Mir sind in den letzten Tagen zwei Erfahrungsberichte aufgefallen. Genauer gesagt: nicht nur aufgefallen, sondern auch aufgestoßen.
Ich werde sie beide nicht wörtlich zitieren und auch nicht sagen, wer sie geschrieben hat und wo sie stehen. Denn es geht mir nicht darum, die beiden Erfahrungsberichterstatter vor ein imaginäres KM-Gericht zu zitieren. Und ich hätte auch nichts geschrieben, wenn mir nicht innerhalb von wenigen Tagen zwei Erfahrungsberichte mit der gleichen Aussagetendenz aufgefallen wären. Mich interessiert vielmehr, wie repräsentativ diese beiden Erfahrungsberichte für die Sichtweise unserer Kunden sind.
Einer der beiden Berichte ist auch nur haarscharf jenseits der Grenze des von mir gerade noch für vertretbar Gehaltenen: Zwischen lauter warmen Worten für die besuchte Escort artikulierte der Kunde die Hoffnung oder den Wunsch, dass ‚das hier’ (gemeint war augenscheinlich KM bzw. Sexarbeit im allgemeinen) nur eine kurze Zeit im Leben der Kollegin beanspruchen werde.
Gerade noch vertretbar hätte ich die Artikulation der Hoffnung gefunden, dass die Kollegin, falls sie denn mal einen anderen Job ausüben möchte, diesen auch schnell finden möge – auch wenn auch schon die Artikulation dieser Hoffnung etwas altväterlich gegenüber einer gerade eben erst in Anspruch genommen Dienstleisterin wäre.
Der Unterschied zwischen beiden Formulierungen ist fein, aber doch besteht er darin, dass die in dem Erfahrungsbericht verwendete Formulierung die Unterstellung ausdrückt, dass die Kollegin ihren Escort-Job ‚eigentlich’ so schnell wie möglich los werden wolle, während die von mir gerade noch für vertretbar gehaltene Formulierung nur davon ausgeht, dass ein solcher Fall mal eintreten kann. – Vielleicht ist es so, dass die Kollegin ihren Escort-Job tatsächlich so schnell wie möglich loswerden will; aber davon steht in dem Erfahrungsbericht nichts. Und ich halte auch für unwahrscheinlich, dass, wenn es so wäre, eine von uns das ihren Kunden ausplaudern würde. Denn zum Reglement eines jeden Dienstleistungs-Jobs gehört, ihn mit einem Lächeln und nicht mit zusammengebissenen Zähnen auszuüben. – Selbst die Kassierer und Kassiererinnen in meinem bevorzugten Supermarkt sind bei der Arbeit immer bestens gelaunt.
Kommen wir zu dem zweiten Erfahrungsbericht, der mir in den letzten Tagen auffiel: Auch dieser war voller warmer Worte für die besuchte Escort. Und das wärmste dieser warmen Worte war, dass sie doch fast ‚zu gut’ für hier sei. Und mit „‚zu gut’ für hier“ war sicherlich nicht gemeint, dass es andere Sexdienstleistungsportale gibt, wo die sexuellen qualitäten der buchbaren Dienstleisterinnen noch höher ist als die der hiesigen.
Also auch im Falle des zweiten Erfahrungsberichtes dürfte mit „hier“ Sexarbeit im allgemein gemeint gewesen sein. Einige Menschen sind also ‚zu gut’ für Sexarbeit (Ihr selbst, die Ihr niemals Sex gegen Geld anbieten würdet, und außerdem vermutlich Eure Ehefrauen und Freundinnen, die ihr mit uns betrügt, und vielleicht auch Frauen, die ‚noch besser’ als Ihr selbst seid, so dass ihr IHNEN nicht ‚gut genug’ seid); und dann gibt es Menschen (vorzugsweise Frauen), die sind so ‚schlecht’, dass sie zu Recht in der Sexarbeitsbranche landen.
Abgesehen von der darin in dieser Sichtweise eingeschlossenen Heiligen/Huren-Dichotomie, die einen Bart wie Methusalem hat, drückt auch der zweite Erfahrungsbericht aus, dass Sexarbeit so ziemlich das schlimmste Schicksal ist, dass einem/einer in dieser Gesellschaft zustoßen kann.
Wenn Ihr, die Ihr das so seht, so seht, warum schenkt Ihr uns dann unser Honorar nicht und versinkt alle vor Schamesröte im Erdboden, dass Ihr überhaupt in Erwägung gezogen hatte, eine sexuelle Gegenleistung für Euer Geld von uns zu erwarten?


PS.: Nur damit da keine Missverständnisse aufkommen: Mit meinem Blog-Eintrag will ich auch nicht sagen, dass - um noch eine relgiöse Metapher zu strapazieren - Sexarbeit das Paradies auf Erden sei und dass wir unsere Zeit in gleicher Weise mit unseren Kunden verbringen würden, wenn Geld für uns "keine Rolle" spielen würde (weil wir es eh hätten). Ich will - als Astheistin - nur sagen: Sexarbeit ist weder die Hölle noch das Paradies, sondern Teil der Welt (mit allen Macken und ihren manchmal auch ganz angenehmen Seiten), in der wir hier und heute leben.
Ich stimme Deinem Blog voll zu. Aber ganz nebenbei erwähnt, ich habe schon des öfteren Honorar an Sexdienstleisterinnen ohne sexuelle Gegenleistung, ja und auch schon ohne irgendeine Gegenleistung gezahlt..., allerdings aus ganz anderen und unterschiedlichen Gründen.
Da würde ich Vermuten Zum 1.ten Bericht Es hatte jemand das Gefühl für Geld abgefertigt zu werden Ja sowas kommt vor Zum 2.ten Bericht Wahrscheinlich verliebt und würde sie am liebsten nur für sich allein haben Auch sowas kann passieren Nur sind fast alle Berichte in diese Richtung geschrieben Lg kuschel
kuschel11 (Buchholz in der Nordheide) 27.08.2014 06:18: "Zum 1.ten Bericht Es hatte jemand das Gefühl für Geld abgefertigt zu werden" Ja, die von mir diskutierte Stelle könnte, isoliert betrachtet, so verstanden werden. Aber - wie gesagt - drum herum waren lauter warme Worte - oder anders gesagt: Der Bericht fiel positiv aus; nichts deutet in dem Bericht darauf hin, dass der Kunde den Eindruck hatte, die Kollegin habe den Kunden etwas von - vielleicht tatsächlich - nicht vorhandener Arbeitsbegeisterung bei der Arbeitsausführung spüren lassen.