An jenem Morgen stand ich in einem langen, fließenden weißen Kleid vor dem Spiegel, betrachtete mein Spiegelbild einen Augenblick länger als gewöhnlich, machte ein Foto und schrieb mit leisem Schmunzeln darunter: „Okay… wo heiraten wir?“
Ein Hauch von Ironie, ein Hauch von Koketterie – jene Art von spielerischer Nachricht, die man nur verfasst, wenn man sich an einem gewöhnlichen Morgen plötzlich unwiderstehlich schön fühlt und die Vernunft für einen Moment aussetzen lässt.
Das Universum, so scheint es, besitzt keinerlei Sinn für diese feine Art von Humor.
Noch am selben Tag fand mein erstes Date über die Agentur statt. Ich war unerwartet nervös, denn für gewöhnlich wähle ich die Herren selbst aus, spüre ihre Energie bereits durch die Korrespondenz und weiß, auf welches Terrain ich mich begebe. Diesmal jedoch hatte ich lediglich die Worte meiner Agenturchefin im Sinn: „Der klingt total süß.“
Als ich eintraf, erwartete er mich bereits, mit einem Strauß tiefer, samtiger roter Rosen. Ich musste unwillkürlich lächeln, denn auf meiner Setcard steht unmissverständlich, dass ich ausschließlich rote Rosen wünsche. Entweder hatte er sie aufmerksam studiert, oder er war vom ersten Augenblick an tief emotional berührt.
Sein Deutsch war begrenzt, sodass sich unser Gespräch in einem verführerischen, vielsprachigen Tanz aus Deutsch, Englisch und seiner Muttersprache entfaltete. Manche Sätze webten alle drei Sprachen ineinander, und dennoch trug uns diese eigenwillige Leichtigkeit eine Weile. Für einen kurzen, verführerischen Moment erschien mir alles fast absurd romantisch, und ich dachte tatsächlich: Vielleicht birgt die Spontaneität doch einen ganz eigenen Zauber.
Doch schon bald offenbarte sich, dass er emotional bereits weit vorausgeeilt war. Seine Stimme wurde weicher, sein Blick intensiver, und ich erkannte jenen besonderen Ausdruck, den Männer manchmal bekommen, wenn sie innerhalb weniger Minuten beschließen, dass du die Frau bist, die ihr Schicksal verändern soll.
Ich konnte es nachvollziehen. Dennoch.
Die Stimmung begann sich allmählich zu verdunkeln. Er fragte wiederholt, ob wir uns beim nächsten Mal nicht privat, ohne Vermittlung der Agentur, treffen könnten. Ich lehnte viermal höflich, aber bestimmt ab. Doch ein „Nein“ schien für ihn lediglich den Auftakt zu einer Verhandlung zu bilden, und dieses Gefühl hinterließ einen ersten feinen Riss in meiner inneren Harmonie.
Dann folgte die Frage, ob wir wirklich ein Kondom benötigten – es handele sich lediglich um ein Missverständnis aufgrund der Sprachbarriere. Bei solchen Angelegenheiten jedoch dulde ich keine Missverständnisse. Meine Antwort war klar, ruhig und unumstößlich.
Der wahre Tiefpunkt erreichte uns jedoch erst später. Er nahm meine Hände in die seinen, sah mir tief in die Augen und bat mich, ihm bestimmte Sätze nachzusprechen. Zunächst vermutete ich ein verspieltes, erotisches Rollenspiel – manche Herren schätzen es schließlich, wenn die elegante Dame plötzlich zu verruchten Worten findet.
Bis ich erkannte, was tatsächlich geschah.
Er versuchte, mich in seiner Muttersprache ein Ehegelübde nachsprechen zu lassen.
In diesem Augenblick war das Date für mich beendet.
Ich erhob mich, teilte ihm mit, dass ich nun meine Agenturchefin kontaktieren würde. Die Atmosphäre wurde mit einem Mal schwer und drückend. Er wollte mich nicht gehen lassen. Erst als ich leise gestand, dass dies mein erstes Date über die Agentur sei und ich mich tief überfordert fühle, gab er nach.
In meiner typischen Art ließ ich meinen Burberry-Mantel als Pfand zurück, nahm die Zimmerkarte und verließ den Raum.
Meine Agenturchefin reagierte mit vollkommener Souveränität: Kein Druck, kein Zureden, lediglich klare, wertschätzende Unterstützung.
Ich ging.
Und ja… in Zukunft werde ich wohl etwas achtsamer mit meinen Hochzeits-Manifestationen im weißen Kleid sein.
Das Universum nimmt solche Dinge offenbar außerordentlich ernst. Vermutlich ist das Universum auch aus Norddeutschland.


😅
Zeigt, überlege genau, bevor man sich etwas wünscht 😉
Sowas hinterlässt emotional auch Spuren. Der Versuch, ein Ehegelöbnis zu erschleichen und Sex ohne Kondom forcieren zu können klingt nach emotionalem Hintergehen statt Offenheit. Kein schönes Gefühl! Ich hoffe, Du bist gut darüber hinweggekommen. Vorsichtig macht das auf jeden Fall! Alles Liebe Dir!
Ahja, ich bin natürlich wieder ins Zimmer und habe meinen Mantel geholt.
@yourgermanmuse - das,was du da erlebt hast, gerade beim ersten Date, wünscht man keiner Dame auf Zeit ...ich frage nicht nach der Nationalität dieses Mannes, aber manche Männer haben halt ein ganz anderes Verständnis im Umgang mit Frauen und lassen dieses dann die Dame auch spüren. Sehr gut, dass du auf seine Fragen nach AO nicht eingegangen bist. Bleib immer deiner Linie treu, Gesundheit ist ein so hohes Gut und mit keinem Geld der Welt zu ersetzen. Es gibt sie, die ehrlichen Männer, die wissen, wie man eine Frau zu behandeln hat - löse dich von der Agentur, dann kannst du selbstbestinmt die Männer auswählen, immer nach Bauchgefühl. Ich wünsche dir hier alles Gute und nur die Männer, die den Wert einer Frau erkennen und zu schätzen wissen.