Berlin. Freiheit. Und die Frage, die ich mir selbst stellen musste.
Nach einer langen Beziehung — einer, die ich wirklich geliebt hatte — stand ich plötzlich da. Allein. Und irgendwie offen. Erschreckend offen, auf eine Art die mich gleichzeitig faszinierte und überforderte.
Alles, was ich über Liebe, Partnerschaft, Sexualität gedacht hatte — es stimmte plötzlich nicht mehr. Also fing ich an zu suchen. Intensiv, ehrlich, manchmal wild. Und dann — Tantra. Nicht weil es trendy war, sondern weil es sich anfühlte wie das Natürlichste der Welt — wie eine Sprache, die mein Körper schon immer gesprochen hatte. Tantra verbindet mich mit mir selbst, mit meiner Essenz. Und es dehnt sich aus — in meine Beziehungen, in mein Leben als Tänzerin und Performerin.
Ich lebe in Berlin. Und das ist kein Zufall.
Diese Stadt ist lebendig — für jede Szene, jeden Stil, jede Ausdrucksform gibt es hier Gleichgesinnte. Berlin lässt dich sein, wer du bist. Es fragt nicht ob das passt.
Aber — was nützt äußere Freiheit, wenn du innerlich noch gefangen bist?
Scham ist leise.
Sie schleicht sich ein — in die Schultern, in den Atem, in die Art wie du dich berühren lässt oder eben nicht zulässt. Sie wirkt im Stillen und formt die Grenzen dessen was du dir erlaubst zu fühlen. Während Berlin nach außen hin alle Türen öffnet, bleiben in uns manchmal die wichtigsten Türen verschlossen.
WO SCHAM SITZT, KANN LEBENSKRAFT NICHT FLIESSEN.
Niemand hat es uns beigebracht.
Wir kamen auf die Welt mit einem Körper, der fühlen will, der berührt werden will, der Lust kennt — und dann begann die Erziehung. Nicht böswillig, aber wirkungsvoll. Sexualität wurde zur Privatsache: sprich nicht darüber, schäm dich. Niemand hat uns beigebracht, wie wir unsere Sexualität wirklich leben, vertiefen, teilen können. Wir lernten zu funktionieren. Und so wuchs in uns eine Lücke — ein Hunger den wir nicht benennen konnten.
Was manche als Fetisch bezeichnen — diese intensiven wiederkehrenden Fantasien — ist oft nichts anderes als Scham in Verkleidung. Energie, die keinen anderen Ausweg gefunden hat. Weil wir angst haben, wirklich gesehen zu werden.
Ich erinnere mich an einen Mann.
Er sagte es direkt: Ich schäme mich für das was ich will. Sobald er wirklich nah bei einer Frau war, verstummte er — die Worte blieben aus, die Bedürfnisse unausgesprochen.
Er kam öfter. Zuerst lernte er, bei sich anzukommen — zu atmen, zu spüren, da zu sein. Dann lernte er sich zu öffnen — auszusprechen was er fühlte, was er wollte, was er geben wollte. Zwischen unseren Begegnungen übte er, in seinen eigenen Momenten, mit anderen Menschen. Jedes Mal wenn er wiederkam erzählte er mir davon — von Begegnungen die sich anders anfühlten, von Momenten wo sich etwas öffnete, von einem Weg der sich entfaltete.
Die intensiven Fantasien wurden schwächer — nicht weil er sie unterdrückte, sondern weil das echte Erleben stärker war. Intensiver als jede Fantasie.
Seine Scham blätterte ab, Schicht für Schicht. Darunter war kein Monster. Darunter war ein lebendiger, mutiger, liebender Mensch.
Der Weg führt nicht um die Scham herum — sondern hindurch.
Man bekämpft Scham nicht, man begegnet ihr. Mit Präsenz, Berührung, der Erlaubnis das zu sein was man ist. Der Körper ist kein Hindernis — er ist der Weg.
Wir haben gelernt, dass Lust etwas ist das man verdienen muss. Dass Sinnlichkeit versteckt gehört. Dass man sich schämen soll für das was man fühlt.
ABER WAS WÄRE, WENN DAS NICHT STIMMT!
Was wäre, wenn innere Freiheit genauso möglich ist wie die Freiheit die du auf Berlins Straßen spürst? In einem sicheren Raum entsteht genau diese Weite — eine Berührung die zuhört, ein Moment der nichts fordert, nur du, in deinem Körper, in deiner ganzen Größe. Vollständig. Erlöst 🕊
Als wäre Sinnlichkeit nicht etwas das du tust —
SONDERN ETWAS, DAS DU BIST.
Und das ist Freiheit.

