Wenn mich ein Kunde bucht steht eine neue Erfahrung an.
Jedes Mal ist es anders und jedes Mal ist bereichernd.
Ich begegne den unterschiedlichsten Menschen, begegne den unterschiedlichsten Männern.
Manche sind bestimmend und wollen das Geschehen führen.
Manche nehmen sich zurück und wollen gefallen.
Manche sind gesprächig und wollen gehört werden.
Andere wiederum sind neugierig und hören zu.
Manche sehnen sich nach Liebe.
Manche nach dem Ausleben sexueller Phantasien.
Oftmals ist es beides.
Und oftmals, wenn nicht immer, steht hinter jeder Erfahrung die man miteinander erlebt, der Wunsch sich verstanden zu fühlen. Einfach so angenommen und akzeptiert zu werden, wie man eben ist. Ohne Druck und Unbehagen etwas falsch zu machen, sich falsch zu verhalten, belächelt zu werden oder nicht gut genug zu sein. Sich sicher zu fühlen, in diesem Moment, in dieser Begegnung. Ganz gleich der Art des Gesprächs oder der sexuellen Interaktion, ist die Gemeinsamkeit aller Begegnungen, das Gefühl der Resonanz zu erleben, das miteinander in Beziehung treten zu können. Um im besten Fall, diese individuelle Erfahrung nicht nur machen zu können, sondern diese zu genießen. Als ein ganz normales Grundbedürnis eines jeden Menschen eben.
Doch warum ist dieses Grundbedürnis und der miteinhergehende Job so stigmatisiert?
Ist es die Einstellung der Gesamtgesellschaftlichen, vorherrschenden Meinung gegenüber Pay-Sex, dieser sei ...nunja? Was denn eigentlich? Moralisch verwerflich? gewalttätig gegenüber Frauen?
( Sicher, man muss zwischen Zwangsprostitution und frei gewählter Sexarbeit unterscheiden).
Ist nicht der Umgang mit diesem Job längst einer Generalüberholung fällig?
Stigmatisierung, Tabuisierung und die daraus resultierende Scham...fehlt hier die Aufklärung? Wäre es nicht Zeit für einen Wandel? Muss dieser aus der Politik heraus kommen?
Viele auftauchende Fragen...Viele Denkanstöße für kommende Blogeinträge...

Sehr schön geschrieben, EmmaLouise. Aus meiner Sicht kann ein gesellschaftlicher Wandel nur von der Basis kommen, von jedem einzelnen Menschen. Niemals von oben verordnet. Alles, was von oben verordnet wird, führt zur Gängelung und Entmündigung, weil es immer ideologisch besetzt ist. Es bedarf vielmehr einer Bewusstseinsentwicklung.
Wir befinden uns bereits im Wandel, der begann am 01.07.2017 und leider geht er zurück Richtung Mittelalter. Von einer aufgeklärten Gesellschaft oder vom 21. Jahrhundert fühle ich mich was die Prostitution betrifft Lichtjahre entfernt. Eines der Probleme ist, ihr habt keine Lobby, viele die eure Dienste in Anspruch nehmen sind verheiratet oder haben einen gesellschaftlichen Status, man munkelt es sollen auch Geistliche Und Politiker darunter sein. Tja, und von denen wird kaum einer öffentlich dazu stehen und sich für euch stark machen. Wie heißt es doch " Heute stehen wir am Abgrund, morgen sind wir einen Schritt weiter ". Aber es wird trotzdem weitergehen, nur nicht mehr so komfortabel wie es zur Zeit noch möglich ist.
Liebe EmmaLouise, auch ich finde, du hast das sehr schön geschrieben. Und du zeigst, dass du dir Gedanken darüber machst, welches individuelle Bedürfnis dein Gegenüber im Augenblick eures Zusammentreffens hat. Macht nicht jede/r, vermutlich weil es anstrengend und zeitaufwendig ist. Die Mühe wird aber nicht immer belohnt. :o) Zum Thema Sexarbeit: Gesellschaften sind immer im Wandel und dieser Wandel wird u.a. durch (geo)politische Ereignisse beeinflusst. Es ist also denkbar, dass eine Gesellschaft auf diesem Planeten auch mal Sexarbeit als ganz normal zur Deckung eines menschlichen Grundbedürfnisses gesehen wird. Ich denke aber eher nicht, dass wir Beide das noch erleben. Aber wer weiß… ;o)
@EmmaLouise - solange festgefahrene Gedankenmuster gegenüber Escorts und Prostituierten bestehen, wird sich nichts ändern. Die Gesellschaft ist einfach nicht bereit, es als das zu sehen, was es ist. Eine Dienstleistung, die man garnicht hoch genug bewerten kann. Was seid Ihr nicht alles: - Zuhörerin - Problemlöser - heimliche Geliebte - manchmal auch die Wilde und Unbezähmbare - das nette Mädchen von nebenan Ich denke, man könnte noch soviel Sachen hier aufführen. Du zeigst mit Deiner Einstellung aber genau das, was doch eigentlich alle hier suchen. Ein möglichst perfektes Date auf Augenhöhe. -
Wow! Das ist wirklich toll geschrieben. Die Stigmatisierung und die Vorurteile der Gesellschaft ist das Hauptproblem. Es gibt so viele tolle Menschen, die ich im P6 kennen lernen durfte, die das Herz an der richtigen Stelle haben. Einige diese Menschen würde ich mitlerweile sogar meine Freunde nennen.