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Weihnachten - das Fest der Liebe?

Ich gebe zu, ich habe ein zwiespältiges Verhältnis zu Weihnachten. Bereits in meiner ersten Ausbildung wurde das besinnliche Weihnachten meiner Kindheit jäh entzaubert - zum Vorschein kamen der Erwachsenenstress, faule Kompromisse und Konsum(terror) um jeden Preis. Trotzdem heißt es hartnäckig, Weihnachten sei das Fest der Liebe.

Ist das nun so oder nicht? Ein schwieriges Thema. Wenn ich jedoch in der Vorweihnachtszeit mit offenen Augen durch meine nun bunt geschmückte Welt laufe, verbinde ich nur bedingt Liebe mit diesem Fest, denn leider stehen doch bei vielen Menschen andere Dinge im Vordergrund.

Weihnachten ist gespickt mit vermeintlichen Verpflichtungen und Zwängen, man ist nicht offen und ehrlich zu seiner Umgebung, schließlich ist ja Weihnachten und da scheint so etwas tabu zu sein.
Warum sonst heißt es so oft: „ Ich MUSS für Onkel Helmut ja noch ein Geschenk kaufen." Wieso MUSS ich das, wenn ich Onkel Helmut sonst das ganze Jahr über aus dem Weg gehe, weil ich ihn nicht mag? Diese Friede, Freude, Eierkuchen-Heuchelei an Weihnachten macht doch eigentlich niemandem Spaß. Warum sind wir nicht ehrlich mit uns und anderen, und kaufen nur ein Geschenk für Menschen, die uns auch wirklich nahe stehen (und zwar im Herzen, und nicht nur im Stammbaum)? Dann hätten wir doch auch viel weniger Stress und mehr Freude an Weihnachten. Verwandte kann man sich nicht aussuchen, und wer sagt, dass man diese unbedingt lieben muss? Niemand – zumindest nicht an den 364 anderen Tagen im Jahr. Warum also dann ausgerechnet am 24. Dezember?

Bei Kindern spürt man die materielle Seite des Weihnachtsfests manchmal sehr deutlich: da kommt es weniger darauf an, dass Opa oder Tante zu Besuch kommen, Hauptsache sie bringen das gewünschte Geschenk mit – zur Not kann die Tante auch zu Hause bleiben und das Geschenk mit der Post schicken (dann kann man auch der Knuddelei und Küsserei aus dem Weg gehen, welche viele Kinder nicht mögen).

Weihnachten ist aus meiner Sicht eher ein Fest des Kommerzes als ein Fest der Liebe. Mit Besinnlichkeit hat das oft nur sehr wenig zu tun.
Zuerst stürzt man sich in die Hektik der Weihnachtseinkäufe, von denen bei Vielen nur ein kleiner Teil gern gemacht wird, der Rest sind Pflichteinkäufe.
Dann geht es weiter mit dem Weihnachtsessen, dass für viele Mütter Stress bedeutet, denn Weihnachten soll ja auch beim Essen etwas Besonderes sein. Und nach Weihnachten beginnt die Umtauscherei. In der ach so schönen Vorweihnachtszeit liegen die Nerven vieler so blank wie selten sonst im Jahr. Oft gibt's Stress und Streit, anschließend klingelt das Glöckchen, die Familie schluckt allen Ärger herunter und singt in gespielter Besinnlichkeit "Oh Du Fröhliche...". Schließlich ist ja Weihnachten.

