Nach meinem letzten Blogpost erhielt ich bewegende Rückmeldungen von Menschen, die besondere Erfahrungen im Umgang mit Außenstehenden gemacht haben. Ich bin mir oft unsicher, ob ich jedem außerhalb eines Dates offenbaren möchte, was ich mache. Viele in unserer Situation bleiben still, verstecken ihr Leben und sind sprachlos. Einmal sah ich in einem Forum ein Bild einer Frau mit einem blauen Auge, die bei einem Date überfallen wurde. Sie konnte nur noch abreisen, vermutlich weil sie keine Arbeitserlaubnis hatte. Unterstützung für Menschen in der Sexarbeit ist selten, entgegen vieler Behauptungen.
So manche Realität ist nicht nur erschreckend, sondern kann auch eine Verschwendung von Erfahrung sein, wenn wir uns über unsere, auch normalen Erlebnisse nicht austauschen können. Wir müssen Rücksicht nehmen auf die, die uns eigentlich sowieso verachten, und über diese Verachtung schweigen oder isoliert leben, indem wir Kontakte oder Gespräche meiden, die nicht notwendig sind.
Für manche ist ein Satz wie 'Ich bin Escort' eine Aufforderung, jeden Anstand zu vergessen und uns zu verachten, zu verspotten oder übergriffig zu werden. Ich erinnere mich an ein Date, bei dem jemand sehr distanzlos war und sofort körperlichen Kontakt im Fahrstuhl quasi “ohne ein Hallo” suchte, mit einem seltsamen Tonfall. Normalerweise gibt es ein Kennenlernen und eine schrittweise Annäherung. Vor dem eigentlichen Akt ist es wichtig, den Rahmen abzustecken. Meist erkenne ich am Telefon, ob jemand freundlich und aufgeschlossen ist oder mich nur als Objekt sieht. Obwohl man meinen könnte, bei Paysex ginge es nur um körperliche Bedürfnisse, gibt es dennoch Grenzen. Ein Gleichgewicht zu finden, bei dem die Bedürfnisse und Grenzen aller Beteiligten berücksichtigt werden, ist essenziell. Meistens gelingt das eigentlich auch.
Manche Erfahrungen zeigen trotzdem, wie wichtig ein umfassendes Verständnis und eine größere Akzeptanz für Paysex sind. Es geht nicht nur um die Anerkennung von Grenzen, sondern auch um das Verständnis für emotionale und persönliche Aspekte, die damit einhergehen. Escort zu sein bedeutet nicht nur, körperliche Bedürfnisse zu erfüllen, sondern auch, mit Empathie und Verständnis auf die individuellen Wünsche des Gegenübers einzugehen. Sexarbeit in all ihren Facetten erfordert Erfahrung, gute Kommunikation und menschliche Wärme. Die Herausforderung besteht darin, einen respektvollen und wohlwollenden Raum zu schaffen, der weit über gängige Klischees und Vorurteile hinausgeht. In einer idealen Welt würden auch außenstehende Menschen erkennen, dass Paysex eine normale Form menschlicher Interaktion ist, die Achtung und Respekt verdient.

