Manchmal komme ich in Wohnungen, in denen Musik läuft. Sanfte Klänge, laute Rhythmen, irgendetwas zwischen Vivaldi und Techno. Musik soll unterhalten, Atmosphäre schaffen, vielleicht auch gegen die Stille helfen. Aber genau das ist es, was mich bei BJ-Dates stört.
Bei meinen Dates bitte ich meistens darum, sie auszuschalten. Spätestens, wenn es intim wird. Vom Fernseher ganz zu schweigen. Manchmal flimmert auch der noch nebenbei. Dann sage ich: Jetzt sollten wir uns gegenseitig genügen.
Denn selbst leise Musik bleibt eine Stimme im Raum. Man hört ständig mit. Ein Bass, ein Refrain, ein Piepen vom Handy. Irgendetwas zieht Aufmerksamkeit weg. Als säße noch jemand daneben. Unsichtbar, aber anwesend.
Wenn zwei Menschen sich aufeinander einstellen wollen, braucht es keinen Soundtrack. Nur Aufmerksamkeit. Den Moment. Den anderen Menschen.
Deshalb schalte ich alles aus, bevor ich Zeit mit jemandem verbringe. Nicht nur bei meinen Haus- oder Hotelbesuchen, sondern auch im Alltag. Für mich ist das mehr als Höflichkeit. Zeit mit einem Menschen gibt es nur ein einziges Mal. Und solange sie dauert, gehört meine Aufmerksamkeit meinem gegenüber.
Komisch eigentlich, dass man das noch sagen muss.
Hinzu kommt: Musik ist Geschmackssache. Woher soll jemand wissen, ob mir gefällt, was er hört, wenn er mich kaum kennt? Man trifft sich schließlich nicht, um gemeinsam Hintergrundgeräusche zu konsumieren.
Die meisten verzichten inzwischen immerhin auf Unterhaltungsmusik. Das Handy des ein oder anderen Gastgebers bleibt aber fast immer eingeschaltet. Vielleicht ist genau das das eigentliche Problem: Dass die Welt draußen für viele nie mehr ganz verstummt, sondern den Alltag andauernd beschallt. Und dabei unbemerkt Zeit und Energie frisst.

