Es gibt eine bemerkenswerte Gelassenheit, die sich einstellt, wenn man akzeptiert, dass viele Dienstleistungen und Güter jenseits des eigenen Budgets liegen – und dass das völlig in Ordnung ist. Nicht alles muss für jede*n erschwinglich sein, um legitim zu sein. Im Gegenteil: Die Vielfalt der Honorarebenen ist Ausdruck eines lebendigen Marktes, in dem unterschiedliche Bedürfnisse, Fähigkeiten und Wertvorstellungen aufeinandertreffen.
Was irritiert, ist nicht das Preisschild selbst, sondern die Empörung, die es oft auslöst. „Was? Warum so teuer? Was kannst du, was andere nicht können?“ Diese Fragen sind selten echte Fragen. Sie sind Vorwürfe, die sich als Neugier tarnen. Und sie sind schade, weil sie Gesprächsräume schließen, bevor sie sich öffnen können. Denn wer so fragt, sucht keine Erklärung, sondern Bestätigung der eigenen Vorstellung von Preis und Wert.
Dabei wäre es viel eleganter – und reifer –, die Tatsache zu feiern, dass es ein breites Spektrum gibt. Dass manche Menschen Dienstleistungen anbieten, die für bestimmte Zielgruppen geschaffen sind, und dass andere Angebote sich an andere Lebenslagen richten. Kein Urteil, kein Abwerten. Nur die schlichte Anerkennung, dass Vielfalt keine Provokation ist, sondern Bereicherung.
Der Markt darf alles aufbieten: vom Einfachen bis zum Exquisiten, vom Alltäglichen bis zum Außergewöhnlichen. Und wir dürfen uns erlauben, manches zu bewundern, manches zu nutzen und manches einfach vorbeiziehen zu lassen – ohne Groll, ohne Misstrauen, ohne das Bedürfnis, Preise zu rechtfertigen oder zu verurteilen.
Wer so denkt, kultiviert eine Haltung, die nicht nur großzügig ist, sondern auch frei.


Chapeau! Treffender kann man nicht beschreiben, warum diese immer wiederkehrenden Preisdiskussionen nicht nur völlig überflüssig sind, sondern manchmal einfach nur peinlich.
Wieder einmal sehr gut auf den Punkt gebracht. 'Die Fragen' sind aus meiner Sicht auch Zeichen eigener Unsicherheit und Entscheidungsunfähigkeit. Denn viele könnten sich das vermutlich schon leisten, nur halt eben seltener. Und dann nagt diese Angst ob es sich lohnt. Und statt das zuallererst einmal mit sich selbst zu klären, wird versucht es auf die andere Seite zu verlagern. Und die vorhersehbare Erfolglosigkeit dieses Vorgehens wird anschliessend zum 'ich hab's doch gleich gewusst'.
Ich finde Deinen Beitrag hervorragend und richtig. Lustigerweise verbindest du allerdings nach meinem Gefühl auch ein Stück weit Preis mit Qualität. Zumindest interpretiere ich deine Formulierung "vom Einfachen bis zum Exquisiten" ein Stück weit so. Und genau daran hängt so manche Diskussion auf. Denn manchmal stimmt es, aber manchmal eben auch nicht. Nach meiner persönlichen Erfahrung nur in rd. 50% der Fälle.
Stichwort Narzissmus... Diese Männer sind oft problematisch.... Vor allem wenn es um die Freiheit geht, als Frau den Preis eigenständig festzulegen
Man muss halt wissen, was man möchte - entspricht es meinen Erwartungen und Preisvorstellungen ist alles ok, wenn nicht, der Markt ist groß und man muss sich halt anderweitig umschauen, so einfach ist es.