Genuss ist eine leise Kunst. Viele Menschen halten ihn für etwas, das man hat oder nicht hat – eine Gabe, die uns von Natur aus zufällt. Doch das ist ein Irrtum. Genießen ist lernbar. Und mehr noch: Es ist eine Fähigkeit, die gepflegt werden will.
Nicht in die Wiege gelegt – oder doch?
Einige von uns scheinen mit einer natürlichen Neugier für Sinneseindrücke geboren zu werden. Die, die Farben mit großen Augen betrachten, fast körperlich spüren, die ewig an einer Erdbeere schnuppern oder dem rauschen des Windes lauschen, als wäre es ein Geheimnis. Doch mit der Zeit wird diese Fähigkeit oft überdeckt – von Alltag, Hektik, Reizüberflutung.
Die meisten von uns müssen die Kunst des Genießens im Erwachsenenalter bewusst neu entdecken. Und genau das ist die eigentliche Schönheit daran: Genuss ist keine fixe Eigenschaft, sondern ein Muskel, der stärker wird, je öfter wir ihn benutzen.
Warum wir es nicht in der schule lernen
In einem Bildungssystem, das auf Leistung, Effizienz und Wissenstransfer ausgelegt ist, bleibt wenig Raum für sinnliche Bildung. Wir lernen Formeln, Gedichte, Fremdsprachen – aber kaum, wie man einen Moment mit voller Anwesenheit wahrnimmt. Wie man die Aromenschichten eines Tees erkundet oder die Ruhe zwischen zwei Atemzügen.
Dabei wäre genau das eine fundamentale Kompetenz für ein erfülltes Leben. Denn Genuss schafft Tiefe. Er verbindet uns mit uns selbst, mit anderen, mit der Welt.
Andere Kulturen, andere Werte
Es gibt Gesellschaften, in denen Genuss nicht als Luxus gilt, sondern als Lebensprinzip. In Italien wird die Kaffeepause zelebriert wie ein kleines Ritual. In Japan ist die Konzentration auf das Wesentliche – selbst beim Zubereiten einer Schale Matcha – eine hochgeschätzte Praxis. In Frankreich wird gutes Essen nicht nur verzehrt, sondern kulturell verehrt.
Diese Kulturen betrachten Genuss nicht als Zeitverschwendung, sondern als Ausdruck von Lebensqualität. Währenddessen neigen wir in Mitteleuropa oft dazu, uns für das Genießen fast zu rechtfertigen – als müssten wir beweisen, dass wir es uns „verdient“ haben.
Eine Fähigkeit, die uns reicher macht
Wer genießen kann, lebt intensiver. Nicht unbedingt spektakulärer, aber bewusster. Das Leben wirkt nicht länger wie eine Abfolge von Terminen, sondern wie eine Sammlung von Erlebnissen – gelassen, heiter, wundervoller..
Genuss ist nichts, das man besitzen kann. Er ist etwas, das man praktiziert. Und jeder Tag hält Möglichkeiten bereit, ihn neu zu üben: im Duft eines frisch gebrühten Kaffees, im weichen Licht des späten Nachmittags, in der Berührung, im wohligen räkeln auf frischbezogenen Betten, der Biss vom besten Happen der Welt.. in dem Moment.
Die hohe Kunst des Genießens ist schönste, die wir lernen können. Denn sie verwandelt das ganz Alltägliche in reiche Momente – und erinnert uns daran, dass Leben mehr ist als Funktionieren. Etablieren wir Genuss in allen Lebensbereichen, wäre ein gutes Motto für 2026.


Ich kenne einige, die sind so verhärmt, die können nicht genießen. Suhlen sich in negativer Energie und alles andere ist ihnen fremd
Wer verlernt hat zu genießen, der wird nie mit sich und Reine kommen, wir sind Menschen mit Emotionen, wir mögen Berührungen und das Verlangen, gesehen und geachtet zu werden. Die Zeiten sind schnelllebig geworden, umso mehr brauchen wir einen Rückzugsort, um abzuschalten und einfach zu genießen, wir müssen es nur zulassen.
Sollte heißen...wird nie mit sich ins Reine Kommen..Sorry