Eine Woche ist es nun her, seit ich auf den Mann traf, der sich weigerte am Ende eines vollendeten Dates mit Höhepunkt, mir mein Honorar zu geben und dessen Begegnung ich in meinem letzten Blog beschrieb. Glücklicherweise stellen solche Ereignisse eine absolute Ausnahme dar. Doch der Vorfall hinterließ seine Spuren: Erst gestern lehnte ich jemanden ab, bei dem mich irgendetwas unangenehm an jene Erfahrung vom letzten Sonntag am Telefon erinnerte. Mein Übervorsicht meldete sich – es war eine ungerechte Entscheidung. Daher entschuldigte ich mich später bei dem zu Unrecht Abgewiesenen.
Diese Woche jedoch schien mir das Schicksal wohlgesonnen: Ich begegnete auffallend attraktiven, anziehenden und angenehmen Männern. Doch Paysex führt nicht nur zu punktuellen erotischen Liaisons, sondern manchmal auch zu unerwarteten Wiedersehen. Vor Jahren traf ich bei einer Buchung auf den Cousin eines ehemaligen Schulfreundes, der mir dereinst, noch im letzten Jahrtausend, vorgestellt worden war – eine Begegnung, die mich in unsere Jugend zurückversetzte. Ich gab mich zu erkennen, und wir nahmen wieder lockeren Kontakt auf.
Eine andere Nacht mit oder ohne Vollmond bescherte mir eine unverhoffte Buchung von jemandem, mit dem ich früher eine kurze Romanze hatte. Es war einer der schnellsten BJs – unter 30 Sekunden. Trotz des gegenseitigen Wiedererkennens vermieden wir es, über unsere Vergangenheit zu sprechen. Es war mir irgendwie fast peinlich, wenngleich er mir optisch gefiel. Mit manchen ist es sexuell ganz ok, aber die Kommunikation hängt hinterher. Es war ein bemerkenswert kurzes Date. Seine Schüchternheit könnte der Grund für sein erneutes Aufsuchen gewesen sein. Er hatte sich früher wahrscheinlich nicht getraut, auch nur ein Abenteuer in mir zu suchen.
Erst kürzlich wurde ich von jemandem gebucht, den ich letzten Sommer selbst über ein Sexportal angeschrieben hatte, da sein Profil mich faszinierte. Zu einer Begegnung kam es damals nicht, umso überraschender war es, dass ebenjener Mann mich nun buchte. Ich war voller Spannung und ein wenig nervös, denn es war mir wichtig, dass er mir auch in der Realität gefallen würde. Er übertraf all meine Erwartungen. Als ich mich zu erkennen gab, konnte er sich allerdings nicht mehr an mich erinnern.
Diese Momente der Anonymität und der Beliebigkeit sind nicht ungewöhnlich, dennoch hinterlassen sie jedes Mal einen bittersüßen Nachgeschmack. Einerseits bietet die Anonymität von reinen Sexdates einen Schutzraum, der es beiden ermöglicht, sich frei von den Fesseln des Alltags zu bewegen. Sie erlaubt uns, verschiedene Facetten unserer Persönlichkeit zu erforschen, die im Licht der gesellschaftlichen Normen und des Alltags vielleicht verborgen bleiben würden. Andererseits kann die Beliebigkeit, die damit einhergeht, ein Gefühl der Flüchtigkeit und Vergänglichkeit erzeugen, das mich nachdenklich stimmt. Es ist, als würden Momente der Nähe und Intimität, die in anderen Umständen vielleicht den Beginn einer tieferen Verbindung markieren könnten, im flachen Gewässer der erotischen Seichtheit untergehen. Trotz dieser Ambivalenz habe ich gelernt, Momente dieser Begegnungen zu genießen, sei es für ihre Intensität oder für die Freiheit, die sie bieten. So muss ich zugeben, dass mir BJ-Dates mit Fremden auch einfach Spaß machen. Vielleicht ist es gerade die Oberflächlichkeit dieser Begegnungen, die sie so einzigartig und unvergesslich macht – zumindest für mich. Und eines ist ganz gewiss: Der nächste Mann kommt ganz bestimmt.

