Es gibt Worte, die schmeicheln dem Ohr, die wecken Bilder und Gefühle, die duftend und warm in die Vorstellung gleiten wie frisch gewaschene Wäsche in einen sonnenwarmen Kleiderschrank. „Seide“ zum Beispiel. Oder „Samt“. Worte, die versprechen. Und dann gibt es „Hygiene“. Ein Wort, das klirrt wie kaltes Krankenhauslicht, das nach Desinfektionsmittel schmeckt und sich in sterile Silben auflöst.
Dabei liebe ich das, was hinter dem Begriff steckt. Ich verehre den Duft von frisch gewaschener Wäsche, diese Mischung aus Reinheit und Vertrautheit, die sich wie eine weiche Haut um meine Sinne legt. Ich genieße das Gefühl, nach einer heißen Dusche frisch in den Tag zu treten, eingehüllt in den feinen Nebel von Duschgel und Pflege. Ich liebe es, gut zu riechen – nicht, weil es eine Pflicht wäre, sondern weil es mir ein Gefühl von Präsenz gibt, von Leben, von Körperlichkeit.
Doch „Hygiene“? Dieses Wort schiebt all das in ein Licht, das jede Sinnlichkeit verschluckt. Es klingt nach Regelwerk, nach Pflichtbewusstsein, nach erhobenem Zeigefinger. Es ist nicht sinnlich, sondern funktional. Nicht warm, sondern klinisch. Man spürt förmlich die grelle Härte, die das Wort in sich trägt. Als sei Körperpflege ein militärischer Akt. Als sei Reinheit etwas, das man misst, prüft, zertifiziert.
Vielleicht liegt es daran, dass Hygiene gesellschaftlich eher mit Vermeidung verbunden ist: Vermeidung von Schmutz, von Krankheit, von Keimen. Dabei ist Sauberkeit in ihrer schönsten Form ein Genuss. Ein Ritual. Ein Akt der Selbstliebe. Und Rituale brauchen keine Regeln, sie brauchen Raum. Raum für Düfte, für Empfindungen, für das langsame Versinken ins Wohlgefühl. „Hygiene“ hingegen schiebt sich dazwischen wie ein Klemmbrett voller Vorschriften.
Ich wünsche mir ein anderes Wort. Eines, das uns einlädt, uns zu pflegen, zu verwöhnen. Eines, das nicht kalt befiehlt, sondern heiß flüstert. Vielleicht ist es „Pflege“, vielleicht „Frische“, vielleicht „Reinheit“. Worte, die weich sind, die atmen können. Worte, die nicht an Krankenhauskacheln erinnern, sondern an fließendes Wasser und duftende Haut.
Denn am Ende geht es doch um etwas zutiefst Sinnliches: um Nähe. Zu uns selbst. Zu anderen. Und wer will schon „hygienisch“ geliebt werden? Ich nicht. Ich will frisch, weich, warm, lebendig sein. Und selbst wenn ich alles tue, was man unter Hygiene versteht – das Wort selbst bleibt für mich ein kalter Gegner in einem Reich voller Düfte und Intimität.


Sauberkeit und Hygiene haben eine große Übereinstimmung. Hygiene ist Teil von Sauberkeit. Ohne Wasser und Seife, kann ein Mensch nicht sauber sein. Ohne Sauberkeit gibt es aber auch keine Hygiene. In Operationssaal voller Staub und Dreck, kann nicht hygienisch sein.