspricht.

23. Apr 2015Antworten

Ganz wie Du meinst... - ich muss mein "Niveau" allerdings nicht darüber stabilisieren, dass ich auf "billige Dinger" (Kolleginnen) herabschaue.

23. Apr 2015Antworten

@ "ganz klar trennen" - nenn's wie Du will's. Aber ich muss mich nicht "trennen" (abgrenzen), um mich zu unterscheiden (falls das jetzt nicht eine zu 'tiefsinnige' Unterscheidung ist ;)). Ich habe meinen Stil; ich biete das an, was ich anbiete. Und andere haben (aus welchen Gründen auch immer) einen anderen Stil und bieten Anderes an. - Mehr muss ich zu dem Unterschied zwischen Kolleginnen und mir gar nicht sagen.

23. Apr 2015Antworten

Ich bin absolut deiner Meinung! Ich schreibe gerne. In erster Linie über Geschehnisse die hier bei KM bzw. durch KM stattgefunden haben. Über Kunden, Dinge, Situationen die mich aufregen und solche, die mich amüsieren. Meine privaten Gedanken haben auf dieser Plattform nichts zu suchen. Meine Kunden bzw. Gäste brauchen mich nicht näher kennen zu lernen, denn die Zeit die wir teilen verbringen wir körperlich und nicht im Gespräch. Mal davon abgesehen, dass meine Gäste keine Zeit haben zu sprechen, denn im besten Fall sitze ich auf ihrem Gesicht. Und wenn ich plaudern will, rufe ich eine Freundin an - und zwar dann, wenn grad niemand unter mir liegt. Manchmal möchte ich viel schreiben und manchmal habe ich nur einen lockeren Spruch, den ich loswerden möchte. Ich denke, so geht einigen Damen hier. KM sollte sich lieber mal darum kümmern, dass die Blogs die geschrieben werden auch ausnahmlos gesendet werden. Denn wie oft habe ich mir die Mühe gemacht und einen gefühlten Hundertzeiler verfasst, der dann nicht auf der ersten Seite erschienen ist. So viel zu - "Interesse der Kunden wecken" Liebe Grüße und danke für deinen Beitrag :-)

23. Apr 2015Antworten

"von komme heute später, über Sonderpreis, spezielle Angebote bis zu reinen Werbeaufrufen? Aber wahrscheinlich ist das langfristige Ziel, dass bezahlte Werbung verkauft werden kann" Diese Vermutung kommt mir nicht unplausibel vor - umso absurder, dass wir dann den literarischen quality content, der KM als 'niveauvoll' oder 'Elite-Huren-Portal' am Markt positioniert gratis liefern sollen...

23. Apr 2015Antworten

@ GummiAnne: Ich denke auch, die Mindestzahl von 200 Zeichen ist das Läppischste an der Neureglung. Das Problem ergibt sich meinem Eindruck nach aus der Kombination der literarischen und Themen-Ansprüche, die mit "Nachdenkliches", "Tiefsinniges", eine "Geschichte aus Eurem Leben" formuliert sind und dem Ausschluss von Texten wie "Bin heute um 15 Uhr besuchbar" (und zwar selbst, wenn sie länger als 200 Zeichen sind - so verstehe ich jedenfalls die neuen Regeln).

24. Apr 2015Antworten

@ soft-Lady / 24.04.2015; 11:51 h: "würde mir als Mann" Ich denke: Die Ansprüche der Männer sind genauso unterschiedlich, wie die Angebote, die wir Escorts machen. Die einen Männer stehen halt auf Frauen, die ihr Angebot mit "Ich bin nass" bewerben; und die anderen Männer stehen auf Frauen, die ihr Angebot mit ihrem "Niveau" bewerben. Ich denke, die allermeisten von uns Escorts wären sehr zufrieden, wenn sie ein paar mehr von den "kultivierten" und "solventen" Männern abbekämen. Die gibt es aber nicht wie Sand am Meer. Und mit dem Ausmaß der "Kultiviertheit" steigen vielleicht auch die Zweifel an der Sinnhaftigkeit von Sexarbeits-Konsum. Ich denke, die Kolleginnen, die mit, "Ich bin nass" oder "Spritz mich voll" werben, werden schon ihre (ökonomischen) Gründe haben - auch wenn es nicht meine sind. @ "Selbst Damen die Tag täglich hier beruflich unterwegs sind, können ruhig mal etwas mehr sich das Köpfchen anstrengen" Ich halte immer noch nichts davon, dass wir Escorts uns und unsere Angebote wechselseitig bewerten und miesmachen.

24. Apr 2015Antworten
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