Einleitung:
Ich habe mir heute auf Youtube den Vortrag von Dr Ziegler über Foucault angehört, wärend ich Malen nach Zahlen gemacht habe :D und dachte mir so: Warum meine Gedanken zu dem Vortrag nicht in einem Blog teilen? Vielleicht hat der ein oder andere Lust mitzudenken und gibt mir noch andere Ideen bzw Gedankenimpulse.
Historischer Hintergrund:
Foucault war ein französischer Philosoph des 20 Jahrhunderts und hat sich mit den Themen Wissen, Macht, Wahrheit und auch der Entstehung gesellschaftlicher Normen befasst.
Hierbei bin bei dem Thema "Beobachtungseffekt" hängengeblieben.
Als Beispiel hat er einen Gefängnisentwurf aus dem 18 Jahrhundert genommen.
Dabei sollen die Insasen denken, dass sie jederzeit von Wärtern beobachtet und damit überwacht werden könnten. Sie können die Wärter nicht sehen, aber die Wärter können sie sehen. Dadurch verhalten sich die Gefangenen automatisch besser, da sie beobachtet werden könnten.
Meine Gedanken:
1. Daraufhin habe ich mich gefragt warum das eigentlich so ist?
Es stimmt, dass sowas existiert. Wenn wir zum Beispiel Besuch bekommen, räumen wir unsere Wohnung vorher auf und wollen nicht, dass andere unser Chaos sehen oder verhalten uns vielleicht besser vor jemanden den wir nicht so gut kennen als vor jemandem den wir gut kennen.
Antwort auf die Frage ist schlicht und einfach: Wir sind soziale Wesen und können ohne andere Menschen nicht leben und sogar überleben. Wir haben schon immer in Gemeinschaft gelebt.
2. Dann habe ich mich gefragt, ob man diesen Beobachtungseffekt für sich nutzen kann und in wie weit das wirkungsvoll ist?
Meine Überlegung: Wenn man sich an die Überwachung bzw daran gewöhnt beobachtet zu werden, gewöhnt man sich nicht irgendwann daran und lässt dann dieser Effekt nicht nach?
Beispiel: Beziehungen... Am Anfang will man sich immer von der besten Seite zeigen, doch je länger man zusammen ist bzw oft wenn man erst zusammenzieht, zeigen sich negative Verhaltensweisen beim Partner, die man vorher vielleicht nicht bemerkt hat. Man hockt aufeinander und gewöhnt sich daran, dass der Partner/in da ist und einen "beobachtet".
3. Dann habe ich weiter gedacht: Könnte ich diesen Effekt für mich nutzen um zum Beispiel positive Gewohnheiten aufzubauen oder ganz im Gegenteil, sollte ich aufpassen, dass die Veränderung nicht aus dem Beobachtungseffekt heraus geschiet?
Zum Beispiel rein hypotetisch könnte ich Kameras in meine Wohnung hängen und eine Freundin bitten immer mal wieder drauf zu schauen ob ich ordentlich bin und die Wohnung sauber ist. Ziel wäre es ordentlicher zu werden und ich könnte den Beobachtungseffekt nutzen um das Putzen zur Gewohnheit werden zu lassen. Doch funktioniert es dann noch wenn ich mich daran gewöhne und was ist, wenn ich die Kameras abnehme? Werde ich dann immernoch ordentlich danach sein?
Oder genau das Gegenteil: Sollte ich mir vornehmen zum Beispiel über einen Zeitraum von drei Monaten keinen Besuch zu bekommen und eine noch stärkere Disziplin aufbringen um ordentlicher zu werden, damit der Beobachtungseffekt erst gar nicht einsetzt und ich dadurch unabhängig von anderen Faktoren die Gewohnheit aufbaue und aufrechterhalte?
Schluss:
Foucault hat den Beobachtungseffekt und die Gesellschaft kritisiert. Er meinte, dass es der modernen Zeit angehört, dass wir alles und jeden "wegsperren", der nicht in die Norm passt, während es früher akzeptiert war bisschen verrückt zu sein. Auch heute möchte man alle Menschen möglichst in die Norm schieben und jeder passt auf, dass er ja nicht unnormal nach außen wirkt. Den Beobachtungseffekt zu nutzen, scheint ein Mittel der modernen Gesellschaft zu sein.
Hier wähle ich persönlich einen dialektischen Ansatz bzw den Mittelweg. Einerseits sollte man sich in die Gesellschaft integrieren auch um glücklich zu sein und damit es einem gut geht, aber man sollte sich genauso seine Individualität bewahren. Es scheint ein Balanceakt zwischen Beidem zu sein.


Es ist eine Frage der Selbstwahrnehmung und und des Selbstwertgefühls, der Sicherheit, der Bedeutung oder der Bedeutungslosigkeit, die den Beobachtungseffekt ausmacht. Wer in sich ruht und mit sich im Reinen ist, kann tun, was ihr/ihm beliebt, wenn es nicht zu verrückt ist. Dann ist es einfach authentisch und wird auch genau so wahrgenommen. Menschen abseits dieser Handlungsweise halten es uU. für schrullig oder abgefahren, für unsinnig oder crazy, akzeptieren es aber, weil es die Person ausmacht und zu ihr passt. Lerne dich selbst kennen, tue, was dir gut tut, mache aus deinen Möglichkeiten das individuell Beste, gehe menschliche Kontakte ein und lerne von den Fehlern anderer, entwickle deine Emotion genauso wie deine Kognition und deine Geschicklichkeit. Vermeide zuviele Laster, die dich in deiner Entwicklung bremsen. Gehe irgendwann in der Überzeugung, nichts verpasst zu haben und aus deinen Möglichkeiten etwas Gutes gemacht zu haben. Hinterlasse Menschen, die dich vermissen, weil du die bist und warst, die dich ausgemacht hat....