Ich sitze im Eurostar nach Paris und bin schon beeindruckt, dass dieser auf die Minute pünktlich den Bahnhof verlässt.
Wie wohl überall auf dieser Welt beginnt die Fahrt mit der Vorstellung des Maitre de Chemin de fer, was mir ein Lächeln entlockt. Irgendwie klingt es immer ein klein wenig so, als wenn heute Morgen noch zum café noir und der obligatorischen Gauloise mais ein wenig am Pastis von gestern Abend genippt worden sei. Weit entfernt vom ernstaften Nuscheln aufgrund unangemessenen Alkoholkonsums, schleichen sich in Betonungen jene leichten Unschärfen, welche man von Menschen kennt, die sich überproportional konzentrieren müssen, um gerade Sätze zu sprechen.
Im Wissen um die Herausforderung der deutschen Sprache für jemanden, der es gewohnt ist melodisch-elegant zu parlieren, erscheint es um so mehr als große Kunst mit diesem unnachahmlichen Akzent das Deutsche zu etwas Schönem, etwas anmutigen werden zu lassen. Es hat etwas elegantes und vermittelt eine galante Freude am Leben
Allein die Sprachmelodie nimmt dem Deutschen sein Härte und Ungeschliffenheit. Man könnte neidisch werden im Wissen um die eigene Unfähigkeit jemals diese Nonchalance (mit der Franzosen wahrscheinlich auch den Ausbruch des 3. Weltkriegs wie eine Einladung zu einem Rendevous mitteilen können) zu erreichen.
Ein wenig mental eingestimmt durch den Zeitvertreib auf KM durch die Profile zu stöbern, bekommt das französische Ideom in der Mitteilung der zu passierenden Station ein laszive Note und lässt, ein wenig flackernd noch, den Vorspann zu meinem Kopfkino anspringen
Es erscheint beinahe zwingend naheliegend, dass wir der oralen Kunst das Etikett des Französischen angeheftet haben, muss doch konsterniert werden, dass das Spiel mit Zunge, Mund und Lippen als grosse Kunst zu bewerten ist. Ein virtuoses Konzert der "erhärtenden" Effekte wird es mit Augenaufschlag, tiefer Aufnahme und Spuke, je nach Gusto der beteiligten Spieler. Wobei ich nicht unerwähnt lassen möchte, dass (an dieser Stelle als Begleitmusik sicherlich angemessen) die Ode an die Freude auch nur schlecht in kleiner Besetzung ihre großartige Wirkung erzielen wird. "Too much is not enough" ist zumindest als Headline in diesem Fall eher nach meinem Gusto
Ich schweife ab, zurück zum Thema. In Zeiten des, glücklicherweise, gesteigertem Bewusstsein bzgl. der eigenen Gesundheit und der des Spielpartners in den Laken der Lust, kommt der Lümmeltüte (ich schaff den Bogen schon noch) eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu. Vielleicht erklärt dies auch warum ihr die Ehre zuteil wird nach der Kapitale der Grand Nation benannt zu werdent. Ehre, wem Ehre gebührt.
Nur, wo Licht, da bekanntlich auch Schatten. So segensreich das Tragen des Latexmäntelches beim Akt auch sein mag, so niederträchtig mag sich der Prozess des Anlegens gestalten. Es stört das Spiel, es unterbricht den Flow, zeitigt dann und wann "erschlaffende" Wirkung und es muss mühsam neu aufgebaut werden. Es ist nicht einfach mit dem Anzug, der es gestattet in tiefe Höhlen einzutauchen.
Der Pariser mag sich schmückend kleiden, ein einfacher Genosse war er nie. Nicht der Mensch, noch sein Pendant.
Es gilt das Beste draus zu machen, ihn einzuladen, einzubauen in das Spiel, womit wir wieder bei der Kunst des Französischen wären. Grammatik ist das Zauberwort. Wer das WIE beherrscht und nicht nur das WAS, gilt als Meister.
Den Pariser mit dem Mund überziehen, ist an Galanterie und Eleganz nicht mehr zu überbieten.
Nicht nur dies, damit wandelt sich das Ankleiden von lästiger Last zur geilen Lust und Freude, lässt den Freudenstab in Pracht und Größe leuchtend erstrahlen und schenkt den Beteiligten ein Lächeln der Freude ob der Erwartung was noch folgen
Wie überall und beinahe Allem. Herausforderung als Möglichkeiten zu betrachten, die Chancen zu sehen und zur Tat zu schreiten, stets das Beste draus zu machen, ist die Parolle.
Wenn das Leben dir Zitronen schenkt, mach Limonade draus.
In diesem Sinne ein schönes Wochenende