Aus meiner Sicht gibt es drei Arten, mit der Weihnachtszeit umzugehen:
Die geschätzt größte Gruppe setzt sich den vermeintlichen Zwängen aus (Geschenke kaufen und dabei niemanden vergessen, Verwandte einladen oder besuchen usw.), machen gute Miene zum weihnachtlichen Spiel, man stößt doch an Weihnachten niemanden vor den Kopf, das gehört sich schließlich nicht! Herdentrieb rulez!
Gemurrt wird nur, wenn es niemand mitbekommt, und insgeheim ist man froh, wenn man Weihnachten hinter sich hat – zumindest das Meiste davon.
Die „Weihnachtsflüchtlinge“ umgehen mögliche Konflikte dadurch, dass sie Weihnachten einfach verreisen. Dann reduziert sich das Weihnachtspflichtprogramm darauf, dass man beim Schreiben der Weihnachtskarten niemanden vergessen hat und jedem eine Karte schreibt, mit dem man verwandt ist oder von dem man im Vorjahr eine Karte bekommen hat... im Zweifel kann man es immer noch auf die Post schieben.
Die dritte Gruppe lässt den ungeliebten Onkel Helmut auch an Weihnachten Onkel Helmut sein und beschenkt nur die Menschen, die einem wirklich am Herzen liegen – und das nicht nur an Weihnachten.

Was das Thema Nächstenliebe allgemein angeht: das ist auch so eine Sache. Alle Spendensammler – die seriösen wie die anderen – wissen genau, dass vielen Menschen der Geldbeutel in der Vorweihnachtszeit lockerer sitzt als zu anderen Zeiten. Die Briefkästen füllen sich mit Post gemeinnütziger Organisationen, die auf die Not notleidender Menschen, insbesondere in der "Dritten Welt", hinweisen – praktischerweise inklusive Überweisungsträger. Besonders Hartnäckige laufen auch von Tür zu Tür, in der Hoffnung, dass der Lichterglanz der Adventskerzen auch die Herzen der Menschen erweicht, denen z.B. hungernde Kinder in Afrika sonst das ganze Jahr über ziemlich egal sind. Aber an Weihnachten regt sich das schlechte Gewissen – man muss ja wenigstens ein Mal im Jahr ein wenig Nächstenliebe beweisen...

Aber irgendwie hungern diese Menschen doch nicht nur an Weihnachten, oder? Nächstenliebe sollte eher situationsbedingt sein als an ein Datum wie den 24.12. geknüpft: bei einem Unfall nicht weiterfahren oder nur gaffen, ganz gezielt und von Herzen spenden oder anderweitig helfen, wenn Katastrophen über die Menschen hereinbrechen, blut spenden, oder oder oder...

Die Welt könnte allgemein mehr Liebe vertragen. Liebe, die ehrlich gemeint ist und von Herzen kommt – und zwar an jedem Tag im Jahr und nicht nur an Weihnachten. Denn im Grunde hat das Eine mit dem Anderen nichts zu tun. Weihnachten ist nur so sehr das Fest der Liebe, wie man es selbst dazu macht.

ishtar1

Wow ein supertoller Blog ! Zurecht ein Top-Blog danke dafür ! @--)--- Konsum ? Dem bin ich immer schon erfolgreich entkommen und auch vom Weihnachtsstress habe ich mich befreit und Liebe bekomme ich ganz grossartige, wundervolle :-) Dazu gibts ein wundervolles, passendes Mantra ich höre es meistens von Deva Premal : "Lokah Samastah Sukhino Bhavantu, Sanskrit lokāḥ samastāḥ sukhino bhavantu लोकाः समस्ताः सुखिनो भवन्तु, ist ein Sanskrit Segensspruch und bedeutet: Mögen alle Wesen Glück und Harmonie erfahren. Loka heißt Welt. Samasta heißt verbunden, vereinigt, alle, im übertragenen Sinn steht Samasta auch für Harmonie. Sukha heißt Freude, Glück. Bhavantu heißt "sie mögen sein". Loka Samasta Sukhino Bhavantu heißt also: Mögen alle auf dieser Welt verbunden sein, in Harmonie sein und Glück erfahren. May all beeings be happy! May all my words, thoughts and actions contribute to the happiness of all beeings! @--)--- Und das nicht nur an Weihnachten!

13. Dec 2016Antworten

Ich danke euch und wünsche euch ein tolles 2017 :)

2. Jan 2017Antworten
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