Nach 10 Jahren Arbeit als u.a. Sexualtherapeutin ist eines klar:
Wir haben alle die gleichen Wunden.
Und versuchen damit so gut umzugehen, wie wir können.
Die meisten tun so, als hätten sie die Wunden nicht und machen das beste aus dem limitierten Erfahrungsraum, der möglich ist, wenn man sich seinen Wunden nicht in der Tiefe widmet - Und wer darin Zufriedenheit und Erfüllung findet, mega. :)
Die meisten von denen sind nicht zufrieden und erfüllt, aber das ist noch zu schwer in Erwägung zu ziehen, deswegen machen sie weiterhin das beste draus und tun so, als wären sie sexuell befreit.
Diese Menschen zB sehen so aus, als wären sie selbstbewusst, selbstbestimmt, offen und wüssten genau was sie wollen und wie sie es bekommen. So eine war ich übrigens auch ;)
Und zu ihnen auf schauen diejenigen, die ehrlicher mit sich selbst sind.
Die, die zugeben können oder vom Leben gezwungen werden zuzugeben, dass sie verwundet sind, wenn es um Intimität, Sexualität, Verbindung, Liebe und die Beziehung zum eigenen Körper oder der eigenen Kommunikation geht.
Also fühlen sich die, die am ehrlichsten mit sich selbst und ihren Wunden sind, schlecht, weil sie denken, die anderen hättens raus.
Dabei ist es ein Missverständnis.
Zuzugeben, dass es einem nicht sonderlich gut geht, dass man Ängste und Unsicherheiten hat, dass man sich mehr vom Leben wünscht als bereits erfahrbar, ist eine riesige Stärke.
Erst recht für Männer, denen ein anderes Verhaltensmodel vorgelebt wird, in denen bloß keine Schwäche oder Unsicherheit gezeigt werden darf.
Aber wenn man zusammen tiefer geht und das habe ich in Coaching Gruppen, Retreats, Workshops oder in Gesprächen mit Ex-Partnern oder engen Freunden erlebt... Dann trauen wir uns Stück für Stück, uns zu öffnen und die Masken fallen zu lassen.
Für mich war es einer der herausforderndsten Prozesse meines Lebens und ist es immernoch, die Maske der Performance, des halb echten Selbstbewusstseins, der antrainierten Sinnlichkeit, statt der wirklich erlebten, der Lust aus dem konditionierten Verstand, statt meinem Innersten, loszulassen und mir selbst und anderen in meiner Sexualität und meiner Weiblichkeit wahrhaftig zu begegnen.
Es ist so viel einfacher, sexy, frei und sinnlich Jananda zu sein und die eine Seite der Wahrheit zu präsentieren, aber nicht die andere. Die verwundbare. Die menschliche und zutiefst wichtige.
Aber wann immer Menschen sich trauen, sich ohne diese Masken zu zeigen... Entsteht Heilung.
Denn wenn jeder verwundet ist... Dann ist mit niemandem etwas nicht in Ordnung.
Dann befinden wir uns in dem Zeugnis eines Fehlers im System, nicht eines Fehlers in dir oder mir.
Dann finden wir uns wieder zurück im Ursprung, als verwundete Kinder, die sich aus dem pursten Teil in sich Verbindung wünschen und nicht wissen, wie.
Die sich Echtheit wünschen, aber Fakeness gelehrt bekommen haben.
Ehrlichkeit wollen, aber Zurückhaltung gelernt haben.
Leidenschaft wollen, aber Druckabbau antrainiert bekommen haben.
Ihr Herz fühlen wollen, aber angst haben, verletzt zu werden.
Ihren Körper wieder spüren wollen, aber nicht wissen wie.
Die ganze Palette der Sinnlichkeit und Lust und Ekstase erleben wollen, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen.
Die gewählt werden möchten, aber angst haben, abgelehnt zu werden.
Die wissen, dass Sex über den Verstand und Körper hinausgeht, aber angst haben, was sie in dem Raum außerhalb davon erwartet.
Und dann...
Sitzen wir alle im selben Boot.
Und wenn wir alle im selben Boot sitzen...
Kommen wir da auch nur gemeinsam raus.
Wenn du es schon fühlst...
Und du dich auf den Weg machen möchtest...
Wenn du es schon zugeben kannst...
Und dieser Text dich bewegt...
Schreib mir.
Ich hab mich auf den Weg gemacht...
Und ich nehm dich gerne ein Stück des Weges mit. ♥

Liebe Jana, bitte entschuldige wenn ich Deinen Text kurz außen vor lasse (obwohl sehr interessant), aber ich kann Dein Blog nicht verlassen ohne Dir zu sagen, dass Du hier ein wirklich ganz außergewöhnlich sympathisches Foto von Dir ausgewählt hast. Das stimmt total positiv - Danke!
Deine Worte berühren etwas, das sich kaum in einfache Sätze fassen lässt. Vielleicht, weil sie nicht nur von Wunden erzählen, sondern von dem Mut, sie nicht länger hinter Stärke, Selbstbewusstsein oder Sinnlichkeit zu verstecken. Diese Ehrlichkeit ist selten, und auf eine ganz eigene Weise wunderschön. Ich glaube, wahre Nähe entsteht genau dort: nicht in der perfekten Inszenierung, sondern in den Momenten, in denen zwei Menschen ihre Masken für einen Augenblick ablegen und sich wirklich sehen. Mit all ihrer Sehnsucht, ihrer Unsicherheit, ihrer Kraft und ihrer Zartheit. Dein Text hat mich nicht nur bewegt, sondern auch neugierig auf die Frau gemacht, die sich hinter diesen Worten zeigt. Auf ihren Weg, ihre Tiefe und auf das, was entsteht, wenn man sich ohne Erwartungen, aber mit offenem Herzen begegnet. Vielleicht sitzen wir tatsächlich alle im selben Boot. Und vielleicht begegnet man manchen Menschen genau deshalb, um sich für ein Stück des Weges nicht mehr ganz so allein zu fühlen. ♥