Bald sind es zwei Jahre, seit ich auf dieser Plattform aktiv bin. Vor einem Jahr veröffentlichte ich meinen ersten Blog mit dem Titel „Dankbarkeit“ – und bis heute habe ich das Gefühl, dass dieser Titel am besten beschreibt, wie ich diese Zeit wahrnehme. Seitdem ist ein weiteres Jahr vergangen – voller Veränderungen, Lernen, Entwicklung und neuer Erfahrungen.
Ich bin älter geworden – und doch fühle ich mich besser als je zuvor. Denn eine Frau reift, und mit dem Alter kommen Stärke, Geschmack und Selbstsicherheit. Weiblichkeit verschwindet nicht – sie vertieft sich. Etwas anderes aber verschwindet: die Unruhe. Ich muss mich nicht mehr erklären, vergleichen, hetzen oder etwas beweisen. Ich habe angefangen, auf mich selbst zu hören – auf meinen Körper, meine Grenzen, meine Bedürfnisse. Mein „Ja“ und mein „Nein“ haben heute eine ganz andere Bedeutung.
Mit der Zeit habe ich gelernt, sanft zu mir selbst zu sein, dabei aber kompromisslos gegenüber dem, was mich einschränkt. Ich habe entdeckt, dass Weiblichkeit nicht darin besteht, anderen zu gefallen, sondern nahe bei sich selbst zu sein – echt, ehrlich, mit Zärtlichkeit und ohne Scham.
Mein Körper ist kein Objekt von Bewertungen mehr. Er ist zu meinem Zuhause geworden. Ich schaue nicht nur von außen auf ihn – ich fühle ihn wirklich. In Bewegung, Berührung und Sinnlichkeit. Diese Reife – emotional und körperlich – eröffnete mir eine neue qualität meines Sexuallebens.
Ich habe neue, inspirierende Männer kennengelernt – Beziehungen, die meinem Leben nicht nur Frische, sondern auch ein tieferes Verständnis für mich selbst gebracht haben. Gerade im Bereich meiner Sexualität haben sich die interessantesten und tiefgründigsten Veränderungen vollzogen. Weiblichkeit, Lust, Körperbewusstsein – das sind nicht mehr nur Erfahrungen, sondern Räume, die ich mit Achtsamkeit und Mut zu erkunden begann.
An dieser Stelle darf ich Anaïs Nin nicht unerwähnt lassen – eine Frau, die mit einer Kühnheit über Erotik und weibliche Lust schrieb, die ihrer Zeit noch heute voraus ist. In ihren Tagebüchern fand ich Worte, die lange in mir nachklangen:
„Der erotischste Teil des Körpers ist der Geist. Und die sinnlichste Frau ist die, die weiß, was sie will.“
Genau das habe ich gespürt – dass mein Körper nicht nur auf Berührung reagiert, sondern vor allem auf Gedanken, Blicke, die sich langsam aufbauende Spannung im Gespräch. Meine Sexualität ist kein Impuls mehr – sie ist eine Reise. Eine Reise, die auf Achtsamkeit, Neugier und dem Mut basiert, zu sagen: „Das interessiert mich nicht“ oder „Ich will mehr.“
Ich habe Männer getroffen, die mit mir in diesen Raum eingetreten sind – nicht nur körperlich, sondern auch emotional. Einige blieben nur kurz, andere länger – doch jeder war ein Spiegel, in dem ich mich selbst in neuem Licht sah. Dank ihnen bin ich hier angekommen: bewusst, sinnlich, ruhig. Nicht mehr das Mädchen, das Bestätigung sucht, sondern die Frau, die ihren Wert und ihren Lebenshunger kennt.
Was in meinem Sexualleben geschah, war mehr als körperliche Erfahrungen. Jeder dieser Männer war wie ein eigenes Kapitel – mit eigener Energie, Berührung und Präsenz. Durch sie entdeckte ich nicht nur meinen Körper, sondern auch meine Wünsche. Ihre Reife und Sensibilität wurden für mich zum Spiegel. Jede Nähe hinterließ eine Spur. Ich habe viel von ihnen gelernt – und weiß, dass ich selbst etwas gebe: nicht nur meinen Körper, sondern auch Präsenz, Zärtlichkeit, Authentizität. Das, was ich teile, ist meine Erfahrung, mein Reifen, meine Weiblichkeit.
Dann fällt mir Colette ein, die schrieb:
„Frau zu sein heißt nicht, sich verstehen zu lassen. Es heißt, man selbst zu sein, sich zu geben, ohne sich zu rechtfertigen.“
Und genau das tue ich heute. Ich versuche niemanden zu verführen. Ich bin einfach ich. Ohne Scham. Mit Mut. Sinnlichkeit ist für mich nichts mehr, das man „hat“ – sie ist etwas, das ich „bin“. Und ich habe keine angst mehr davor.
Lori ❤️ ❤️ ❤️

