Ich werde manchmal gefragt, ob mir meine Zeit als Krankenschwester bei meiner Arbeit heute hilft.
Die ehrliche Antwort ist: Ich wäre ohne sie eine andere Person. Eine schlechtere, in dem was ich tue.
Auf der Intensivstation habe ich gelernt, was es bedeutet, wenn jemand dir sein Leben in die Hände legt. Nicht metaphorisch. Buchstäblich. Du bist der Mensch, der in diesem Moment entscheidet. Der die Kontrolle hat. Der ruhig bleibt, wenn alles andere aus dem Ruder läuft.
Und du trägst diese Verantwortung – nicht weil du musst, sondern weil du weißt, dass du der Einzige bist, der gerade dazu in der Lage ist.
Klingt das vertraut?
Was viele nicht sehen: BDSM hat wenig mit dem zu tun, was man in Filmen sieht. Es hat viel mit Vertrauen zu tun. Mit Kontrolle. Mit dem Wissen, dass du in diesem Raum die Person bist, die den Rahmen hält – damit der andere sich fallen lassen kann.
Auf der Intensivstation habe ich gelernt, Körpersignale zu lesen. Zu spüren, wann jemand an seine Grenze kommt – bevor er selbst es merkt. Dieses Wissen habe ich nie abgelegt. Es ist einfach Teil von mir.
Der Unterschied zwischen damals und heute?
Damals wurde ich dafür bezahlt, Leben zu retten.
Heute werde ich dafür bezahlt, jemandem für eine Stunde das Leben zu erleichtern.
Beides ist Fürsorge. Nur in unterschiedlichen Kostümen.
Hanna

