Sonntagmorgen in Berlin. Ich hatte gerade ein erneutes Treffen in einem Hotelzimmer, mit jemandem, der mich bereits letztes Jahr unter ähnlichen Umständen bestellt hatte. Ein junger Mann, so viel darf ich hier hoffentlich schreiben, der mir in Erinnerung geblieben ist. Dieses Mal zog er mich zu Beginn in ein Gespräch, das mich so abgelenkt hat, dass ich vergaß, unser finanzielles Arrangement anzusprechen. Als die Dinge ihren Lauf nahmen, erinnerte ich mich plötzlich daran, doch da war es schon zu spät. Er versprach, mir das Geld im Anschluss zu geben, behauptete, es sei "da drüben" und bat mich, fortzufahren, weil er ja schon mittendrin sei. Doch nach dem Höhepunkt und auch nachdem er aus dem Bad kam, hielt er sein Versprechen nicht ein. Auf meine Nachfrage hin erwiderte er, das Geld bereits ausgegeben zu haben – eine Tatsache, die ihm "völlig entfallen" war.
Trotz meiner Enttäuschung bemühte ich mich, Fassung zu bewahren. Doch mein Tonfall verriet meine wahren Gefühle. Ich finde diese Art von Dates können nur mit einem Vertrauensbonus auf beiden Seiten funktionieren. Jeder wünscht sich fair behandelt zu werden und wie kann man in einem Moment Intimität zulassen um im nächsten Moment ein ganz anderes Gesicht zu zeigen...
Er schlug vor, zu einem Geldautomaten (ATM) zu gehen, um den ausstehenden Betrag abzuheben, doch unterwegs gab er mir das Gefühl, als wären wir Teil einer kleinen Verfolgungsjagd durch Seitenstraßen, fernab jeglicher Geldautomaten. Sein stures Weigern, einen Geldautomaten im Internet zu suchen, und sein Bestehen auf Abstand, um nicht von Bekannten gesehen zu werden, entlarvten seine Absichten.
Als wir das Hotel verließen, wirkte bereits alles wieinszeniert. Ehrlich gesagt, war meine Neugier, wie er sich aus dieser Lage winden würde, fast so groß wie die Frage, ob ich mein Geld je sehen würde. Als er schließlich verschwand, lief ich abgeklärt und um eine Erfahrung reicher nach Hause. Zehn Minuten später erhielt ich einen Anruf von einer anderen Nummer. Es war er, der behauptete, mir doch noch das Geld geben zu wollen. Doch kaum hatte ich geantwortet, zog er seine Zusage zurück und gestand, dass er das Geld doch nicht habe. Seine Begründung? Er sei momentan knapp bei Kasse. Ich legte auf und blockierte die Nummer, überwältigt von der Dreistigkeit, die er an den Tag legte.
Diese Erfahrung hinterlässt bei mir nicht nur ein Gefühl der Enttäuschung, sondern auch der Ernüchterung. Doch diese Begegnung lehrte mich auch, in Zukunft wachsamer zu sein und die Zeichen früher zu erkennen. Es war eine Lektion, die ich sicher nicht vergessen werde. Während manche Herren es bevorzugen, finanzielle Angelegenheiten erst am Ende eines Treffens zu klären, illustriert mein erlebnis eindrücklich, wie essenziell eine Vorabklärung solcher Details ist.

