Wo fängt BDSM an und wo hört „Vanilla“ auf
Ich habe mich dazu entschlossen, dieses Thema aufzugreifen, da ich in Gesprächen mit so genannten „Vanillas“ sehr oft damit konfrontiert werde.
Ihr findet ja unter „Was ist BDSM“ schon einen Artikel der quasi eine wissenschaftliche Abhandlung über das was BDSM ist.
Oft ist es ja so, dass BDSM als etwas verabscheuungswürdiges da gestellt wird.
Aber da kommt zum Tragen was leider sehr oft in den Medien gezeigt wird. Die peitschenschwingende Domina und die halb zu Tode gequälte Frau.
Aber und da ein ganz dickes Aber ist das wirklich das was BDSM ausmacht?
Nein denn BDSM in der Form, so wie ich es verstehe, bedarf einer Vertrauensbasis zwischen den Partnern, wie sie in sehr vielen „normalen“ Beziehungen nie erreicht werden wird.
BDSM ist ja bekanntlich eine sexuelle Praktik zwischen Menschen, und in ihr versteckt sind die unterschiedlichsten Varianten. Aber wo fängt BDSM nun wirklich an. Ich bin der Überzeugung das es keinen bestimmten Anfang oder besser gesagt keine feste Grenze zwischen „normalen“ Sex und BDSM gibt. Sondern das diese Grenzen fließend sind und das in vielen Beziehungen, in denen sich die Partner nie als BDSM’ler bezeichnen werden oder würden, bereits Varianten des BDSM praktiziert werden.
Voraussetzung dafür ist meiner Meinung nach, dass die Partner als erstes Anfangen offen über ihre sexuellen Bedürfnisse reden, was sehr oft ein Manko ist, denn viele, insbesondere Frauen, können dieses aus Schamgefühl nicht.
Aber da ist der Partner gefragt. Er muss dem anderen Partner das Gefühl geben, dass es Bestandteil einer Beziehung ist,
dass egal welche Fantasien vorhanden sind,
dass er Verständnis dafür aufbringt und dass er auch bereit ist neues auszuprobieren.
Natürlich ist es dabei wichtig das beide Partner diese Praktiken auch ausüben möchten, denn es bringt keinem auf Dauer die sexuelle Erfüllung, wenn einer nur etwas macht um den anderen zu gefallen.
Viele, wenn nicht sogar alle Frauen, wünschen sich, dass sie sich beim Sex einfach nur ihren Gefühlen hingeben können, sich fallen lassen können, und ihre Lust mit Seele und Körper genießen können.
Aber wie… wie soll das gehen, wenn ich vom Partner nicht weiß was er mag und was nicht??
Oft wird als Wunsch genannt, dass die Frau am Bett angebunden sein möchte, mit verbundenen Augen und so die Berührungen durch den Mann intensiv spüren möchte. Und das ist doch ein Bestandteil von BDSM, nämlich Fesselspiele oder in der weiterführenden Form Bondage.
Und gerade dieses gefesselt sein ist das, was viele schon als devot auslegen. Oh Schreck und Graus, ist jetzt jede Frau devot, die sich fesseln lassen möchte. Mit Sicherheit nicht, aber diese einfache Fesselspiele verlangen tiefes Vertrauen in den Partner. Und gerade das Verbinden der Augen mit einem Tuch oder ähnlichem, verlangt Vertrauen. Denn um sich fallen lassen zu können, muß man entspannt sein, und nur dann kann man Gefühle genießen, wenn keine psychische Anspannung vorhanden ist. Und damit sich eine Frau fallen lassen kann, muss sie ihrem Partner voll und ganz vertrauen
Bei diesen Fesselspielen ist die Frau ihrem Partner quasi ausgeliefert, denn was soll sie machen wenn sie gefesselt ist? Und ist es nicht so das ausgeliefert sein wollen ebenfalls schon das ist, was als Bestandteil von Devotheit gesehen wird? Und ist das was der Mann dann macht nicht schon Dominanz weil er der ausführende ist? Auch werden oft die Rollen in Partnerschaften vertauscht, dass beide sich jeweils fesseln lassen, dann könnte man ja schon fast von Switchen reden.
Viele Frauen mögen es auch wenn sie ab und an etwas härter angefasst werden und sei es nur mit einem Klaps auf den Po oder auch dass sie Dirty-Talk mögen, Denn für viel Frauen bedeutet das schon einen zusätzlichen Kick. All das sind Bestandteile von BDSM. Den Klaps auf den Po kann man ja schon als Flaggelation bezeichnen.
Bei der devoten Frau ist es so, dass oft eben diese oben genannten Varianten im Vordergrund stehen und dass sie ihr mehr Lustgewinn bringen als jede normale Stellung beim Sex. Insbesondere steht dabei das ausgeliefert sein im Vordergrund und das Wissen der Frau das der Mann durch seine Machtstellung, die er in diesem Moment über die Frau hat, die Kontrolle hat. Natürlich geht Devotion noch weiter, aber das sind eben die Anfänge. Der Weg über den viele Frauen zu BDSM gekommen sind.
Wie weit es geht und was man schließlich bereit ist auszuführen und zu praktizieren ist der Fantasie eines jeden Paares überlassen.
Von daher sehe ich es so, das nahezu jeder der eine ausgefülltes Sexualleben hat schon mal Praktiken ausgeübt hat die Bestandteil von BDSM sind.
Ich hoffe das dieser Beitrag ein wenig dazu führt, das BDSM-ler keine schlagenden Monster sind, oder auch keine willenlosen Frauen sind, sondern im Gegenteil sehr oft einfühlsame Menschen, die ihre sexuellen Fantasien auf besondere Weise ausleben.
Natürlich gibt es auch schwarze Schafe unter den BDSM-lern, aber diese gibt es leider Gottes auch in „normalen“ Beziehungen. Denn in einer gut funktionierenden Beziehung egal ob Vanilla oder BDSM passiert nur das, was beide Partner möchten und zulassen und eben dieses ist mit diesen schwarzen Schafen nicht möglich, weil dann ein Partner, meistens der Mann, seine Machtstellung (Dominanz) dazu ausnutzt seine Partnerin zu unterdrücken, und das ohne das es die Partnerin eigentlich möchte und dass er dadurch sehr viel Schaden anrichten kann.
Liebe Grüße an alle

