Dieses Jahr bringt mir der Advent eine Erkenntnis:
Ich verliere Unterhöschen. Viele. Teuere.
Meine Schubladen werden leerer.
Es begann alles vor einem Jahr — bei einem meiner allerersten Dates.
Damals, als ich noch dachte, dass ICH das Problem sei.
Dass ich zu chaotisch und zu vergesslich sei.
Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen:
Schönes Hotel.
Gedämpftes Licht.
Leise Teppiche, die alles verschlucken außer die Erwartungen.
Und ich — so bemüht, so gespannt, zu nervös damals , zu perfektionistisch . .
Definitiv MIT Unterhose.
Eine, die ich zum ersten Mal trug und stolz vorführen wollte:
schwarze französische Spitze.
So zart. So scharf.
Sie knisterte jedes Mal, wenn ich atmete – als wäre sie selbst leicht erregt.
160 Euro.
Das Date war nett.
Der Abend war elegant.
Ich fuhr mit perfekt zerzausten Friseur nach Hause .
Dort öffne ich meinen Wäschebeutel…
Ein Griff.
Nichts.
Ich wühle.
Ich schüttle.
Ich halte das Ding kopfüber —
nichts.
Sie ist weg.
Französische.
Schwarze.
160-Euro.
Weg.
Es war mein zweiter Set. Zum ersten Mal angezogen. unvorstellbar teuer damals für mich. Ich könnte heulen .
Meine Freundin, meine anvertraute sagte trocken :
„Wer Unterhosen verliert, wird kein Profi. Aus dir schon gar nicht.“
Ich schluckte, ich wollte kurz weinen und dachte:
Vielleicht hat sie recht. Vielleicht verliere ich mich manchmal. Aber gut – dann nie ohne guten Grund.
Am nächsten Morgen rief ich - so herrlich naiv wie ich damals war das Hotel an —
Ich muss heute noch über mich selbst lachen,
als ich diesen Satz sagte:
„Guten Morgen… ich hatte gestern Zimmer 417…
ja, auf den Namen von Herrn XY.
ich habe dort etwas vergessen. meine Unterhose.“
Und dann, als ich die Absurdität meiner eigenen Worte begriff, fügte ich stockend hinzu:
„…sie hat einen emotionalen Wert.“
(Stimmt sogar. Mit Wert.)
Stille.
„Schwarz. Spitze. Seidenband. Swarovski Steinchen.
Haben Sie die gefunden?“
Irritierte Stille.
Dann:
„ Bitte Ihre Email Adresse . wir melden uns .“
Ich schrieb Mails.
Folge-Mails.
Nichts.
Ich erzählte es sogar dem Mann —
nicht vorwurfsvoll,
sondern aus purer Verzweiflung und Verlusttrauen.
Er lachte und schenkte mir daraufhin ein neues.
Ziemlich schnell.
Ein edles Stück.
Damals dachte ich:
Wie aufmerksam!
Heute denke ich:
Wie verdächtig .
Denn mit der Zeit, mit mehr Dates,
mehr Experiment, mehr Erfahrung,
wurde mir klar:
Nicht ich bin der Saust…
ihr seid die Sammler!
Nicht verloren.
Nicht vergessen.
Mitgenommen.
Ein Souvenir.
Eine Trophäe.
Manche Männer sammeln Weine.
Andere Uhren.
Und einige offenbar…
nun ja….
Irgendwie muss ich aber mit dieser Tatsache leben.
Also, das Wichtigste : Betriebskostendeckung.
Ganz trocken. Ganz unsexy. Ich hasse diese Excel Realität – aber wo sonst bekomme ich so gutes Essen?
Denn so glamourös französische Spitze auch raschelt – am Ende sitze ich da und habe folgende Handlungsoptionen:
1. Betriebsausgabe?
Kann ich das einfach steuerlich geltend machen?
Kreativ, mutig, definitiv strafbar.
2. Preise erhöhen oder Schwund einkalkulieren?
Luxusschaden als Pauschale.
3. Kosten reduzieren?
– günstigere Unterwäsche tragen (ein sofortiges Nein),
oder
– gar keine mehr tragen (die radikalste, aber eindeutig effizienteste Lösung).
Ich grübelte — bis mir ein Gedanke kam.
Ein weihnachtlicher, hedonistische Gedanke:
Wenn das Leben mir Schwund schenkt,
mache ich eben eine Advent Aktion daraus.
Voilà: ADVENTS-SPEZIAL –
Bei jedem Date:
– ein Glas vorgekühlter Champagner
kalt, luxuriös, zweideutig- ihr dürft die Farbe wählen!
und ein Höschen
warm, luxuriös, zweideutig-
Ihr dürft die Farbe wählen ! —
wobei ..hier .nein.
Der Stil bleibt meiner.Überlasst mir die Farbe - surprise.
Und An alle, die bereits ein Stück meiner Kollektion besitzen:
Bitte händisch (!) und kalt waschen.
Nicht in den Trockner.
Man hat ja Stil.

