Eine Frage, die mir in letzter Zeit immer häufiger durch den Kopf geht:
Wann ist eigentlich aus Aufmerksamkeit Verfügbarkeit geworden?
Heute scheint vieles möglichst unkompliziert sein zu müssen.
Schnell antworten.
Spontan sein.
Jederzeit Zeit haben.
Möglichst flexibel.
Möglichst einfach.
Und manchmal habe ich den Eindruck, dass genau das inzwischen sogar erwartet wird.
Vor allem von Frauen.
Bitte attraktiv sein.
Charmant.
Sinnlich.
Interessant.
Aber am besten auch sofort erreichbar – und bloß nicht „kompliziert“.
Ich frage mich dann oft: Was bedeutet kompliziert eigentlich?
Eine Frau, die einen Termin nicht zwischen Tür und Angel plant?
Die sich Zeit nimmt?
Die nicht ständig verfügbar ist?
Die vorher telefonieren möchte?
Die auf Umgangsformen Wert legt?
Die Erwartungen hat – und Grenzen?
Ist das kompliziert?
Oder einfach nur bewusst?
Denn manchmal wirkt es fast so, als wäre alles, was Zeit braucht, heute automatisch anstrengend geworden.
Dabei entstehen die schönsten Dinge doch selten unter Zeitdruck.
Ich glaube, viele wünschen sich besondere Begegnungen.
Nähe.
Spannung.
Leidenschaft.
Aber gleichzeitig soll alles schnell gehen.
Ohne Umwege.
Ohne Geduld.
Ohne echtes Kennenlernen.
Und vielleicht liegt genau dort der Widerspruch.
Denn wirkliche Begegnungen brauchen Raum.
Nicht permanente Verfügbarkeit.
Nicht ständige Erreichbarkeit.
Sondern Menschen, die sich bewusst füreinander entscheiden.
Vielleicht sehe ich das falsch.
Vielleicht bin ich tatsächlich ein wenig kompliziert.
Oder vielleicht haben wir uns einfach daran gewöhnt, dass alles jederzeit verfügbar sein soll – sogar Menschen.
Was denkt ihr?


Na ja, ehrlich gesagt finde ich das aber auch andersherum. 90% meiner langfristig geplanten Date werden von den Herren abgesagt. Genau, aus diesem Grund plane ich überhaupt nicht. Langfristiges mehr. Die unzuverlässigkeit hier wird immer schlimmer.
In der heutigen elektronischen Zeit ist sehr viel jederzeit verfügbar, Produkte genauso wie Dienstleistungen. Klappt irgendetwas nicht nach eigenen Kriterien, wird sehr schnell verworfen und eine potentiell andere Alternative versucht. Man ist beliebig und austauschbar geworden, was bei Produkten dafür sorgt, das der beste Anbieter mit dem besten Produkt das Rennen macht. Diese hohe Erwartungshaltung wird auf andere Bereiche ausgedehnt und entsprechend gehandelt. Wir haben verlernt zu warten oder genauer hinzuschauen, das digitale Zeitalter bietet uns immer Alternativen. Mit KI den digital Assistent, in einigen Portalen die digitale Freundin, optisch, psychologisch genau so, wie wir das träumen, jederzeit verfügbar wie ein Lieferdienst. Es macht uns zu einsamen launischen Egozentrikern mit wenig emphatischen Skills, aber die brauchen ja viele gar nicht mehr. Plötzlich ist der wahre Mensch schwierig, inkompatibel und uninteressant, schöne neue Welt...
Ich kenne noch die alte, analoge Welt der Erotik aus den 80er Jahren. Um eine Dame zu kontaktieren musste ich entweder die einschlägigen Anzeigen in einem bekannten Kölner Boulevardblatt studieren oder auf entsprechende Magazine zurückgreifen. „Happy Weekend“ war seinerzeit das bekannteste Erotik-Kontaktmagazin. Wenn ich eine Dame daten wollte, musste ich mir schon die Mühe machen und sie unter ihrer angegebenen Telefonnummer anrufen. Die Damen waren schon damals nicht auf den Kopf gefallen – keine Dummchen, die man einfach so mal eben besuchen konnte. Sondern clevere Frauen, die nicht auf den Kopf gefallen waren. Ich kann mich noch ganz gut an die teilweise hochnotpeinlichen Fragen am Telefon erinnern. Wer ich bin und wie alt – was ich mir so vorstelle – meine Statur – Raucher/ Nichtraucher – verheiratet: Ja/ Nein (war ich vor 40 Jahren nicht) – was mache ich beruflich – habe ich Risikoerkrankungen, usw. Wenn man dann diese erste Hürde genommen hatte, wurde man zu einem ersten Treffen in ein Café einbestellt. Dort wurde man dann von der Dame noch einmal auf Herz und Nieren geprüft. Ob man die Prüfung bestanden hatte, erfuhr man einige Tage später durch eine telefonische Zusage für ein Rendezvous. Das ließ man dann natürlich nicht so einfach sausen – man hatte vorher dafür viel tun müssen. Heute, im Zeitalter der digitalen Dating-Plattformen im Internet, können wir Männer uns leicht hinter der Anonymität verbergen. Vielleicht ist das mit ein Grund dafür, dass einige Männer meinen, ihre Dating-Partnerinnen wären beliebig austauschbar bzw. immer verfügbar.
Ich bin vieles, aber nicht unkompliziert. Männer, die damit Schwierigkeiten haben, wären kognitiv sowieso nicht mein Typ. Zum Glück gibt es die Männer, die ihre Anfrage schon so stellen, dass sich bei der Frau sexuell etwas regt.
Vollkommen richtig. Auch ein Mann muss nicht immer erreichbar und unkompliziert sein.
An @yourgermanmuse. Leider kann ich nicht direkt antworten, da es mir nicht möglich ist. Warum weiß ich nicht. Aber Männer, die mit dir Schwierigkeiten haben sind geistig nicht dein Typ? Interessant.