Über den/die Autor*in
MelKingPoint
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49 Jahre, Frau, Heterosexuell
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Fast Forward

In letzter Zeit fällt mir auf, dass ich nach meinen Verabredungen manchmal noch etwas unter Strom stehe. Selbst wenn ich erst nach Mitternacht nach Hause komme und eigentlich schon müde bin, fällt mir das Einschlafen schwer, und ich fühle mich wie aufgekratzt. Dann höre ich Musik. Diese Unruhe legt sich erst nach einer Stunde oder so. Zudem benötige ich deutlich mehr Ruhephasen als früher. Es ist mir ein Rätsel, wie andere es schaffen, zahlreiche Dates am Tag zu meistern. Für mich wäre das schlichtweg zu anstrengend. Mir ist es wichtig, dass diese Verabredungen Freude bereiten und nicht bloß einer Pflichtübung gleichen.


Ich bin wahrscheinlich ein wenig eitel. So könnte ich es nicht ertragen, wenn man mir ansieht oder anmerkt, dass ich im Paysex bin. Mir ist bei anderen Frauen früher aufgefallen, dass sie irgendwie anders auf mich wirken, wenn diese seit Jahren diese Tätigkeit ausüben. Wie soll ich das beschreiben? Manche wirken, als würden sie sich selbst vernachlässigen. Andere nehmen ganz bestimmt irgendwelche Hilfsmittel zu sich oder werden unleidig. Das möchte ich für mich selbst gerne vermeiden und deshalb trage ich sehr viel Sorgfalt mit mir.


Ich betrachte den Mann, den ich treffe, nicht als ein Tagwerk. Jedes Mal strebe ich danach, eine menschliche Begegnung auf Augenhöhe zu erleben, was mal besser und mal schlechter gelingt. Der Preis, den ich für diesen Ansatz bezahle, ist, dass ich mich immer ein Stück weit öffne. Die Unvorhersehbarkeit menschlichen Verhaltens lässt eine detaillierte Planung dieser Begegnungen jedoch nicht zu. Doch gerade bei Paydates scheint es, als würde man sich im Schnelldurchlauf kennenlernen und erleben, was eine ganz eigene Intensität mit sich bringt. Und selbst wenn das Date perfekt war, dann wird es schnell zu Ende gehen, man wird sich unter Umständen nie wiedersehen, und der nächste Mann ist nur einen Wimpernschlag entfernt.


Meine Erfahrungen haben mich gelehrt, vorsichtig zu sein, wenn jemand behauptet, besonders unkompliziert zu sein – oft trifft eher das Gegenteil zu. Besonders herausfordernd sind jene Begegnungen mit wenig kommunikativen Männern. Dies ist der Hauptgrund, warum ich keine längeren Dates mehr anbiete. Es ist frustrierend, für zwei Stunden gebucht zu werden, wenn nach 30 Minuten gefühlt alles Wesentliche gesagt und erlebt wurde. In solchen Momenten fühlte ich mich wie eine Alleinunterhalterin. Interessant ist vielleicht auch, dass bei diesen Dates wenig oder meistens gar kein Alkohol im Spiel ist. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal bei so einem Date etwas außer Wasser getrunken habe. Vorgestern hat mir jemand eine köstliche Süßigkeit angeboten, eine zuckersüße, weiche Lakritze im Schokomantel. Leider hatte ich später eine kleine allergische Reaktion. Ich vertrage irgendwie gar nichts. Und deshalb halte ich mich zurück.


Wenn ich jemanden häufiger oder gar langjährig treffe, werden diese Begegnungen tiefer. Eine formelle Distanz in solchen Fällen aufrechtzuerhalten, käme mir seltsam vor. Ich hinterfrage den Begriff „professionell“ im Kontext von Paysex. Professionelles Verhalten suggeriert Distanz, während ich in die intimste Privatsphäre eines anderen eindringe. Diese Intimität authentisch zu leben, ohne in eine Rolle zu schlüpfen, die mir fremd ist, erscheint mir essenziell.


Letztendlich ist es mein Ziel, jede Begegnung als etwas Besonderes  zu sehen – sowohl für mich als auch für die Person, die ich treffe. Dabei ist es entscheidend, authentisch zu bleiben und gleichzeitig eine gesunde Distanz zu wahren, die es mir erlaubt, meine Energie zu schützen. Ich trage dem insofern Rechnung, als dass ich nicht besuchbar bin, Dates auch ablehne, mich auch abgrenzen kann, wenn es mir zu viel wird, und auch bei diesen Paydates meine eigenen Bedürfnisse und Grenzen deutlich mache. Durch diese bewusste Herangehensweise hoffe ich, sowohl die Freude an meinem Dasein als Escort zu erhalten als auch einen nachhaltigen Umgang mit meinen eigenen Ressourcen zu finden.

Liebe Mel, ich danke dir für diesen nachdenklichen und doch in der Gesamtaussage positiven Blog. Und wenn du dann schreibst: "...offe ich, sowohl die Freude an meinem Dasein als Escort zu erhalten als auch einen nachhaltigen Umgang mit meinen eigenen Ressourcen zu finden," dann wünsche ich dir dabei auch weiterhin viel Erfolg. Und bitte glaube mir: Mir als "Kunde" gehr es in vielerelei Hinsicht ebenso wie dir. Ein schönes gelungenes Date wirkt auch mir noch einige Zeit nach. Und sollten wir einander mal begegnen, dann weiß ich ja nun, dass ich dir besser keine Lakritze im Schokomantel anbiete. :)

24. FebAntworten
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