Man merkt, dass man älter wird, wenn die Menschen um einen herum immer jünger sind. In der realen Welt fällt das besonders auf, online dagegen ist dieses Gefühl weniger präsent. Im Netz bleibt man oft allein mit sich selbst. Und doch verändert sich auch hier etwas mit der Zeit. Nicht nur Technik oder Webdesign entwickeln sich weiter, sondern auch die Menschen, denen man virtuell begegnet, selbst wenn man sie nie persönlich kennengelernt hat.
Man spürt es in der Art, wie kommuniziert wird, wie sich Menschen inszenieren, vielleicht auch, wie sie wirklich sind. Und irgendwann merkt man: Früher war das mal anders.
Kaufmich war nie eine perfekte Seite. Schon damals wirkte sie leicht angestaubt, selbst in ihren jüngeren Jahren. Auf den ersten Blick war sie vielleicht sogar etwas unattraktiv. Und dann dieser Name, an dem sich die Geister schon damals schieden. Ich habe ihn nie auf mich selbst bezogen. Ich glaube, es ging eher um die Seite als solchen Marktplatz für Sexarbeit im 21. Jahrhundert. Ein Marktplatz, der, ganz im Wortsinn, auch käuflich war, zum Beispiel durch ein Premiumprofil.
Solche Upgrades gab es damals schon. Und doch entstand schnell das Gefühl: Fast alle haben so ein Profil. Um überhaupt noch aufzufallen, musste man sich zusätzlich sichtbar machen.
Blogs waren damals wichtiger als heute. Sie wurden auf der Startseite verlinkt und ein Forum gab es noch nicht. Blogs hatten daher einen ganz anderen Stellenwert: als zentrale Kommunikationsräume. Unter manchen Blogs entwickelten sich hitzige Diskussionen, manchmal ewig lange Threads zu allen denkbaren und undenkbaren Themen. Unterhaltsam war das allemal, auch wenn es nicht immer konstruktiv zuging.
Bilder? Die gab es nur in den Profilen, nicht in den Blogs. Auch das Design war ganz bestimmt eher nebensächlich. Niemand legte besonderen Wert darauf. Stattdessen gab es diese bunten kleinen Profilbildchen, die man sich zu Feiertagen oder Aktionstagen gegenseitig schenken und ans Profil pinnen konnte. Eine charmante Idee, durch die man leicht ins Gespräch kam. Nicht zu vergessen: die kleinen Spielereien wie Suchspiele, bei denen man irgendwelche versteckten Objekte auf der Seite finden musste, um Preise zu gewinnen.
Durch die Kommunikation in den Blogs entstanden nicht nur Paysex-Kontakte – ich habe damals auch andere Sexarbeiterinnen persönlich kennengelernt. Dieser Austausch war für mich enorm prägend. Ich bekam dadurch sehr schnell ein Gespür für die Szene, seine Grauzonen, seine Chancen und vor allem für das, was funktioniert und was nicht. Oft war ich regelrecht Beobachterin im Alltag anderer. Ich erinnere mich an Situationen, in denen ich bei einer Kollegin saß und plötzlich das Telefon klingelte, weil jemand gerade eine Session buchen wollte…
Was mir besonders auffiel: Wie streng manche Frauen damals am Telefon waren. Freundlicher Smalltalk oder charmantes Animieren? Fehlanzeige. Es lief einfacher... Und auf jeden Fall war man unabhängig. Es war ein deutlich anderes Klima als heute. Man kannte sich auch über 1, 2, 3 Ecken. Ich kannte jetzt nicht viele, aber andere waren schon sehr im Bilde und konnten interessante Stories erzählen. Natürlich und v.a. auch über die Männer, die man so kennenlernt.
Viele Frauen sind „damals“ eher nebenbei eingestiegen: experimentell, neugierig, manchmal ohne genau zu wissen, worauf sie sich einließen. Die Plattform mit ihrem Community Charakter bot dafür einen halbgeschützten Rahmen, in dem man sich vorsichtig annähern konnte. Heute ist alles viel durchstrukturierter. Man hat früher glaube ich eher ein Auge auch mal zugedrückt und sich angelächelt. Das ist vorbei.
Damals war KM alles andere als „woke“. Aktive Paysex-Profile durften nur von Frauen erstellt werden – cis wie trans. Männer? Fehlanzeige. Callboys existierten auf der Plattform schlicht nicht.
Es war eine andere Zeit, mit anderen Codes und anderen Selbstverständlichkeiten. Vielleicht war es weniger modern oder professionell. Aber dafür echter. Menschlicher.


Ja, vor 10 Jahren wurden die Regeln für die Blogs geändert, von dä an durfte nicht mehr persönliche Werbung gemacht werden. Ich denke das war so April Mai 2015. Davor gab es Massen von Frauen die unheimlich feucht sofort jemanden wollten :-)
Vor allem konnte Mann vor 10 Jahren noch due Damen anschreiben. Nun brauch ich eine Mitgliedschaft zu horrenden Preisen und das Geld für due Damen. Der Betrag für die SDL ist ja auch nicht geringer geworden und größtenteils Ok. Ich will nur keine Mitgliedschaft abschließen um dann von 20 fakes und 10 inaktiven Accounts nichts zu hören.