Gegen ein Sexkaufverbot – weil ein "Ja" mehr zählt
Sexuelle Selbstbestimmung Verdient Respekt!
Als eine, die sich dafür entschieden hat, als Independent Escort meine Leidenschaften auszuleben, betrachte ich meine Kontexte in der Sexarbeit als essentiell für meine sexuelle Selbstbestimmung. Das Escort-Dasein ermöglicht mir nicht nur ein Making Love, sondern ich fülle auch eine Rolle im Leben der Männer aus, die ich treffe. Ich stille ein Bedürfnis und bin sowas wie eine Bekannte oder Freundin. Das Verhältnis zwischen Mann und Frau in der Sexatbeit funktioniert wie Beziehungsarbeit. Beziehungen sind sehr vielschichtig. Und niemand kommt bisher auf die irrwitzige Idee die Ehe abschaffen zu wollen, weil es auch hier Abgründe bisweilen geben kann.
Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum ähnliche oder sogar gleiche Beziehungen unterschiedlich gewichtet werden könnten. Ich verstehe nicht, wie Escort sein besser aber Freier sein irgendwie bäh sein soll. Wobei ich dieses Prostitutionsdeutsch sowieso sehr merkwürdig finde. Für mich klingt jedenfalls diese Herangehendweise schief. Ein mögliches Verbot des Sexkaufs erscheint mir infolge auch deshalb als absurd, weil ich meine Kontexte als komplexer betrachte als einfach nur sexuell.
Mit einem Sexkaufverbot wird ein Stück ganz normales Leben, wie Menschen ihr persönliches und intimes Miteinander gestallten ganz sperrig ausgeklammert und an den Rand gestellt. Bin ich und der Mann, der mich trifft weniger wertvoll oder schützenswert in diesem Modell, ganz egal wie man es nennt? Und wo bleibt die Berücksichtigung unseres gemeinsamen freien Willens? Wir sind erwachsen und bestimmen selbst, wen wir treffen wollen! Sind sexarbeitende Menschen noch nicht ausreichend prekarisiert?
Es ist, und das gilt auch für die Männer, die ich treffe: unser eigener Körper, unser eigenes Leben, es ist unser "Ja" füreinander wie ein gegenseitiges Bekenntnis, das so integer, wie das "Ja" für die Ehe ist. Nur eben kürzer.
Für mich und andere, die sich bewusst für dieses Lebensmodell entscheiden, wäre ein Sexkaufverbot ein weiterer Rückschritt in unschöne Zeiten. Wo bleibt das Verständnis und die Akzeptanz für unterschiedliche Formen menschlicher Beziehungsmodelle und mägen sie noch so kurz sein? Sie sind ebenso wahrhaftig. Das kann man sehr wohl sehen und fühlen. Vielleicht nicht immer, aber regelmäßig.

