Warum Hurentage Tage ohne Huren sind
Wer kennt sie nicht, die Tante oder Nachbarin, die nebenbei ein paar Euro als Hobbyhure bekommt und sich dann manchmal etwas gönnen kann. Man trifft sie an Weihnachten oder besucht sie an ihrem Geburtstag und plaudert mit ihr über ihre spannenden Erlebnisse.
Spaß beiseite. Menschen im Paysex leben in einer Tabuzone. Man kennt sie nicht, man spricht mit ihnen nicht und man sieht sie im Idealfall auch nicht.
Aber manche Menschen gehen noch ein paar Schritte weiter und haben den 5. Oktober zum „Tag gegen Prostitution“ erklärt.
Es gibt mittlerweile viele dieser Tage für oder gegen Prostitution, für Sexarbeit oder für das Nordische Modell.
Was alle diese Tage gemeinsam haben? Sie haben mit den Sexarbeitenden selbst meist nur am Rande zu tun. In Wahrheit geht es den jeweiligen Interessengruppen um die medienwirksame Profilierung eigener Positionen, die von der echten Realität der Sexarbeit meilenweit entfernt sind.
Das fängt schon bei den Begriffen an, die völlig ungenau, verstaubt mit etwas Igitt genutzt werden. Worum geht es eigentlich wirklich? Um ein anderes Männerbild? Um Frauenrechte? Um eine gerechte Welt? Oder um das Thema Ausbeutung?
Eines kann man vorwegnehmen: Niemand wird Sexarbeit oder Prostitution jemals einfach so abschaffen oder verbieten können.
Was stattdessen passiert: Im angeblichen „Kampf gegen das Nordische Modell“ stecken primär die Interessen von denen, die gerne die Hand ohne Sexarbeit aufhalten. Das mögen diese gut finden und die anderen kritisch sehen. Aber um die einfache „Feld-, Wald- und Wiesenhure“ geht es dabei jedenfalls nicht.
Was aber auch auf der Seite der Prostitutionsgegner nicht passiert: Dass Frauen aus diesem Kontext wirklich in die Mitte genommen werden. Weder einzelne Aktionsgruppen noch die Gesellschaft als Ganzes interessieren sich persönlich für diese Menschen oder setzen sich echt für sie ein. Wenn das doch geschieht, ist es in der Praxis kaum wahrnehmbar. Aber mal ganz ehrlich? Wo sind denn die Ausstiegsprogramme und wer hat eine Kollegin, die früher Hure war?
Frauen in der Sexarbeit müssen sich nach wie vor verstecken. Sie sind de facto rechtlos, riskieren massive Probleme im sozialen Nahraum und leben prekär ganz ähnlich wie viele andere Randgruppen in unserer Gesellschaft. Wenn man sich auf der Metaebene nur für ein einfaches Schwarz-Weiß-Denken aus Pro und Contra interessiert, macht man es sich viel zu leicht und geht blind an der Lebensrealität von Huren völlig vorüber.
Zurück bleibt eine bittere Erkenntnis: Ein pauschaler Kampf gegen Prostitution richtet sich am Ende gegen die bloße Existenz von Menschen, die ohnehin kaum Handlungsspielräume haben.
Dabei wäre der erste Schritt ganz einfach. Aber mich und andere Betroffene fragt keiner.
Die Lautsprecher im Kampf gegen das Nordische Modell sind hierin genau wie dessen Befürworter: völlig blind für die Menschen, um die es eigentlich gehen sollte.
