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Metamorphosen

Wer mich schon länger kennt durfte dieses Jahr die eine oder andere Überraschung erleben.


Vor Corona war ich eher der typische Öko und kam meistens in Wanderschuhen und Schlabberlook zum Date. Äußerlichkeiten waren mir egal, wichtig war mir einzig und allein das Zwischenmenschliche. So habe ich sehr schöne Bekanntschaften gemacht und mich mit denen, die ich besucht habe, stets wohl gefühlt, denn ich hatte nie den Eindruck, auf mein äußere Erscheinung reduziert zu werden. Diese Einstellung funktionierte für mich so gut, dass sie irgendwann fast schon ein Lebensprinzip wurde. Aber Prinzipien, die wir nicht hinterfragen, hindern uns daran, uns weiter zu entwickeln.


In letzter Zeit ist meine Verachtung für konventionelle Schönheit nach und nach einer neu gefundenen Wertschätzung gewichen. Es macht mir mittlerweile Freude, mit Bedacht Kleidungsstücke auszuwählen, die meinen Formen schmeicheln und farblich halbwegs aufeinander abgestimmt sind. Und mein langes Haar ist mir zu schade, um es einfach nur in einem Dutt zu verstauen.


Das Ganze fing im Lockdown Ende letzten Jahres an. Da war dieses wunderschöne Paar Schuhe, das ich mir gekauft hatte. Leider konnte ich es nicht tragen. Da man nur noch zum Spazierengehen oder zum Einkaufen das Haus verließ, wäre es schade um das hübsche Schuhwerk gewesen, es bei einer solch mondänen Aktivität schmutzig zu machen. Nach monatelangem Herumgammeln in Jogginghose wuchs in mir langsam das Bedürfnis heran, mal wieder was Schönes anzuziehen, unter Menschen zu gehen und gesehen zu werden. Da das aufgrund von Corona nicht möglich war experimentierte ich in dieser Zeit stattdessen beim Fotografieren. Einigen mag aufgefallen sein, dass sich meine Bildergalerien mit Aufnahmen von mir in für mich bisher untypischer Verspieltheit füllten. Ich glaube, ich habe damals die halbe Kollektion eines französischen Lingerie-Labels gekauft, in deren Designs ich nach wie vor verliebt bin.


Als ich dann im Frühjahr das erste Mal in Frankfurt war und mich endlich wieder in Gesellschaft befand, schlüpfte ich mit wachsender Begeisterung auch mal in die hübscheren Kleider, die bisher ungetragen in meinem Schrank hingen. Und ich erfreute mich viel positiver Resonanz, was nach dem ganzen Lockdown Gedöns irgendwie gut tat. Vor allem die überraschten Gesichter derer, die mich schon länger kannten und noch nie in einem Kleid gesehen hatten, amüsierten mich sehr.


Einige Dinge ändern sich aber nie. Nach wie vor finde ich es oberflächlich, Menschen auf ihr Äußeres zu reduzieren. Stil und Mode, diese Dinge sind nicht wichtig, sie sind lediglich ein Spiel. Ich habe Freude daran, mich hübsch zu fühlen und tue mir damit selbst etwas Gutes. Außerdem sehe ich es als eine Art Geschenk, mich für jemand anderen schön zu machen. Hätte ich das Gefühl, damit lediglich eine Erwartungshaltung zu erfüllen, würde das der Sache ihren spielerischen Charakter nehmen.


Also, meine Lieben, freut Euch auf weitere schöne Bilder von mir in hübscher Wäsche und auf das eine oder andere Dinner, bei dem ich ein schönes Kleid trage. Aber vergesst nicht, dass in meinem Herz ein Waldschrat wohnt, dem soziale Konventionen, Mode und Äußerlichkeiten nach wie vor egal sind.

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