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Skizze vom Escort-sein

Sexarbeit zwischen Privileg und Vorurteil

Ein Perspektivwechsel


Immer wieder stoße ich auf unglaubliche Vorurteile, die im öffentlichen Bild das Wesen von Sexarbeit zeichnen. Diese abenteuerlichen Vorstellungen münden oft in einer regelrechten Entmenschlichung von Escorts. Ich frage mich manchmal, warum Außenstehende nicht öfter ihr Gehirn einschalten, wenn ich sie reden höre. Denn Sexarbeit wäre nicht möglich, wenn Männer beim Akt den Eindruck hätten, dass da irgendwas nicht freiwillig wäre.


Häufig wird Escorts die nicht für diese negativen Vorurteile stehen,  dann ein Privileg zugeschrieben, und dabei auf deren Alter, deren umfassende Sprachkenntnisse oder auch eine höhere Bildung hingewiesen und diese dann als Ausnahmeerscheinung ausgeklammert. Im gleichen Atemzug wird dann argument, dass andere “normale” Sexarbeitende ausgebeutet würden oder "ganz einfach" die Gesamtheit der Sexworker "nicht ganz klar im Kopf" seien und wer weiß was erlebt haben. Der Begriff Trauma fällt dann auch oft. Aber ich glaube, es geht eher darum die Masse von einer sehr exklusiven Hexenjagd auszuschließen. Dann frage ich mich auch manchmal, wo in dieser ganzen Diskussion rund um das sogenannte Nordische Modell die sexarbeitenden Männer bleiben. Die werden in allen Zuweisungen und Fremdbetrachtungen häufig oder eigentlich immerzu ausgespart. 


Es ist schon besorgniserregend, wie Sexarbeiterinnen – man kann auch sagen, wie Frauen – in der Öffentlichkeit von anderen nicht beteiligten Frauen dargestellt und bloßgestellt werden, insbesondere auch im Vergleich zu wiederum nicht-sexarbeitenden Frauen, die sich dann auch mal etwas sexuell hedonistisch verhalten. Denen wird dann nämlich auch gerne mal nachgesagt, dass sie sich “wie Huren” verhalten würden. Und das meint man dann vermutlich selten als Kompliment.


Ich möchte an dieser Stelle einmal mit ein paar häufigen Missverständnis aufräumen und versuchen Gegenpositionen aufzuzeigen:


Ja, es gibt toxische Beziehungen und unangenehme Stories, wie sich Männer und Frauen gegenseitig behandeln und dazu muss man in kein Bordell gehen oder Escort sein, sondern das findet man in vielen ganz durchschnittlichen Ehen. Der Unterschied zwischen einer toxischen Beziehung und der Sexarbeit ist ig: Mit den Männern, die ich treffe, unterhalte ich keine klassische Beziehung, wie sie zwischen Menschen, die sich kennen- und lieben lernen, üblich ist. Die Beziehung oder besser Verbindung zu einem Mann, der mich als Escort trifft, kann zwar enger und vertrauter werden, sie ist jedoch nicht romantisch oder toxisch vorbelastet. Die Verbindung im Rahmen der Sexarbeit ist rein erotisch und frei von den üblichen Konfliktpotentialen.


Als Escort muss ich mich nicht in einen "anderen Zustand" beamen oder mein eigenes Bewusstsein ausschalten. Ich erlebe keine Ausbeutung, aber ich erlebe, dass Sexarbeitende gesellschaftlich oft marginalisiert werden. Über uns wird gesprochen, ohne dass wir zu Wort kommen. Negative Stereotype dominieren die öffentliche Wahrnehmung, während die positiven Aspekte unserer Kontexte (wie Making Love, andere Menschen in ihren Bedürfnissen aufzufangen etc.) ignoriert werden. Das hat glaube ich auch etwas damit zu tun, wie Sexarbeit in Filmen und Dokus aufgearbeitet wird: meistens negativ und nicht ganz integer. Die Realität ist eine andere. Man muss schon genau wissen was man will und muss damit klar kommen, dass man sich wahrscheinlich wenig Freunde macht. 


Ich glaube, dass es kein Privileg sein sollte, mit dem Mann, den man trifft die gleiche Sprache zu sprechen, sondern eine wichtige Grundbedingung. Wenn diese aber nicht erfüllt ist, dann kann man nicht allen Sexarbeitenden einen Vorwurf daraus machen.


Das sind jetzt nur ein paar Gedanken. Weitere Aspekte zu diesem Thema diskue ich auch in meinem letzten Blog Stimme der Freiheit, in dem ich mich gegen ein Sexkaufverbot ausspreche.

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